Von der Kaserne ins Amt: Jetzt wird's ernst

Zwei Ex-Soldatinnen haben in Mittweidas Finanzamt ihre Ausbildung abgeschlossen. Aber auch die Kolleginnen in der Behörde konnten von ihnen etwas lernen.

Mittweida.

Als sie vor zwei Jahren zu ihrem ersten praktischen Ausbildungstag im Finanzamt Mittweida antraten, hatten Anke Beer und Kati Lehmann-Liedtke zwar schon Erfahrungen als Beamtinnen im Gepäck. Doch eine Frage gehörte erst ab jetzt für die jungen Mütter zum Berufsalltag: "Du stehst vorm Schrank und überlegst, was ziehst du heute an." Das war in den Jahren zuvor für Kati Lehmann-Liedtke, die ehemalige Zeitsoldatin im Rang eines Hauptfeldwebels, kaum von Belang. "Beim Bund gehörte die Uniform zur Pflicht", erklärt Anke Beer, die zehn Jahre bei der Bundeswehr diente, zuletzt in der Kaserne in Frankenberg.

Beide haben sich für einen Wechsel in einen zivilen Beruf entschieden und sind jetzt nach einer dualen Ausbildung zur Steuersekretärin ernannt worden. Für die jungen Mütter war das anfangs ungewohntes Terrain. "Die Aufgaben beim Bund waren völlig andere", sagte die gelernte Arzthelferin Kati Lehmann-Liedtke, die aus einem kleinen Ort bei Riesa stammt. Nur im Umgang mit Hierarchien und Dienstwegen waren die Beamtinnen schon geübt. Die 35-jährige Frankenbergerin Anke Beer brachte als Steuerfachangestellte zudem Erfahrungen in dem Metier mit. Und sie sehe sich nun in ihrer Entscheidung für die Laufbahn im mittleren Dienst der Finanzverwaltung bestätigt.

Dass Soldatinnen ihre praktische Ausbildung in einem Zivilberuf absolvieren, ist in anderen Finanzverwaltungen Sachsens gängige Praxis, für das Mittweidaer Finanzamt stellte das 2017 eine Premiere dar. So blieben auch Nachfragen der neuen Kolleginnen im Amt nach den Erfahrungen der beiden Frauen bei der Bundeswehr nicht aus. Es gebe im Einzugsbereich des Mittweidaer Amtes viele Soldaten, die hier ihre Steuererklärung einreichen. Fragen zum Beispiel zu Reisekosten, die denen mit der Fahrt zum Dienstort entstehen spielen da eine Rolle. "Da haben wir nun erfahrene Hilfe von den beiden früheren Soldatinnen im Amt erhalten", sagt Ausbildungsleiterin Annika Petermann.

Doch in Mittweida werden die Beiden nicht bleiben. Wie Amtsvorsteher Bernd Wisslicen erklärte, dürfen laut Vorgabe aus dem Finanzministerium die ausgebildeten Fachleute nicht in dem Amt bleiben, in dem sie den praktischen Teil der Ausbildung absolviert haben. Anke Beer tritt kommende Woche eine Stelle im Finanzamt Döbeln an, Kati Lehmann-Liedtke geht nach Meißen. ".Ich bin sehr aufgeregt. Dann wird es ernst", sagt die 42-Jährige, die in der Ausbildungsklasse Bobritzsch die älteste Steueranwärterin war. Doch es habe dort noch mehr Quereinsteiger gegeben. Im Gegensatz zu den Jüngsten, die direkt von der Schule kamen, haben den beiden Frauen die Lebenserfahrung, die sie schon gesammelt haben, auch bei der Ausbildung geholfen.

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