Warum das Welttheater auf Laser setzt

Der klassische Projektor darf bleiben. Trotzdem nutzt das Frankenberger Vereinskino jetzt neue Technik. Zur Einweihung des Beamers kam sogar ein Filmemacher aus Berlin.

Frankenberg.

Seit über zehn Jahren erhält der gemeinnützige Verein der Interessengemeinschaft Welttheater Frankenberg das alte Lichtspielhaus. Nun gibt es eine Änderung, die neue Möglichkeiten eröffnet. "Mit Spenden der Frankenberger Bevölkerung konnten wir einen neuen Beamer erwerben", erklärte Falk-Uwe Langer, Vorsitzender der Interessengemeinschaft Welttheater Frankenberg.

Rund 6200 Euro kostete das Gerät. Über ein Jahr wurde für diesen Zweck gesammelt. Angelo Schmidt, der den neuen Beamer als Filmvorführer betreuen wird, erklärte, dass es sich um einen Laserbeamer handelt. "Dieser ist lichtstärker und ermöglicht sogar eine Nutzung mit eingeschaltetem Bühnenlicht", so Schmidt. "Wir verabschieden uns damit nicht von der Tradition, vorzugsweise Filme mit klassischer analoger Vorführtechnik, also 35-mm-Film, auf unseren Ernemann-Projektoren zu zeigen. Doch in wiederkehrender Folge wollen wir uns auch dem modernen, zeitgemäßen elektronischen Vorführsegment öffnen", erklärte Langer. Jedoch werden die Frankenberger beim Gros der Kinotage auch weiterhin mit klassischer Filmtechnik begeistert werden, wie Langer sagte. Die analoge Vorführtechnik habe weiterhin Priorität. Der neue Beamer solle ein- bis zweimal im Jahr zu Kinotagen eingesetzt werden. Aber auch bei einer Reihe von Sonderveranstaltungen wie den Schulkinowochen ist eine Nutzung des digitalen Projektors vorgesehen.

Zur Einweihung des neuen Gerätes gab es im Welttheater eine Premiere. "Erstmalig haben wir einen Regisseur zusammen mit einem aktuellen Film in unserem Kino", so Langer. Den Film zur Premiere lieferte Veit Helmer mit "Vom Lokführer, der die Liebe suchte". "Der Film erzählt von einem Lokführer, an dessen Lok ein BH hängen bleibt und der die Bahngleise entlangläuft und die Besitzerin sucht", so der Regisseur. Helmer erklärte weiter, dass ihm die Inspiration zu dem Film in einem Ort in Aserbaidschan, in dem Züge im Abstand von 20 Zentimetern an Häusern vorbeifahren, gekommen war. "Es ist für die Bewohner die Hölle, aber Gold für einen Filmemacher", so Helmer. Der Regisseur von 14 Kurzfilmen, zwei Dokumentarfilmen und sechs Spielfilmen nimmt seine Zuschauer gern mit auf Reisen: "Es ist spannender in ein unbekanntes Land zu reisen als an bekannte Orte".

Aufmerksam auf den Berliner Regisseur wurden die ehrenamtlichen Mitglieder des Welttheaters auf interessante Weise, wie Langer erklärte: "Zwei Vereinsmitglieder haben ihn unabhängig voneinander kennengelernt, erschienen mit dem gleichen Satz und glänzenden Augen in der Vereinssitzung und sagten, den Mann und den Film müssten wir ins Welttheater holen. Da konnten wir nicht anders." Helmer habe sofort zugesagt. "Wir wollten sehr gern einen bildgewaltigen Film zur Premiere der neuen Technik vorführen. Da sind die kaukasischen Berge von Aserbaidschan genau das Richtige", so Langer weiter. Von dem Film ist er spürbar begeistert: "Es ist zwar kein Stummfilm, aber er funktioniert auch ohne Worte. Nur über Bilder zu kommunizieren, ist eine hohe Kunst, bei der die Bilder einfach stimmen müssen - jedes Einzelne."

Zur Vorstellung war das Liebhaberkino Welttheater gut gefüllt. "Ich bin der Einladung des Vereines gefolgt, der sich hier in Frankenberg dafür einsetzt, das schöne Kino zu erhalten", erklärte Veit Helmer. Fragen von Gästen beantwortete er live vor Ort. So wollten die Anwesenden wissen, wie man einen solchen Film finanziert. "Mit Preisgeldern anderer Filme und dem Lizenzverkauf ins Ausland kann man ein solches Projekt finanzieren. Auch die ARD hat Gelder beigetragen", so Helmer.

Solche Diskussionsrunden seien auf Filmfestivals üblich, im Kino dagegen eher eine Seltenheit. "Ich mache Filme für die große Leinwand. Darum ist es mir ein großes Anliegen, Initiativen zu unterstützen, die geschlossene Kinos wiederbeleben", erklärte Helmer abschließend. "Denn nirgendwo wirkt ein Film besser als im Kino."

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