Unter die Lupe genommen: "Frawenberg" als Kunstobjekt

Die neue Ausstellung in der Galerie am Baderberg in Frankenberg bietet alte und auch ungewöhnliche Ansichten der Stadt. Für Kinder ist ein besonderer Rundgang eingerichtet.

Frankenberg.

Man muss schon genau hinsehen, um alle Feinheiten der neuen Ausstellung in der Stadtgalerie am Baderberg zu entdecken. Genau deshalb gibt es gleich am Eingang ein Regal, aus dem man Lupen entnehmen kann, um die "Frankenberger Ansichten" - so der Titel der vor einer Woche eröffneten Schau - wirklich mal unter die Lupe zu nehmen. Ganz genau hat dies Marcel Kabisch vom Kunst- und Kulturverein der Stadt getan, der auch der Ideengeber für diese Ausstellung war. Innerhalb seiner Recherchen für den im Vorjahr von ihm geplanten Kunstpfad durch die Stadt war er auf viele alte Bilder und auch Karten gestoßen.

"Die musste man einfach mal öffentlich vorstellen", sagte Kabisch. Vereinsvorsitzer Patrick Müller zeigte sich sofort begeistert, und die erste Präsentation des Vereins in den Räumen der Leo-Lessig-Kunststiftung wurde vorbereitet. Schon 2016 waren mit Müllers Beteiligung erstmals künstlerische "Frankenberger Ansichten" vorgestellt worden, damals noch im Ratskeller am Markt. Gezeigt werden nun Kupferstiche und Lithografien aus der Grafiksammlung Kabischs sowie hochwertige Reproduktionen von Landkarten aus den Archiven Sachsens. Alle 23 Exponate zeigen Frankenberg und Umgebung und stammen aus dem 16. bis 19. Jahrhundert.

Die älteste gezeigte Karte von Frankenberg stammt aus dem Jahr 1592. "Frawenberg" wird die Stadt an der Zschopau dort geschrieben, was nicht nur Kabisch zur mit gut 60 Leuten gut besuchten Ausstellungseröffnung erheiterte. Dass die Karte sehr ungenau ist, weitere Orte auch andere Schreibweisen haben und Himmelsrichtungen vertauscht sind, wird erklärt, sei aber gerade deshalb für ihn ein Grund, die Karte zu zeigen. Augustusburg sucht man übrigens da noch vergebens, Schellenberg ist vermerkt.

Welche Macht und Ohnmacht Karten in der Vergangenheit hatten, demonstrierte der Frankenberger Autor und Chronist Reinhard Jeromin mit einem Stadtplan aus DDR-Zeiten, in dem Westberlin einfach ausgeklammert wurde. Für Frankenberg konnte er einen Grubenriss vorzeigen, mit dem vor allem Investoren angelockt werden sollten. Bergbau habe es aber in Frankenberg wirklich mal gegeben.

Der Kunstverein will mit der Schau alle Altersgruppen ansprechen, deshalb gibt es auch einen speziellen Rundgang für Kinder. Auf gelben Schildern werden Fragen zu versteckten Details gestellt oder es müssen Dinge gefunden werden. Kabisch hatte sich den "Rundgang für Kinder" in einer anderen Ausstellung "abgeschaut".

Zu sehen ist weiterhin ein von Dietmar Weickert aus Frankenberg neu geschaffener Holzriss, der einen Landvermesser mal beim Vermessen weiblicher Rundungen zeigt. Am 29. April wird ab 19 Uhr Reinhard Jeromin vorab aus seinem bald erscheinenden 7. Band der Reihe "Frankenberg - Geschichte in Realität, Wahrnehmung und Bewußtsein" in der Stadtgalerie lesen.

Die Stadtgalerie am Baderberg 16 in Frankenberg hat Donnerstag bis Sonntag von 14 bis 16 Uhr geöffnet. Die Ausstellung läuft noch bis zum 30. April 2020.


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