Städte wollen zeigen, was sie haben

Chemnitz will sich nicht allein um den Titel Kulturhauptstadt Europas bewerben. Auch die Orte der Region sollen dabei sein. In Mittweida und Hainichen hat man schon Ideen.

Mittweida/Hainichen.

Die Beziehung zu Chemnitz ist eng, findet Mittweidas Oberbürgermeister Ralf Schreiber (CDU). Er denkt dabei an das Johannes-Schilling-Haus, in dem die Stadt Gipsmodelle des aus Mittweida stammenden Bildhauers zeigt. Und am Chemnitzer Schloßteich steht Schillings große Figurengruppe "Vier Tageszeiten". Er denkt auch an das Konzert "Klanglichtzauber" des Mittelsächsischen Kultursommers, das bisher jedes Jahr viele Besucher aus der Region nach Mittweida lockte, und an die Inszenierungen auf der Seebühne der Talsperre Kriebstein, für die oft auch Chemnitzer Tickets kaufen.

Jetzt soll europaweit Aufmerksamkeit auf die kulturellen Höhepunkte der Stadt und der näheren Umgebung gelenkt werden. Denn Mittweida will Chemnitz bei der Bewerbung für den Titel "Kulturhauptstadt 2025" unterstützen.

"Ich sehe darin eine große Chance für Chemnitz und die Umgebung, sich zu vermarkten und Impulse für die Region zu setzen. Es bietet die Möglichkeit, Regionen in den Fokus der internationalen Wahrnehmung zu rücken, die sonst nicht so präsent sind", so Schreiber.

Vergeben wird der Titel "Kulturhauptstadt" seit 1985 von der Europäischen Union, und zwar jährlich an zwei europäische Städte. Seit 2009 erhalten das Prädikat eine Stadt aus den alten Mitgliedsländern der EU und eine aus den neuen. Diese Verfahrensweise soll 2019 allerdings auslaufen. Ab 2020 sind die Länder festgelegt, die den Titel erhalten: Deutschland ist 2025 an der Reihe. Bisher haben mehrere deutsche Städte Interesse an einer Kandidatur bekundet: Nürnberg, Dresden, Magdeburg, Stralsund.

Die Chemnitzer Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig (SPD) verspricht sich von der Bewerbung, dass in der Chemnitzer Bürgerschaft "etwas mehr Stolz auf diese Stadt wachsen würde". Im August 2016 hatte sie bekannt gegeben, dass Chemnitz sich um den Titel "Kulturhauptstadt" bewerben will. Nun hat sie die Gemeinden, die entlang der Strecken des Chemnitzer Modell liegen, mit ins Boot geholt. Das ist ein Nahverkehrsprojekt, das Chemnitz stärker mit dem Umland verbindet, indem Bahnen beispielsweise von Mittweida, Hainichen und Burgstädt bis ins Chemnitzer Zentrum fahren. "Ich freue mich sehr darüber, dass viele Gemeinden meiner Einladung gefolgt sind. Das Interesse und der Zuspruch, den wir für unsere Kulturhauptstadt-Bewerbung erfahren haben, ist ein starkes Signal. Für die Bewerbung werden wir zusammen herausarbeiten, was uns verbindet und welche gemeinsamen Geschichten wir Europa erzählen können", so Ludwig.

Hainichens Bürgermeister Dieter Greysinger (SPD) hat sich ebenfalls Gedanken gemacht, womit seine Stadt punkten kann: "Wir haben das Gellert-Museum, den Entdeckerpfad und Friedrich Gottlob Keller, den Erfinder der modernen Papierherstellung", so Greysinger. Zudem habe er nachgelesen. "Von 13 Hauptsehenswürdigkeiten im Baedeker Reiseführer zu Sachsen sind vier in Mittelsachsen, Kriebstein, Freiberg, Augustusburg und Wechselburg. Wir verkaufen uns touristisch schlechter als wir sind", so Greysinger. (mit su)


Ideen aus dem Umland

Zwölf Städte und Gemeinden aus Mittelsachsen, dem Erzgebirgskreis und dem Landkreis Zwickau machen sich auf Einladung der Chemnitzer Oberbürgermeisterin Gedanken über Ideen für die Bewerbung. Dazu gehören: Amtsberg, Annaberg-Buchholz, Burkhardtsdorf, Flöha, Frankenberg, Hainichen, Jahnsdorf, Limbach-Oberfrohna, Mittweida, Oelsnitz/Erz., Stollberg, Thalheim/Erz. (fpe)


So läuft die Bewerbung ab

Sechs Jahre vor dem Kulturhauptstadtjahr können Städte sich bewerben. Diejenigen, die teilnehmen möchten, müssen einen Vorschlag einreichen. In einem Vorauswahlverfahren prüfen unabhängige Sachverständige die Vorschläge. Sie einigen sich auf Städte, die aufgefordert werden, detailliertere Bewerbungen einzureichen.

Kulturhauptstädte werden vier Jahre vor dem Kulturhauptstadtjahr formell ernannt, um Zeit für die Vorbereitung zu haben.

Dieses Jahr tragen Aarhus in Dänemark und Paphos in Zypern den Titel.

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