Tod und Trauer keine Tabus für Kinder

Unter dem Titel "Hospiz macht Schule" haben in Grünlichtenberg die Drittklässler eine besondere Projektwoche erlebt. Ein Verein bietet dazu ein kreatives Konzept an.

Grünlichtenberg.

Wenn Erwachsene trauern, dann stehen sie in einem reißenden Fluss, oft ohne Halt. Kinder hingegen hüpfen in Pfützen. Sie werden nass, aber sie kommen selbst auch schnell wieder heraus. So beschreibt Danielle Bennemann den Unterschied des Trauerns bei Eltern und Kindern. Und mit dem Thema Sterben und Verlust konfrontiert sie auch Kinder, ganz einfühlsam und nach einem erprobten Konzept. "Hospiz macht Schule" heißt das, was in dieser Woche die 24 Drittklässler der Grundschule Grünlichtenberg erlebten.

Danielle Bennemann wohnt in Grünlichtenberg und hat selbst einen Sohn in dieser Klasse. Seit 2015 engagiert sich die heute 34-Jährige ehrenamtlich im ambulanten Kinderhospizdienst Schmetterling, der beim Elternverein krebskranker Kinder in Chemnitz angesiedelt ist und sich auch um die mittelsächsische Region kümmert. "Ich selbst habe drei gesunde Kinder, hatte aber das große Bedürfnis, mich in diesem Bereich zu engagieren", so Danielle Bennemann. 40 Ehrenamtliche sind es aktuell im Kinderhospizdienst, die Grünlichtenbergerin hat seit Jahresbeginn nun sogar eine hauptamtliche Stelle. Ihr Mann hilft weiter ehrenamtlich im Verein.

Für die kleine Grundschule in der Gemeinde Kriebstein war es die erste derartige Projektwoche, für den Hospizdienst Schmetterling die Premiere in Mittelsachsen. "Wir haben unser Projekt erst der Schule, dann den Eltern vorgestellt", so Bennemann. "Es gab viele Fragen, aber jeweils viel Zustimmung. Das bundesweit etablierte Konzept hat alle überzeugt." Auch Klassenlehrerin Marina Filz war schnell angetan und weiß, was ihre Schüler bewegt: "Mit Trauer sind alle irgendwann mal konfrontiert. Einige mussten von der Oma Abschied nehmen, andere haben ihr Haustier verloren."

Die sechs Hospizhelfer, die alle im Vorfeld eine zweitägige Schulung erhalten hatten, haben in der Projektwoche an der Grundschule jeden Tag ein neues Thema aufgegriffen, dabei oft in kleinen Gruppen geredet und gearbeitet. Die Schüler gingen auf Fantasiereise, hörten Geschichten, sahen Filme, fertigten Bilder an, stellten Krankheiten pantomimisch dar.

Beim "Werden und Vergehen" wurde in die Natur geschaut und auf eigene Babyfotos zurückgeblickt. Zu "Krankheit und Leid" am Folgetag beantwortete eine Ärztin die Fragen der Kinder. Die wollten auch wissen, wie schnell ein Rettungshubschrauber fliegt oder was Koma ist. Mit "Sterben und Tod" haben sich die Kinder, die dazu fast alle einen Berührungspunkt hatten, am Mittwoch beschäftigt. "Wir machen das nicht über Fakten, sondern über die Gefühlsebene", sagt Bennemann. "Die Schüler haben sich Gedanken gemacht, was man für einen Sterbenden tun kann, ihm zum Beispiel die Hand zu halten oder einfach für ihn da zu sein." Mit dem Einpflanzen von kleinen Sonnenblumen wurde dieser Halt erklärt.

Vom "Traurigsein" war der Donnerstag bestimmt, an dem auch Tränen flossen. "Nichts ist dabei falsch", versicherte die Hospizhelferin. "Man darf auch schnell wieder fröhlich ein. Kinder sind da viel unbefangener, nicht so verkrampft wie die Erwachsenen." Paul erzählte, dass seine Uroma einen Tag vor seinem Geburtstag gestorben ist. "Ich gehe manchmal zu ihrem Grab", sagte der Drittklässler.

Mira war erst vor kurzem auf der Beerdigung ihres Uropas. Geweint habe sie nicht. Danielle Bennemann sagt, man könne Kinder durchaus mit auf eine Beerdigung nehmen. Es müsse aber immer jemand da sein, der sich um sie kümmert, wenn die Eltern selbst zu sehr leiden und dadurch abgelenkt sind. Um "Trost und Trösten" ging es am letzten Projekttag. Dabei wurden gegenseitige Trostvereinbarungen unter den Schülern abgeschlossen. Zum Abschluss waren auch Eltern und Großeltern eingeladen, um die Themen aus der Tabuzone zu holen.

Für das präventive Projekt "Hospiz macht Schule" können sich interessierte Grundschulen auch anmelden. Einen Termin zu finden, dauere aber einige Zeit, weil die Mitarbeiter für Projektwochen meist ihren Urlaub opfern. Finanziert wird das alles über Spenden. Neue Helfer und Ehrenamtliche seien beim Kinderhospizdienst zudem immer willkommen. Deren Hauptaufgabe ist die Begleitung von Familien in deren Haushalten. "Das beginnt bei der Diagnose und geht über den Tod hinaus", erläutert die Hospizhelferin.

.www.ekk-chemnitz.de/ekk-hospizdienste

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