"Unsere Innenstadt lohnt den Besuch"

Landesgartenschau in Frankenberg: Bürgermeister Thomas Firmenich zieht nach der ersten Hälfte positives Fazit

Frankenberg.

Seine Lieblingsorte liegen in den Paradiesgärten Mühlbachtal. Auch sonst zeigt sich Bürgermeister Thomas Firmenich (CDU) im Gespräch mit Ingolf Rosendahl sehr zufrieden mit der ersten Hälfte der Landesgartenschau.

Freie Presse: Wie lautet Ihr Zwischenfazit zum Bergfest?


Thomas Firmenich: Mit der Planung und dem bisherigen Verlauf der Landesgartenschau können wir mehr als zufrieden sein. Wir haben einen ungeheuren Schub in der Stadtentwicklung bekommen. Die Stadt hat zwei wunderbare Landschaftsparks erhalten. Wir konnten Innenstadt, Straßen und Plätze auf Vordermann bringen und haben die Stadt insgesamt attraktiver gestaltet.

Was sind aus Ihrer Sicht entscheidende Erfolgsfaktoren?

Für die bislang positive Bilanz gibt es eine ganze Reihe von Erfolgsfaktoren. Das Eine sind die beiden Geländeabschnitte Zschopauaue und Mühlbachtal. Sie liegen unterschiedlich und sind in sich so gegensätzlich, dass sie einen Besuch reizvoll machen. Das Andere ist, dass wir großen Wert auf Spielplätze und Sportmöglichkeiten gelegt haben. Das zieht junge Leute an, Kinder und Jugendliche und deren Eltern. Drittens konnten wir neben der Straßensanierung die Brücke über die B 169 bauen und damit signalisieren: Unsere Innenstadt lohnt den Besuch. Und es lohnt sich auch, dort zu leben. Dazu kam noch eine Fülle von einzelnen Entwicklungen, die sich positiv auswirken. Nicht zu vergessen sind der vom Kunst- und Kulturverein entwickelte Skulpturenpfad und die neue Stadtgalerie.

Wie will die Stadtverwaltung sichern, dass die Bauten der Landesgartenschau Frankenberg nachhaltig bereichern?

Die Stadt ist gerade dabei, ihr Personal im Bauhof zu qualifizieren und aufzustocken. So wollen wir sicherstellen, dass die Parkflächen gepflegt und erhalten bleiben. Wir haben viele Städte besucht, die Gartenschauen ausgerichtet haben und dort auch nachgefragt. Daher wissen wir, dass wir mindestens zwei Mitarbeiter mehr brauchen, um die Areale pflegen zu können. Neu ausschreiben werden wir außerdem die Stelle eines Landschaftsarchitekten. Diese 20-Stunden-Kraft soll die Bauhofmitarbeiter anleiten und uns künftig bei der Planung und Bewirtschaftung der Flächen beraten. Zudem prüft Gartenschau-Geschäftsführer Lutz Raschke die Möglichkeit von Veranstaltungen in beiden Arealen. Dies soll auch künftig Besucher anziehen und mit einem kleinen Plus dazu beitragen, dass Geld in die Erhaltung der Flächen fließt.

Was tun Sie gegen Vandalismus?

Der ist nicht zu verhindern. Ich kann nur appellieren: Wer sieht, wie attraktiv das Entstandene ist, sollte zum Erhalt beitragen und nichts zerstören. Dies wird auch Gegenstand der nächsten Beratungen im Stadtrat sein. Denkbar ist eine weitere Begleitung durch den gemeindlichen Vollzugsdienst. Auch ein privates Wachunternehmen könnte die Flächen nachts im Auge behalten. Aufgestellte Zäune sind eine Option.

Stichwort Blumenhalle: Wie sieht der Zeitplan für den Umbau in die Zeit-Werk-Statt aus?

Die Eröffnung des Erlebnismuseums planen wir für April 2020. Bis dahin konzipiert und fertigt die damit beauftragte Leisure Work Group die Ausstellungsgegenstände.

Den Zuschlag zur Gartenschau hat Frankenberg erst im dritten Anlauf erhalten. Was hat Sie dazu angehalten nicht aufzugeben?

Ich räume ein, dass ich nach der zweiten Absage schon sehr verärgert war. Wir haben so viel Energie, Geld und Zeit in diese Bewerbung gesteckt, und dann bekam ich nur ein nüchternes Fax mit der Absage. Zunächst hatte die Stadt dann keine konkreten Schritte für eine dritte Bewerbung unternommen. Aber der ehemalige Lisema-Eigentümer wollte die heutige Blumenhalle an einen Discounter veräußern. Großflächiger Handel am Rande Frankenbergs war aber im Stadtrat seit jeher nicht gewünscht, um den Handel in der Innenstadt nicht zu schwächen. Also wurde erneut die mögliche Realisierung der Gartenschau geprüft. Mit dem Discounter haben wir uns dahingehend geeinigt, dass wir ihm eine kommunale Fläche an der Badstraße anboten. Dafür ließ er vom Erwerb der Fläche an der Zschopauaue ab. Der Tennisplatz musste von der Badstraße dorthin umziehen, ist heute hochmodern und fügt sich wunderbar in das Konzept Sport und Spiel im Naturerlebnisraum ein. Unterm Strich ist das aus heutiger Sicht eine weise Entscheidung.

Hätte es einen vierten Versuch gegeben?

Das weiß ich nicht. Aber ich habe schon 2002 als Kandidat für das Bürgermeisteramt angeregt, dass wir uns um die Ausrichtung der Landesgartenschau bemühen sollten. Als Soldat wurde ich häufig versetzt und habe in anderen Städten gesehen, wie positiv es sich auf die Stadtentwicklung auswirkt, wenn man diese Chance bekommt. Was hätte Frankenberg denn sonst mit Industriebrachen und mit vom Hochwasser bedrohten Arealen machen sollen? Und: Was hätte aus der Innenstadt werden sollen, wenn diese nicht flankierend Flächen dazubekommt, die es attraktiv machen, in der Mitte zu wohnen? Ich weiß kein besseres Konzept. Am Ende ist es aufgegangen.

Was würden Sie mit der heutigen Erfahrung anders machen?

Den Freistaat würde ich bitten, dass die ausrichtende Kommune etwas mehr Zeit bekommt. Andere deutsche Städte haben bis zu zehn Jahre planerischen Vorlauf. Zugunsten von Frankenberg wurde Ende 2014 entschieden.

Bislang wurde nur die Gastronomie kritisiert. Wie schätzen Sie das ein?

Der Gastronom hat in der Blumenhalle objektiv zu wenig Platz und daher zu geringe Kapazitäten. Dafür kann er nicht, das haben wir alle falsch eingeschätzt. Aber er hat sich sehr angestrengt. Die Versorgung ist viel besser geworden. Das Essen ist qualitativ sehr ordentlich und schmackhaft.

Was raten Sie Ihren Bürgermeisterkollegen, die den Zuschlag für eine Gartenschau erhalten?

Gute Planer suchen, ein starkes Team aufbauen. Und mit Mut herangehen. Außerdem sollte man sich anschauen, welche Erfahrungen in anderen Städten gemacht wurden. dahl

www.freiepresse.de/laga2019

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