Warum 24 Wohnungen das letzte Stündlein schlägt

Nur noch in diesem Jahr wird Post in der Händelstraße 3, 3a und 3b zugestellt. 2021 wird das Gebäude abgerissen. In Zeiten der Wohnungsnot lässt das aufhorchen. Doch der Vermieter vermeldet Leerstand.

Frankenberg.

Auf der Lützelhöhe steht im kommenden Jahr ein Abriss ins Haus. Die Allgemeine Wohnungsgenossenschaft Frankenberg/Sa. eG (AWG) hat auf "Freie Presse"-Anfrage ein Rückbauvorhaben bestätigt. Betroffen sind davon die Händelstraße 3, 3a und 3b in Frankenberg.

Für den Abriss vorgesehen sind 24 Wohneinheiten. "Zum 31. Dezember 2019 waren davon zwölf Wohneinheiten vermietet", sagte Jens Engmann, geschäftsführender technischer Vorstand der AWG. "Den Mietern wird zum 31. Dezember 2020 gekündigt", teilte Engmann weiter mit.

Wegen der drohenden Kündigungen hatten sich Mieter an "Freie Presse" gewandt. Ihnen ging es vor allem um ansprechende Ersatzwohnungen. Zudem wiesen sie darauf hin, dass sie teils schon seit Jahrzehnten in der nun vom Rückbau betroffenen Immobilie wohnen.

Der eigentliche Abriss soll laut AWG im 1. Quartal 2021 über die Bühne gehen. Der Rückbau war Bestandteil eines mehrheitlich gefassten Beschlusses des Stadtrates vom April 2019. Bei diesem ging es um den Stadtumbau jener Gebiete, die von Geschosswohnungsbau geprägt sind. Die Neubauten wurden zwischen den 1950er- und 1980er-Jahren errichtet. Wegen des Sanierungsstaus der Wohnhäuser in der historischen Altstadt dehnte sich Frankenberg seinerzeit östlich der Bahnlinie entlang der Äußeren Freiberger Straße aus.

In dem Fördergebiet war bis zum besagten Stadtratsbeschluss nur Rückbau angesagt. Die bis dahin noch relativ hohen Belegungszahlen in den Wohnblöcken hinderten Vermieter wie die AWG aber, seit der Aufnahme in das Rückbaugebiet im Jahr 2012 effektiv Wohnraum zu reduzieren. Erst durch die zunehmende Sanierung von Wohnungen in der historischen Innenstadt gab es mehr Wechsel innerhalb der Stadt: Die Frankenberger zieht es wieder zurück ins Zentrum. "Die leergezogenen Wohneinheiten sollen nach Abstimmung mit der AWG und der kommunalen Wohnungsgesellschaft in den nächsten sieben Jahren reduziert werden", hieß es in der Beschlussvorlage. Zugleich ermöglicht das neue Fördergebietskonzept, dass neben dem Abriss auch Aufwertung etwa durch Grünflächen und genossenschaftliches Wohnen und Inklusion für Menschen mit und ohne Behinderung realisiert werden können. Aufgrund des neuen Rahmens für das Gebiet kommen die Vermieter an weitere Fördermittel für den Stadtumbau heran.Im Falle der Händelstraße zahlt die Sächsische Aufbaubank laut AWG 50 Euro Förderung pro Quadratmeter zurückgebauter Wohnfläche.

Ihren von der Kündigung betroffenen Mietern unterbreitet die AWG alternative Angebote. "Die Genossenschaft hat bereits im Jahr 2019 ausführliche Einzelgespräche mit den Mietern geführt", erklärte Jens Engmann. "Dabei standen die persönlichen Wünsche bezüglich einer Alternativwohnung im Vordergrund."

Aktuell liegt der eigene Bestand der Wohnungsgenossenschaft bei 1560 Wohnungen. "Fremd bewirtschaftete Wohnungen haben wir nicht im Bestand", so der AWG-Vorstand. Der Anteil leer stehender Wohnungen beträgt derzeit 24,5 Prozent, Tendenz steigend.

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