Warum das Schneemannland nicht aus der Mode kommt

Vor 30 Jahren hat Volkmar Wagner seine Drechslerei in Riechberg gegründet. Zum Jubiläum gibt es allen Grund zum Feiern und auch Neuheiten zu sehen.

Riechberg.

Ein Familienbetrieb mit 19 Mitarbeiten? Die Drechslerei Volkmar Wagner im Hainichener Ortsteil Riechberg wird dieser Bezeichnung gerecht. Das fängt schon bei der morgendlichen Kaffeerunde an, bei der alle zusammensitzen - natürlich mit dem Chef an der Tafel. 1985 hatte der heute 62-Jährige mit Drechseln im Nebenerwerb begonnen, ab dem 1. Januar 1989 war er selbstständig tätig. Den größten Schub in der Firmengeschichte brachten die Schneemann-Figuren, die seit 1995 in den Werkstätten an der Riechberger Pappelallee entstehen - alle in Handarbeit.

Das ist bis heute so, auch mit nun 19 Leuten im Betrieb. 50.000 bis 60.000 Figuren und Objekte kommen pro Jahr aus der Drechslerei. Ob es mittlerweile schon über eine Million Schneemänner sind, vermag Birgit Wagner, die Frau des Meisters, nicht zu sagen. So habe man in den Anfangsjahren nicht so viel verkauft, ein Brand in der Firma brachte auch einen Rückschlag. Heute sehen sich Wagners richtig gut aufgestellt, auch für die Zukunft. Man gehört zu den zehn größten Herstellern im Erzgebirge. Garant dafür sind auch die eigenen Söhne, die mitarbeiten und mitentwickeln. Tony und Peter Wagner haben zudem die City Kids etabliert. Mittlerweile gibt es sieben verschiedene dieser trendigen Figuren, die nicht nur zu Weihnachten gut dastehen sollen.

Die "Freie Presse"-Leser wählten 2017 die Gute-Laune-Gesellen zum Publikumsliebling beim Wettbewerb "Tradition und Form" des Verbandes Erzgebirgischer Kunsthandwerker und Spielzeughersteller. "Die Entwicklung dieser Figuren bringt dem gesamten Sortiment etwas", meint Tony Wagner. "Zum Beispiel war die neue Pyramide, bei der ein Arm eines Schneemanns die Achse hält, nur möglich, weil wir schon die Technik und Vorlage der stabilen City Kids hatten."

Auch bei der Ideenfindung für neue Figuren darf und soll die "Jugend" mitreden. Neue Schneemänner gibt es jedes Jahr im Sortiment. "Die Kunden fragen auch danach, etliche haben ja schon um die 80 Figuren gesammelt", erklärt Birgit Wagner. Neben der Pyramide, einem Lichterbogen und zwei neuen City Kids gibt es dieses Jahr eine Skischule mit Lehrer und drei Anfängern. Die tragen Leibchen, auf denen der Firmenname Wagner prangt.

Bereits seit Donnerstag läuft in Riechberg die Produktion. Am ersten Tag wurde nach der Weihnachtspause erst mal alles gründlich gereinigt. Nun laufen wieder die Drechselbänke. An einer steht seit gut einem Jahr auch ein gebürtiger Amerikaner. Dennis Crowder stammt aus Denver (Colorado) und lebt seit einiger Zeit in Chursdorf bei Penig. Und wie kommt ein Ami nach Riechberg? "Na mit dem Auto", erklärt der junge Mann und muss dabei selbst lachen. Als gelernter Zimmermann war er auf eine Stellenausschreibung aufmerksam geworden. Volkmar Wagner brachte ihm alles in Bezug auf Schneemänner bei, die Kollegen das Sächsisch.

Die Dienstälteste im Team ist Ulrike Münch, nun seit 19 Jahren dabei. "Außer Drechseln mache ich fast alles", erläuterte sie. "Langweilig wird es eigentlich nie. Und es macht immer noch Spaß, denn Abwechslung gibt es genug." Neue Mitarbeiter werden aktuell nicht gesucht. Lehrlinge würde Volkmar Wagner aber schon gern ausbilden, vor allem mit Blick auf die Zukunft. Dass die Kinder heute handwerklich weniger begabt sind, will er nicht bestätigen. Interessierte Schüler erlebe er immer wieder bei Angeboten wie dem Tag des traditionellen Handwerks und dem Lichtelfest. Die Arbeit in der Drechslerei sei aber keine Bastelei, sondern in erster Linie Produktion. "Nach acht Stunden auf Arbeit merkt man schon, was man gemacht hat", sagt der Meister. Das Ergebnis sei deutschlandweit gefragt. Außerhalb der Landesgrenzen habe man aber (noch) keine Kunden.

Festwoche im Schneemannland der Drechslerei Volkmar Wagner in Riechberg, Pappelallee 7a, zum 30-jährigen Betriebsjubiläum vom 31. Januar bis 3. Februar, täglich 10 bis 16 Uhr. Es gibt Rundgänge, eine Ausstellung, Bastelstube und Werkstattverkauf.

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