Sport lässt Fremde zu Freunden werden

Das 1. Mittelsächsische Integrationsfestival hat in Hainichen Einheimische und Flüchtlinge einander nähergebracht. Rund 1000 Teilnehmer kamen am Wochenende zur Premiere ins Sportforum.

Hainichen.

Kinder, Jugendliche und Erwachsene aus verschiedenen Nationen, Prominenz aus Politik und Medien, dazu Musik, Vorführungen und gemeinsame sportliche Betätigung - mit dieser Mischung haben die Organisatoren des 1. Mittelsächsischen Integrati0nsfestivals am Samstag im Hainichener Sportforum Zeichen gesetzt. "In zwei Jahren soll es eine Neuauflage geben", sagt Festival-Initiatorin Cornelia Schade, die Vorsitzende des 1. Karate-Clubs Hainichen.

Rundenjagd beim Sponsorenlauf: Etwa 100 Teilnehmer legten über mehrere Stunden im Namen jener Firmen, die das Festival finanziell unterstützt hatten, erhebliche Stecken im Stadion zurück. Bei den Frauen siegte Claudia Kern, bei den Männern der 22-jährige Libanese Kassem Atress - beide brachten es auf jeweils 41 Runden. "Ich hatte über Facebook von der Veranstaltung erfahren und wollte gern dabei sein", so Claudia Kern.

Orientalisches Spezialitätenrestaurant: Sechs Familien aus der Hainichener Flüchtlingsunterkunft am Ottendorfer Hang hatten sich bereit erklärt, für die Festival-Teilnehmer zu kochen. In einem Zelt präsentierten sie syrische, afghanische, libanesische, palästinensische und kurdische Spezialitäten aus ihren Heimatländern. Josef Kellermann, der im Heim Deutschkurse gibt, übernahm die Organisation. "Ich habe die Leute gebeten, sich mal auf diese Weise in der Öffentlichkeit zu präsentieren. Das hat geklappt", sagte er. An der Essenausgabe hatte auch der Libanese Samir Elogloy sichtlich seinen Spaß. "Ein Jahr wohnt meine Familie jetzt schon hier im Heim. Das ist eine sehr schöne Veranstaltung", meinte er.

Mitmach-Angebote im Stadion: "Wir wollen zum Sport anregen und haben auch Bildungsangebote dabei", sagte Nanett Gutwasser vom Landessportbund Sachsen. Dieser betreute verschiedene Stationen wie die "Fairplay-Werkstatt" und die "Reise um die Welt", an denen die Kinder ihr Können testen konnten. Auch der Kreissportbund Mittelsachsen war mit vielen Spielangeboten vor Ort.

Stadträte im Einsatz: Linke-Stadtrat Detlef Wittstock bediente Gäste in der Bratwurstbude. "Ich wurde gefragt, ob ich mithelfen will. Man bringt sich halt ein", meinte er und reichte Roster mit Brötchen und Gurke über den Tresen. Auch CDU-Stadtrat Nils Zornstein half mit beim Festival, zählte beim Sponsorenlauf die Runden: "Ich bin als Stadtrat und als Vati heute hier mit dabei." Auch sein Sohn war mit am Start.

Disziplin in der Sporthalle: Hüseyin Imam hatte die Kids voll im Griff. Zackig gab der Kickbox-Europameister bei einem öffentlichen Selbstverteidigungstraining die Kommandos, korrigierte immer wieder die Bewegungen der Kinder.

Komplimente aus berufenen Mund: Erko Kalac war beeindruckt vom Ablauf dieses ersten Festivals seiner Art in Hainichen. Der mehrfache Meister im Karate und Kickboxen ist Integrationsbotschafter, floh 1998 vor dem Krieg aus Ex-Jugoslawien nach Deutschland und organisiert seit 2008 derartige Festivals in Hessen. Für die Hainichener Veranstaltung war er der Ideengeber. "Menschen haben Angst vor dem Fremden. Solche Festivals helfen, das abzubauen." Die ersten Schritte seien schwer. Und ein solches Festival müsse wachsen. "Hier läuft es wunderbar", lobte Kalac.

Fördern und fordern: Von einer Podiumsdiskussion, die von MDR-Sportkommentator und Gewichtheber-Weltmeister Marc Huster moderiert wurde, gingen viele Botschaften aus. Im Sport gehe Integration besonders schnell, sagte Sachsens Integrationsministerin Petra Köpping (SPD). Mit 45 Millionen Euro unterstütze der Freistaat deshalb die Sportvereine. "Integration ist aber eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe und ein Marathon. Die Gesellschaft ist tiefgespalten. Unsere Aufgabe ist es, Deutschland wieder zusammenzubekommen. Dem dient auch diese Veranstaltung", so die Ministerin.

Hainichens Bürgermeister Dieter Greysinger (SPD) erklärte, warum es in seiner Stadt, die mehr Flüchtlinge als gefordert aufgenommen hat, so gut laufe: "Das ist den vielen ehrenamtlichen Helfern zu verdanken. Und: Wir gehen offen mit diesem Thema um." Die Flüchtlinge forderte er auf, die Angebote an Migrationskursen besser anzunehmen. Auch bedauerte er, dass fast alle Flüchtlinge, die eine Aufenthaltsgenehmigung erhielten, seine Stadt wieder verlassen haben. SPD-Bundestagsabgeordnete Simone Raatz forderte für Sachsen mehr Lehrer, die in DaZ-Klassen Deutsch als Zweitsprache unterrichten.

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