Waldweg-Schäden "eingeplant"

Eine Chemnitzerin übt harsche Kritik an den aktuellen Holzerntearbeiten im Schweizer Wald bei Mittweida. Der Staatsbetrieb Sachsenforst sorgt mit seiner Begründung für versöhnliche Töne.

Mittweida.

Tiefe Furchen in Waldwegen, Schlamm und frisch gefällte Bäume - was Annett Raupach im Mittweidaer Schweizer Wald sah, hat sie in einem offenen Brief an den sächsischen Ministerpräsidenten Stanislaw Tillich und an verschiedene staatliche Stellen in kritische Worte gefasst - und damit in einigen Amtsstuben für großen Wirbel gesorgt. Scharfzüngig und anhand vieler Fotos kritisiert die Chemnitzerin die Pflege- und Holzerntearbeiten Anfang des Jahres als "rücksichtloses Vorgehen". Vom Sachsenforst hat sie inzwischen Antwort bekommen, zeigt teilweise Verständnis für das Vorgehen.

Ihre Motivation, den offenen Brief zu schreiben, sei Betroffenheit gewesen, erklärt sie. Und ihr seien im Wald weitere Personen begegnet, die ähnliche Entrüstung geäußert hätten. Der Chemnitzer Forstbezirksleiter Ingolf Hoppe hat Annett Raupach einen mehrseitigen Antwortbrief geschrieben und ein persönliches Gespräch angeboten. Sie wolle weiter recherchieren und sich auf dieses Gespräch vorbereiten, teilt sie der "Freien Presse" dazu mit.


Beim Sachsenforst sieht man die Situation weniger dramatisch: "So hart das klingen mag, der war eingeplant", schreibt Ingolf Hoppe und bezieht sich dabei auf den entstandenen Schaden an den Waldwegen. Ein Unternehmen, das im Auftrag von Sachsenforst mit teurer Technik arbeite, könne nicht warten, bis es nach Regen wieder trockener werde und die Schäden eventuell geringer ausfielen. "Kein holzverarbeitender Betrieb kann es sich leisten, seine Arbeiter aufgrund fehlender Holzlieferungen in die Arbeitslosigkeit zu schicken, nur weil es regnet und die Waldwege vorübergehend unpassierbar werden könnten", so Hoppe. Es sei Bestandteil der Verträge, dass die sogenannten Rückewege oder Sammelgassen, die bei den Forstarbeiten entstehen, durch die Unternehmen wieder eingeebnet werden müssen. Die befestigten Wege im Wald würden durch Sachsenforst ebenfalls planmäßig nach Holzerntemaßnahmen wieder in Stand gesetzt oder je nach Zustand in längeren Zeitabständen erneuert. Generell macht Hoppe deutlich, dass Waldwege der Bewirtschaftung des Waldes dienen. "Für Waldwege besteht keine Verpflichtung zur Herstellung einer bestimmten Beschaffenheit." Die Bürger hätten das Recht, den Wald zu betreten, allerdings ohne rechtliche Ansprüche.

Der Teil des Schweizer Waldes, auf den sich Annett Raupachs Kritik bezieht, unterliege nicht-kommunaler Forstwirtschaft.Es handele sich ausschließlich um Staatswald im Eigentum des Freistaates Sachsen, der durch den Staatsbetrieb Sachsenforst bewirtschaftet werde. "Der Schweizer Wald ist weder als Naturschutzgebiet ausgewiesen, noch ist er entsprechend beschildert", so Hoppe. Die von Sachsenforst gepflanzten jungen Eichen, von denen die Experten erwarten, dass sie mit den zukünftigen klimatischen Bedingungen viel besser zurechtkommen als die Fichten, seien eine Lichtbaumart. "Sie konnten deshalb im Rahmen der Waldumwandlung nur auf der Freifläche, und zwar nach Kahlschlag, gepflanzt werden. Sie werden ab jetzt, etwa fünf Jahre lang, jedes Jahr zweimal, gepflegt", erklärt Hoppe. Und was die schwere Technik betreffe, so sei diese unumgänglich, um rationelle und zugleich arbeitsschutzsichere Technologien einzusetzen. "Ich würde das Holz auch lieber von Holzfällern fällen lassen und dann mit Pferden aus dem Bestand ziehen", so Hoppe. Das sei aber doppelt so teuer als der Einsatz des von Annett Raupach kritisierten "übermäßigen Maschinenequipments".

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