Von Mittweida nach Hollywood

Nach seinem Studium an der hiesigen Hochschule will Christopher Scheimann den Schritt über den großen Teich wagen. Bisher hat er Videos nicht nur für Bushido produziert.

Mittweida.

Christopher Scheimann ist Videoproduzent und Absolvent der Hochschule Mittweida. Nun will er in Los Angeles/Hollywood mit Firmen zusammenarbeiten, die unter anderen für große Film- oder Serienerfolge wie "The Avengers" oder "Stranger Things" verantwortlich zeichnen. "Freie Presse" sprach mit dem gebürtigen Lübecker über seine Zeit in Mittweida, die Arbeit des Produzenten und den Traum von Hollywood.

"Freie Presse": Wie kam am es dazu, dass Sie ein Videoproduzent geworden sind. Ein Kindheitstraum?


Christopher Scheimann: Na ja, als Kind wollte ich ganz klassisch erst Ninja werden, dann Polizist, vor allem wegen der coolen Outfits. Nach dem Abitur habe ich dann vor allem nach einem Studium gesucht, in dem ich mich nicht mit Mathematik oder Physik befassen muss, das lag mir nämlich gar nicht. Dafür war ich immer kreativ und sprachlich begabt - und ich wollte etwas machen, das nicht in den Standard-Broschüren stand, die man beim Abitur in die Hand bekommt. Ich war auch immer ein visueller Mensch und ein Fan von Hollywood-Filmen - vor allem deren Herangehensweise an Figuren und Geschichten. Wie eben die Ninjas, die ich als Kind so cool, fand. Dass ich dann tatsächlich beim Produzieren gelandet bin, hat sich mehr oder weniger ergeben. Ich habe zwar tatsächlich "Producing", also das Produzieren studiert, aber hätte mich auch auf Kamera oder Regie spezialisieren können. Direkt nach dem Studium habe ich auch erst mal als Werbetexter in einer Agentur gearbeitet. Das war mir aber schnell zu langweilig und ich wollte zurück ans Filmset und Drehs organisieren. Das habe ich dann auch getan und mit Freunden zwei Musikvideos für Bushido produziert, die mittlerweile je etwa 40 Millionen Klicks haben. Von da aus ging es weiter, und ich habe die letzten zehn Jahre Werbung und Inhalte für große Marken wie BMW, McFiT, Coca-Cola, Mercedes-Benz und mehr produziert.

Warum gerade ein Studium in Mittweida? Was macht die Hochschule so besonders?

Die Hochschule in Mittweida hat im Bereich Medien starke Referenzen, zum Beispiel ist Walter Bruch, der Erfinder unseres Farbfernsehens, ein Absolvent der Hochschule. Mein Studium war eine Kooperation der Hamburger Medienakademie und der Hochschule Mittweida. So konnte ich den ersten Teil des Studiums erst einmal in Hamburg absolvieren, was nur 30 Minuten von meiner Heimatstadt Lübeck entfernt ist. Generell hat das Studium einen sehr breiten Einstieg in die Welt von TV und Film gegeben. Das war perfekt, da ich zu diesem Zeitpunkt noch keine klare Vision hatte, in welche Rolle genau ich am Ende passen würde. Zudem habe ich neben dem Studium auch schon viel praktisch gearbeitet. Um in diesem Bereich Erfahrungen zu sammeln, war Hamburg eine gute Stadt. Später im Studium bin ich dann weitergezogen nach Berlin, was wiederum nicht zu weit von der Hochschule in Mittweida war. Letztendlich war die Kombination aus Flexibilität und Fach-Expertise ausschlaggebend.

Wie ging es nach dem Studium bei Ihnen weiter? Was waren die wichtigsten Stationen?

Nun, ich war kein Regie-Absolvent mit einer ganzen Rolle an Referenzen, und für ein zusätzliches Regiestudium fehlte mir das Geld. Also habe ich mich bei der Werbeagentur "Jung von Matt" beworben - mit Erfolg. Als Texter denkt man sich in einer Agentur Werbespots aus, die dann nachher von einer Filmproduktion und einem Regisseur umgesetzt werden. Weitere Aufgabenfelder sind Anzeigentexte, Headlines und Plakatmotive. Anschließend habe ich als Freiberufler Musikvideos produziert. Musikvideo-Budgets sind meist sehr klein, und mich interessierte der Werbe-Markt, der zu jener Zeit noch nicht so offen war wie heute, wo bewusst mit Künstlern gearbeitet wird, mit denen sich gerade jüngere Leute identifizieren. Ich habe dann für andere Firmen als Producer gearbeitet, zum Beispiel war ich für fast fünf Jahre Inhouse-Producer bei "McFit". Eines meiner Highlights war die Zusammenarbeit mit den Box-Champions Vitali und Wladimir Klitschko. Jetzt arbeite ich wieder als Freiberufler für Marken wie BMW, VW, Coca-Cola, Adidas, Mercedes-Benz oder Deutsche Bahn.

