Treppauf treppab in Sachsenburg

Den Sommer verbringt man in Mittelsachsen am besten in der Natur. "Freie Presse" hat für Sie die schönsten Aktivitäten getestet. Heute: Treppenlauf.

Sachsenburg.

Sie mögen keine Fitnessstudios mit Vertrag, Öffnungszeiten und Mitnutzern, die die Preise Ihrer Trainingssachen addieren und Sie danach taxieren? Dann könnte der Treppenlauf das Richtige für Sie sein.

Für mein Training ein- bis zweimal die Woche habe ich mir die Treppe zum Schloss Sachsenburg ausgesucht. Einfach nach Feierabend das Auto auf dem Parkplatz am Fuße der Treppe abstellen, Laufschuhe anziehen, und nach einer Erwärmung geht es los. Schon in der ersten Runde wird die Atmung schneller, beschleunigt sich der Puls.


Obwohl der einst noble Wohnsitz über der Zschopau noch für Jahre eine Baustelle sein wird, ist der Aufstieg dank Mitteln für den Hochwasserschutz schon heute perfekt saniert. Bei Momenten der Schwäche hilft ein Handlauf. Und auch wenn die Stadtverwaltung warnt, dass sie hier keinen Winterdienst leistet, ist das rund um die Uhr offene Bauwerk doch zu jeder Jahreszeit begehbar. Selbst frisch gefallener und noch nicht vereister Schnee hat mich noch nie davon abhalten können, zu trainieren. Treppab ist ohnehin stets Vorsicht geboten.

Wichtig ist es, je nach Treppe und eigener Konstitution ein vernünftiges Schrittmaß zu finden. Es gibt Läufer, die nehmen jede Stufe einzeln. Ich bevorzuge zwei auf einmal, die dafür etwas langsamer. Jenny und Bianca aus Frankenberg, die ich zufällig in Sachsenburg treffe, finden, Variante 2 sei die bessere für Waden und Po. Das Schöne am Treppenlauf: Man kann ihn solo betreiben, mit Partner oder auch in der Gruppe. Dabei ist Rücksicht geboten. Denn Nachteil der Sachsenburger Treppe ist, dass sie nicht sonderlich breit ist. Dies ist auch bei der seltenen Begegnung mit Touristen zu beachten, die ebenfalls auf- und absteigen. "Und die Brennnesseln stören", sagen die beiden Damen und wollen einen Grünschnitt.

Wer mag, kann sich per Kopfhörer von bunten Melodien beflügeln lassen. Bewährt haben sich bei mir rockige Klänge von Bands wie Rammstein oder Five Finger Death Punch. Selbst zu später Stunde oder nachts kann man trainieren - kein Problem mit einer Stirnleuchte.

Vom persönlichen Pensum hängt ab, wie anspruchsvoll das Training ausfällt. Die Treppe zum Schloss Sachsenburg hat 260 Stufen. Eine Runde treppauf und treppab besteht also aus 520 Stufen. Meine üblichen zehn Runden schaffe ich je nach Tagesform in 40 bis 50 Minuten. In Runde sechs wird regelmäßig die Luft knapp. In Runde acht stelle ich mir schon mal die Sinnfrage. Aber nur kurz, denn inklusive Entspannungsübungen erzielt man mit einer Stunde Training einen ordentlichen Effekt. Zum Vergleich: Eine Runde auf den Außentreppen am Völkerschlachtdenkmal ist 364 Stufen lang. In Leipzig gibt es eine starke Treppenläufer-Szene. Die geht auf ein Reisebüro zurück, das unter anderem Bergbesteigungen anbietet. Wer eine solche, zum Beispiel auf die weit über 5000 Meter hohen Gipfel Elbrus, Damawand oder Kilimandscharo bucht, ist gut beraten, vorab zu trainieren. 2001 habe ich am Denkmal meine ersten Runden gedreht. In Leipzig laufe ich zwölf à 364 Stufen. Diese 4368 Stufen sind in etwa so anstrengend wie die 5200Stufen bei zehn Runden an der Sachsenburg.

Treppenläufer verbessern nicht nur ihre Fitness. Viele berichten auch davon, dass die Trainingseinheiten beim Abnehmen helfen. Um das erreichte Gewicht zu halten, muss man aber dranbleiben. "Ich habe hier schon etliche Kilos verloren", gesteht Jenny und schwört auf die Treppe. Zwei Tage nach der Premiere kommt es zuverlässig zu einem kapitalen Muskelkater. Der Läufer stellt fest, dass er Muskeln an Stellen hat, von deren Existenz er nicht einmal wusste. Bei Trainingspausen ab einer Woche ist derselbe Effekt festzustellen. Abschrecken lassen darf man sich aber davon nicht: Einfach wieder laufen, "in den Schmerz hinein", wie Therapeuten raten. Der lässt dann wieder nach. Den Läufer beflügelt das Gefühl, etwas für sich und seinen Körper getan zu haben. Und bei einem Bier im "Jukebox"-Freisitz am Fuße der Treppe wird alles wieder gut.

Checkliste für das Mini-Abenteuer auf den Treppenstufen 

Wer kann auf Treppen trainieren?

Eigentlich jeder. Wer Vorerkrankungen zum Beispiel am Herzen hat, sollte mit seinem Arzt sprechen, bevor er die ersten Stufen erklimmt.

Was sollte man mitbringen?

Das A und O sind vernünftige Laufschuhe. Eine Beratung in einem Sportfachgeschäft kann nicht schaden. Die Laufkleidung sollte nicht zu eng sein. Bei praller Sonne empfehlen sich eine Kopfbedeckung sowie Sonnencreme. Schweißband oder Taschentuch helfen gegen das reichlich fließende Nass.

Wie wirkt sich das Training aus?

Wer mindestens einmal pro Woche "zur Treppe" geht, wird mit einer soliden Grundfitness belohnt. Die Durchblutung wird angekurbelt. Auch das Immunsystem dürfte durch die Läufe robuster werden.

Gibt es Wettbewerbe?

Ja, in diesem April hat der Verein DLRG Mittelsachsen-Sachsenburg 1990 bereits zum 3. Sachsenburger Schlosstreppenlauf eingeladen. Das Besondere daran: Nicht der Schnellste ist der Gewinner. Ein Überraschungsfaktor spielt eine Rolle. (dahl)

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