Streit um Sportplatz fürs Gymnasium

Eigentlich sollte die Anlage vor Jahren gebaut werden. Doch das Geld fehlte. Nun will der Landkreis in Rochlitz investieren. Da aber dafür Bäume gefällt werden müssen, formiert sich Widerstand.

Rochlitz.

Das Rochlitzer Mathesius-Gymnasium soll einen neuen Sportplatz erhalten. Der Landkreis will rund 900.000 Euro in den Neubau investieren, der bis Ende 2022 fertig sein soll. Aktuell läuft nach Angaben aus dem Landratsamt das Baugenehmigungsverfahren. Es formiert sich aber Widerstand. Denn fünf Kastanien müssen der Sportstätte weichen.

"Die Bäume müssen erhalten werden", sagt Harald Lehmann. Der Rentner macht sich seit Jahren für die Umwelt stark und verweist dabei regelmäßig auf die Bedeutung der Bäume als Co2-Speicher. "In letzter Zeit wurden in Rochlitz zu viele stattliche Exemplare gefällt", fährt er fort. "Damit muss Schluss sein." Aber nicht nur Lehmann und weitere Mitstreiter der Initiative "Bürger für ein grünes Rochlitz" lehnen das Projekt ab.

Vorbehalte hegt auch die Stadt. Das geht aus einem Beschlussvorschlag hervor, über den die Stadträte eigentlich kommenden Dienstag entscheiden sollten. Die Anlage wird darin als überdimensioniert bezeichnet. Zudem würde das Areal durch den Bau großflächig versiegelt. Nicht zuletzt wird der Denkmalschutz bemüht. "Die städtebauliche Struktur würde zerstört. Die Wirkung der Raumkante muss erhalten bleiben, und es müssen ausreichend Bäume gepflanzt werden. Fünf erscheinen als Ausgleich deutlich zu wenig", heißt es darin.

Argumente, die Sportlehrer Pedro Hartig nicht überzeugen. "Die Anlage ist nicht überdimensioniert", betont der Pädagoge. Ein Spielfeld, auf dem Basket-, Hand- und Volleyball sowie Badminton gespielt werden kann, eine Laufbahn, dazu eine Kugelstoßanlage, eine Weitsprunggrube und eine Gymnastikwiese - das sehen die Planungen vor.

Daran, dass ein Sportplatz auf der Schotterfläche dringend benötigt wird, lässt Hartig keinerlei Zweifel aufkommen. "Es haben immer mindestens zwei Klassen parallel Sportunterricht, in der Spitze vier." Da es in der Einrichtung nur eine kleine Turnhalle gibt, müssen die Schüler bisher vor und nach dem Sportunterricht auf andere Hallen im Stadtgebiet ausweichen. "Wir nutzen sogar die Halle der Oberschule."

Lässt es das Wetter zu, ist Sport im Freien angesagt. Da kommt es laut dem Rochlitzer regelmäßig vor, dass sich rund 100 Mädchen und Jungen im Stadion tummeln. "Da muss man tüchtig hin- und herjonglieren, damit alle, das machen können, was sie müssen. Es geht ja darum, den Lehrplan umzusetzen."

Auf ein weiteres Problem macht die amtierende Schulleiterin aufmerksam. "Eine halbe Stunde geht durch den Weg von und zu den Sportstätten und durch das Umkleiden verloren. Die Zeit fehlt für den Unterricht", bemerkt Carsta Drehn.

Dass das Thema Brisanz birgt, ist OB Frank Dehne (parteilos) nicht verborgen geblieben. "Wir suchen nach einer einvernehmlichen Lösung", erklärte OB Frank Dehne (parteilos) am Dienstag. Der Tagesordnungspunkt soll deshalb abgesetzt werden, damit bis August ausführlich über den Neubau beraten werden könne. Zugleich macht Dehne deutlich, dass eine Sportstätte für den Schulstandort wichtig und nötig ist, da er diesen stärke. Doch gebaut werden könnte laut dem OB genauso gut auf dem früheren List-Gelände.


Kommentar: Kirche im Dorf lassen

Die Pläne für den neuen Sportplatz liegen seit 2007 in der Schublade. Doch erst jetzt bewegt sich etwas. Das ist auch gut so und längst überfällig. Schließlich wird die Sportstätte für den Unterricht dringend gebraucht. Die Kapazitäten in der Stadt mit ihren sieben Bildungseinrichtungen sind ohnehin längst ausgereizt - und das nicht nur seit die Zettlitzer Förderschule im Spätsommer 2018 in das Gebäude der hiesigen Berufsschule gezogen ist. Wenn jetzt Kritik an den Bauplänen aufkommt, weil fünf Kastanien gefällt werden müssen, ist das zwar aus Sicht der Naturschützer nachvollziehbar. Man muss aber die Kirche im Dorf lassen. Denn die Bäume sind nicht nur alt, schön anzusehen und sicher für das Klima wichtig. Sie sind - zumindest laut dem beauftragten Planungsbüro - auch stark geschädigt. Eine kleinere Anlage, um die Bäume zu retten, ist ebenfalls nicht wünschenswert. Wer einmal ernstlich Sport getrieben hat, weiß, ein Volleyballfeld benötigt eine bestimmte Größe und kann nicht eben ein paar Meter kleiner gemacht werden. Das ist bei anderen Sportarten genauso. Außerdem sollen neue Bäume gepflanzt werden. Vielleicht müssen es ja nicht nur fünf sein. Es dürfen gerne mehr gesetzt werden.

0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.