Vorbeugen ist besser als zahlen

Was tun gegen Vandalismus und Kriminalität? Frankenberg fasst die Bildung eines sogenannten Präventionsrats ins Auge. Der Gedanke dahinter: Für Sicherheit ist nicht allein die Polizei zuständig.

Frankenberg.

Ein Sonntagmorgen im Grünen Klassenzimmer im Friedenspark Frankenberg. Beim letzten Unterricht, der hier stattgefunden hat, muss es sich um eine Schulstunde der geselligen Art gehandelt haben. Der Boden ist mit Zigarettenkippen übersät, zwischen Bänken liegen Scherben, Regen weicht die noch herumliegende Pappe des Sechser-Packs der Flaschen langsam auf. Für sich gesehen ist das nicht dramatisch. Aber der Park, den die Stadt erst für 850.000 Euro umgestalten ließ, landet immer mal wieder in den Schlagzeilen. So waren vor wenigen Wochen Jugendliche dort bedroht worden. Kurz darauf wurde eine Skulptur, deren Fundament noch nicht ganz ausgehärtet war, umgestoßen.

An Bilder wie diese denkt Bürgermeister Thomas Firmenich (CDU), wenn er sich fragt, wie es um die Sicherheit in der Stadt bestellt ist. Ein Thema, dem sich die Stadt künftig stärker widmen möchte. Nicht nur, dass Frankenberg den Gemeindevollzugsdienst stärkt. Auch beim Thema Vorbeugung will sich die Stadt mehr engagieren - und fasst die Bildung eines Kriminalpräventiven Rats ins Auge. Also eines Gremiums, in dem Rathaus, Polizei und gesellschaftliche Gruppen beraten, wie sich das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung verbessern lässt und was konkret zu tun ist, um Kriminalität vorzubeugen.

Damit folgt Frankenberg einer Initiative von Sachsens Innenminister Roland Wöller (CDU), der die Bildung der Präventionsräte flächendeckend im Freistaat angemahnt hatte. In derartigen Räten kommen auch Sozialarbeiter zu Wort, die aus ihrer Sicht darlegen, wie sich Kriminalität und Vandalismus eindämmen lassen. Wie das funktioniert, verdeutlicht das Beispiel Graffiti - für nahezu jede Stadt ein kostenintensives Ärgernis. Der Leipziger Präventionsrat reagierte mit einer Koordinierungsstelle Graffiti. Die stellte den Sprayern an einer Brücke eine 320 Quadratmeter große Fläche zur Verfügung. Was sie davon abhält, ihre Werke anderswo illegal zu hinterlassen. Andere Beispiele für Kriminalitätsprävention sind etwa Kurse Konfliktmanagement, die schon im Kindergarten- oder Grundschulalter ansetzen.

Für die Gründung von Präventionsräten sowie für andere Ideen der Kriminalitätsvorbeugung hat der Freistaat Fördermittel in siebenstelliger Höhe bereitgestellt. Soweit, das Geld in Anspruch zu nehmen, ist Frankenberg freilich noch nicht. Zunächst geht es darum, herauszufinden, wer überhaupt in einem solchem Gremium mitarbeiten kann und möchte. "Das könnten Schulträger sein, soziale Einrichtungen, Kirche", umriss Ramona Busch vom Ordnungsamt in einer Sitzung des Hauptausschusses des Stadtrats die Gedanken. Wichtig sei, ergänzte Firmenich, dass man kein Gremium ins Leben rufe, "in dem nur geredet wird, sondern eins, das die Sache ernst nimmt". Er selbst bekenne sich dazu, dass das Thema Sicherheit "Chefsache" sein solle. Entsprechend hatte neben Ramona Busch auch der Bürgermeister selbst die Stadt bei einer Konferenz zum Thema in Chemnitz vertreten und sich dort über Präventionsgremien informiert. "Bei den Städten, die solche Gremien haben, ist die Kriminalität messbar gesunken", fasste der Bürgermeister seine Erkenntnisse zusammen. Auch wenn man nun "keine Wunder erwarten" solle.

Die Ausschussmitglieder zeigten sich angetan und stimmten mit der Verwaltung überein, das Vorhaben anzugehen. "Ich denke, dass es schon ein richtiger Weg ist", sagte Oliver Gerstner (CDU). Dessen Parteifreund Ralf Neumann ergänzte, es sei auch eine gute Idee, "die Bürger dabei mit ins Boot zu holen".

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