Ist es eine größere Herausforderung, für eine bekannte Person wie Bushido ein Video zu produzieren oder für einen bekannten Konzern wie Mercedes?

Jeder Dreh hat seine ganz eigenen Herausforderungen. Es passieren immer unvorhersehbare Dinge, die man dann lösen muss, egal wie gut alles vorbereitet ist. Meine Arbeit ist aber eigentlich immer die gleiche, und auch ein Bushido ist am Set professionell und hört auf die Regieanweisungen. Der Unterschied ist, bei einem Musikvideo ist alles viel freier, da will man vor allem coole Bilder machen. Beim Werbedreh für einen Konzern ist die ganze Vorbereitung und Abstimmung viel detaillierter. Das kann schon interessante Ausmaße annehmen. Mit Promis stehst du wiederum manchmal vor anderen Herausforderungen. Bei dem Dreh mit Vitali Klitschko sollte er für eine Einstellung zwei Minuten lang Liegestütze machen. Er hat dann gesagt, dass er das nur macht, wenn ich es vormache. Zum Glück war ich damals gut im Training, und er musste dann sein Wort halten. Am nächsten Morgen hat er sich dann beim Frühstück für den Muskelkater bedankt.

Was macht Ihre Arbeit genau aus? Viele Leute kennen zwar den Begriff "Produzent" können sich darunter aber überhaupt nichts vorstellen.

Als Produzent leite und verantworte ich die gesamte Produktion eines Films oder Werbespots. Das heißt, ich bekomme das Storyboard oder Drehbuch und erstelle daraufhin ein Budget, schlage die passende Regie vor, stelle das restliche Team zusammen, erstelle ein Timing und führe die Kommunikation. Ich habe von der ersten E-Mail bis zum fertigen Film die Gesamtverantwortung dafür, dass es ein guter Film wird und, dass wir im Budget bleiben. Dabei bin ich immer der zentrale Ansprechpartner für den Kunden, die Agentur, die Regie und die Department Leads, also zum Beispiel der Kostümbildner, der ja wiederum Assistenten unter sich hat. An einem Filmset hat man schnell mal 50 bis 100 Leute, und ein Drehtag kostet schnell 100.000 Euro. Da muss alles reibungslos funktionieren.

Ab wann arbeiten Sie dann in Hollywood? Mit wem genau planen Sie dort zusammenzuarbeiten?

Aktuell arbeite ich von Deutschland aus eng mit einem VFX-Haus dort zusammen namens "Gradient Effects", die produzieren die Effekte für große Filme wie "Avengers" oder Netflix-Serien wie "Stranger Things". Dazu muss man wissen, dass viele Filme heute zum Großteil im Computer entstehen. Man filmt die Schauspieler vor einem Bluescreen, die im Film zu sehenden Hintergründe entstehen in einer 3D-Software. Ich hatte "Gradient" für ein Werbeprojekt beauftragt, und die Zusammenarbeit funktionierte so gut, dass wir in Zukunft mehr zusammen produzieren wollen - vor allem eben Werbung. Durch meine Kontakte zu Produktionen und Agenturen in Europa und auch in Los Angeles kenne ich viele Leute, die immer nach guten VFX- Häusern suchen oder die in Los Angeles drehen wollen. Und wir planen auch schon ein nächstes Filmprojekt mit einem Regisseur aus LA, mit dem ich schon länger befreundet bin. Los Angeles war schon immer mein Traum. Mich hat die Kombination aus Stadt, Strand und Filmindustrie immer fasziniert. Auch der Standard, mit dem dort Film und TV produziert werden, war für mich immer die relevanteste Messlatte. Deutsche Produktionen hängen da immer hinterher. jcl

Bewertung des Artikels: Ø 5 Sterne bei 1 Bewertung
0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...