Studentin macht besonderen Abschluss

Ane Zuniga Gurruchaga aus Spanien ist die erste Person überhaupt, die in einem neuen Programm der Hochschule Mittweida und der Universität des Baskenlandes einen Doppelabschluss machen wird. Ihren Aufenthalt in Deutschland hatte sie sich jedoch anders vorgestellt.

Mittweida.

Eigentlich wollte Ane Zuniga Gurruchaga neben ihrem Ingenieurstudium in Mittweida durch Deutschland und Nordeuropa reisen, Partys feiern und neue Leute kennenlernen. "Aber das ist wegen Corona zurzeit nicht möglich", bedauert die 22-jährige Spanierin, die für einen einjährigen Auslandsaufenthalt nach Deutschland gekommen ist. Nun verbringt sie ihre Tage vor allem in ihrer Wohnung in Mittweida. Vorlesungen und Seminare finden in weiten Teilen online statt. "Das gefällt mir nicht besonders", sagt sie. "Aber so ist es jetzt nun mal." Nachdem sie im Oktober in Deutschland ankam, musste sie sicherheitshalber zunächst für zwei Wochen in Quarantäne. Seither hat sie neben Mittweida bislang nur Chemnitz und Dresden gesehen.

Die Elektrotechnik-Studentin ist eine von insgesamt 18 Erasmus-Studierenden, die laut Hochschulsprecher Helmut Hammer in diesem Semester an den Lehrveranstaltungen in Mittweida teilnehmen. Doch eine Besonderheit gibt es: Ane Zuniga Gurruchaga ist die erste und bislang einzige Person, die im neuen Doppelabschlussprogramm mit der Universität des Baskenlandes in San Sebastián für ein Jahr an der Hochschule Mittweida studiert. Nach dem Aufenthalt in Deutschland wird die junge Frau dann gleich zwei Abschlüsse in der Tasche haben: den "Grado en Ingeniería" ihrer Heimatuni und den Bachelor of Engineering aus Mittweida.

Professor Uwe Mahn, heute Prorektor Forschung an der Hochschule Mittweida, habe das Doppelabschlussprogramm initiiert, berichtet Helmut Hammer. "Im Rahmen mehrerer Aufenthalte in San Sebastián hat er das Programm mit seinen dortigen Kollegen über einen längeren Zeitraum entwickelt und vertraglich ausgehandelt." Dabei seien dem Professor für Konstruktion seine Spanischkenntnisse zugute gekommen. "Das Besondere an dem Programm ist, dass zwei verschiedene Studienabschlüsse kombiniert werden", erklärt der Hochschulsprecher. Dafür bewerben können sich Mittweidaer Studierende der Bachelor-Studiengänge Maschinenbau und Mechatronik beziehungsweise der Studienrichtung Mechatronik im neuen Studiengang Elektrotechnik - Automation. "In San Sebastián gibt es vergleichbare Studiengänge, aus denen die Interessenten kommen müssen."

Voraussetzung seien in beiden Fällen solide Sprachkenntnisse in Spanisch beziehungsweise Deutsch. Interessenten können sich an das International Office der Hochschule wenden. Jedes Jahr haben je fünf Studierende aus Mittweida und aus San Sebastián die Möglichkeit, mit einem Erasmus-Plus-Stipendium an dem Programm teilzunehmen. Das Stipendium umfasse aktuell für deutsche Studierende 390 Euro monatlich als Ausgleich zu den im Ausland zusätzlich anfallenden Kosten einschließlich der Reisekosten, so Hammer. Bislang sei die Resonanz aber gering. "Es gibt derzeit noch keine weiteren Bewerbungen, und die Entwicklung ist schwer einzuschätzen", erklärt der Hochschulsprecher. Neben der Coronapandemie sei dies aus seiner Sicht auch auf die hohen sprachlichen Anforderungen zurückzuführen.

Auch für Ane Zuniga Gurruchaga ist es nach eigenem Bekunden nicht ganz einfach, den komplett auf Deutsch abgehaltenen Lehrveranstaltungen zu folgen. Dabei hat die junge Spanierin durchaus gute Vorkenntnisse, begann bereits vor etwa zehn Jahren in der Schule mit dem Deutschunterricht. "In den letzten Jahren habe ich allerdings nicht mehr weitergelernt. Erst als klar war, dass ich zum Studium nach Deutschland gehe, habe ich wieder angefangen", berichtet sie. Immerhin seien die Dozenten sehr hilfsbereit, beantworteten Fragen auch bereitwillig auf Englisch, erzählt die Spanierin.

"Deutschland ist das Land der Ingenieure", erklärt sie ihre Motivation nach Mittweida zu kommen. Sie glaube daher, dass ihr das Studium an einer deutschen Hochschule, an das sich ab März noch ein halbjähriges Praktikum in Deutschland anschließen wird, bei ihrer Karriere helfen wird. Besonders gefallen ihr die wenigen Praxiskurse, die trotz Corona noch möglich sind. "In Spanien liegt der Fokus eher auf der Theorie", so Ane Zuniga Gurruchaga, die auch in den USA bereits ein Auslandsjahr eingelegt hat. "Dort ist das Studium wiederum sehr praktisch angelegt. Hier in Mittweida ist es eine gute Mischung aus beidem."


Partner-Hochschulen auch in Australien, Schottland und Kamerun

Die Hochschule Mittweida bietet laut ihrem Sprecher Helmut Hammer insgesamt 20 Doppelprogramme mit 14 Partnern in zehn Ländern an. Darunter ist auch ein weiteres Programm in San Sebastián im Studiengang Betriebswirtschaft. In Australien können Studierende der Betriebswirtschaftslehre ebenfalls einen Bachelorabschluss erwerben: an der University of the Sunshine Coast. Studierende aus der Ukraine, aus Russland, Belarus und Kasachstan wiederum können in Mittweida den Bachelorabschluss in Betriebswirtschaft machen.

Studierende im Master Maschinenbau können laut Helmut Hammer von Mittweida aus nach Schottland gehen und an der University of the West of Scotland einen Masterabschluss erwerben. Für Studierende einer Partneruniversität in Kamerun ist in Mittweida der Masterabschluss in Applied Mathematics for Networks and Data Sciences möglich. (lkb)

www.ausland.hs-mittweida.de

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