Vorerst keine Einschnitte im mittelsächsischen Nahverkehr

Den Verkehrsbetrieben in Chemnitz und Leipzig fehlt Personal, das führt zu Abstrichen bei den Fahrplänen. In Mittelsachsen sieht die Lage besser aus. Doch bei Regiobus steht eine Rentenwelle bevor. Zugleich wird die Suche nach Nachwuchs schwerer.

Mittweida.

Noch immer ist im Chemnitzer Nahverkehr nicht alles beim Alten. Nachdem die Chemnitzer Verkehrs-AG (CVAG) in den Winterferien den Fahrplan ausgedünnt hatte, rollen die Busse und Bahnen seit Anfang März zwar wieder in dichterem Takt. Doch in der Chemnitzer Innenstadt gibt es weiter kleinere Einschränkungen im Straßenbahnverkehr; zudem hat die CVAG zwei Buslinien am Stadtrand an ein anderes Unternehmen abgegeben, um der weiter angespannten Personallage Herr zu werden. Nicht nur in Chemnitz krankt der Nahverkehr an Mitarbeitermangel. Auch die Leipziger Verkehrsbetriebe haben laut "Leipziger Volkszeitung" den Fahrplan ausgedünnt.

In Mittelsachsen drohen derartige Einschnitte derzeit nicht, sagt Michael Tanne, Geschäftsführer von Regiobus. Anders als in Chemnitz und Leipzig sei in dem Verkehrsunternehmen derzeit keine Fahrerstelle unbesetzt: "Mit dem vorhandenen Personal können wir unsere Dienste abdecken." Problematisch könnte es allerdings werden, wenn viele Fahrer zeitgleich erkranken, wie es bei der CVAG der Fall war. "Das ist wie ein Schneeball", so Tanne. "Wenn ein Fahrer fehlt, muss ich den Dienst mit einem dafür eingeteilten Reservefahrer besetzen. Wenn auch der krank wird, gibt es nur zwei Möglichkeiten: Entweder die verbliebenen Mitarbeiter schrubben Überstunden oder die Fahrt fällt aus."

Die Klagen seiner Kollegen aus Chemnitz und Leipzig bestätigt der Regiobus-Chef: Es sei schwer, ausreichend neue Mitarbeiter zu finden. Das liege unter anderem an den unregelmäßigen Arbeitszeiten der Busfahrer. Bei Regiobus seien rund die Hälfte der Dienste geteilt. "Das heißt, die Mitarbeiter kommen früh zur Arbeit, gehen beispielsweise um 8 Uhr nach Hause, kommen um 12 Uhr wieder und arbeiten bis 19 Uhr", erläutert Tanne. Weil gerade junge Leute großen Wert auf die Vereinbarkeit von Beruf, Familie und Freizeit legten, werde es zunehmend schwerer, Nachwuchs zu finden. Auch habe die Qualität der Bewerber nachgelassen. "Wir haben ganz hervorragende Menschen, für die Busfahrer ein Wunschberuf ist. Aber wenn jemand den Beruf nur ergreift, weil er nichts anderes findet, ist er im Dienstleistungsgewerbe völlig deplatziert."

Eine große Herausforderung steht dem Unternehmen noch bevor. Es droht eine Rentenwelle, denn der Altersdurchschnitt der Regiobus-Mitarbeiter sei hoch, sagt Tanne. Das habe vor allem historische Gründe. Die hiesigen Verkehrsunternehmen seien nach der Wende aus großen Betrieben hervorgegangen. "Damals gab es das entgegengesetzte Problem - es wurde rückgebaut, rückgebaut, rückgebaut", erzählt er. "Im Regelfall mussten die Jüngeren zuerst gehen, die Älteren blieben übrig. Daher hat sich die Alterspyramide quasi auf den Kopf gestellt."

Ziel von Regiobus sei es in jedem Fall, die altersbedingten Abgänge zu kompensieren. "Wir sind sehr bemüht", sagt Tanne. "Aber die Frage ist, ob wir genügend Bewerber finden. Das kann ich heute noch nicht zuverlässig beantworten." Dabei will Regiobus - anders als die Leipziger Verkehrsbetriebe - aber nicht im Ausland nach neuen Mitarbeitern suchen. Zwar habe das Unternehmen mit Bewerbern aus Tschechien und Polen ebenso wie mit Migranten bereits einige gute Erfahrungen gemacht, so Tanne. Allerdings seien gute Deutschkenntnisse unabdingbar, weil Fahrer beispielsweise über Tarife und Verbindungen informieren müssen. Bei anderen Verkehrsunternehmen seien daran viele der im Ausland angeworbenen Mitarbeiter gescheitert.

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