Vom Studium auf die Straßen

Die 28-jährige Stephanie Klotz ist Mittweidas erste Streetworkerin. Sie will Jugendlichen helfen, ihren Platz in der Gesellschaft zu finden. Doch noch muss sie um Vertrauen buhlen.

Mittweida.

Das Büro im ersten Stock des Mittweidaer Freizeitzentrums ist noch recht karg eingerichtet - leere Regale vor leeren Wänden. Stephanie Klotz hat den Raum erst in der vergangenen Woche bezogen. Was sie bietet, gab es in der Stadt noch nie: Die 28-Jährige ist die erste und bislang einzige Streetworkerin in Mittweida. Ihr Auftrag: Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die bisher eher am Rande der Gesellschaft standen, zu mehr sozialer Teilhabe verhelfen. Zu diesem Zweck hat der Christliche Verein junger Menschen (CVJM) die Sozialarbeiterin Anfang Juli eingestellt. Bezahlt wird die Stelle größtenteils von der EU, auch Stadt und Freistaat beteiligen sich finanziell.

Erste Erfahrungen in der mobilen Jugendarbeit, wie die Streetworker-Tätigkeit im Amtsdeutsch heißt, hat Klotz in ihrer Heimatstadt Chemnitz gesammelt. Dort suchen die Streetworker des Autonomen Jugendzentrums (AJZ) Jugendliche regelmäßig an deren Treffpunkten auf und bieten ihnen Unterstützung an - zum Beispiel bei der Wohnungs- und Jobsuche oder der Lösung von Problemen und Konflikten. Auch Sport- und Kreativangebote stehen auf dem Programm. Innerhalb ihres Bachelor-Studiums der Sozialen Arbeit an der Hochschule Mittweida absolvierte Stephanie Klotz dort ein Praktikum, nun will sie an ihrem einstigen Studienort ein ähnliches Angebot schaffen. Für die Chemnitzerin ist es die erste richtige Arbeitsstelle, erst vor einem halben Jahr hat sie ihr Studium beendet.

Seit Anfang Juli versucht die Streetworkerin nun, das Vertrauen der Jugendlichen in der Stadt zu gewinnen. Dazu klappert sie beliebte Treffpunkte ab: den Markt, die Schwanenteichanlage, die Spielplätze in der Lauenhainer Straße und diverse Supermarktplätze. "Es ist natürlich nicht so, dass ich mich bei den Jugendlichen als Streetworkerin vorstelle und beim nächsten Mal mit offenen Armen empfangen werde", sagt Stephanie Klotz. "Aber ich denke, die Zeit wird es richten. Sie müssen erst einmal merken, dass sie tatsächlich mit mir reden können."

Ursprünglich hatte sich die 28-Jährige beim CVJM auf eine andere Stelle beworben: als Sozialpädagogin für den Jugendtreff "Drop in". Der ist aktuell geschlossen, weil die Leiterin sich in Elternzeit befindet. "Aufgrund ihrer Vorkenntnisse haben wir ihr jedoch die Stelle als Streetworkerin angeboten", erklärt der stellvertretende Vorsitzende des Vereins, Helmut Hammer. Er will die mobile Jugendarbeit dabei nicht als Ersatz für den Treff verstanden wissen, sondern als Ergänzung: "Das Projekt ist vor allem für die Jugendlichen gedacht, die eben nicht in Einrichtungen wie das 'Drop in' kommen." Die Initiative dafür sei von der Stadt ausgegangen, die den christlichen Verein bereits vor anderthalb Jahren als Träger angefragt habe.

Nicht nur zu den Jugendlichen in der Stadt hat die neue Streetworkerin in den vergangenen Wochen erste Kontakte geknüpft. Auch bei diversen Einrichtungen ist sie vorstellig geworden: vom Jobcenter über mehrere Bildungsträger bis hin zu sozialen Einrichtungen und Selbsthilfegruppen. Als nächstes sollen die Schulen folgen. Für einige junge Leute sei die Hemmschwelle groß, sich Hilfe zu suchen. Ihnen will Stephanie Klotz nicht nur mit guten Ratschlägen zur Seite stehen, sondern sie beispielsweise auch bei Behördengängen begleiten. Zudem träumt sie von großen Projekten: Graffiti sprühen, Theater spielen, gemeinsam einen Garten anlegen. "In Chemnitz", erzählt sie, "haben sich die Jugendlichen jedes Mal gefreut, wenn die Streetworker wieder vorbeikamen." Nun will sie alles daran setzen, dass es auch in Mittweida einmal soweit sein wird.

Die Streetworkerin ist erreichbar unter der Telefonnummer 0157 80510066, per Mail streetwork@cvjm-mw.de oder im Internet:

ww.facebook.com/streetworkmw

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