Warum der Vogelturm in Mühlbach noch nicht saniert ist

Eine ehemalige Trafostation im Ortsteil sollte schon vor Jahren umgebaut werden. Doch nichts tat sich. Jetzt kommt neue Bewegung in die Sache.

Mühlbach.

Die Sache sollte längst Geschichte sein: Bereits 2017 beschloss der Technische Ausschuss in Frankenberg, eine ehemalige Trafostation im Ortsteil Mühlbach zu einem Vogelturm umzubauen. Geschehen ist aber bis heute nichts. Das hat dem 2019 gewählten, neuen Ortschaftsrat keine Ruhe gelassen. "Wenn etwas beschlossen wurde, dann muss es auch umgesetzt werden", so Rico Walter-Bretschneider, der für die Freien Wähler Frankenberg im Ortschaftsrat sitzt. "Es gehört zu unseren Aufgaben, die Einhaltung solcher Beschlüsse zu überwachen."

Die längst stillgelegte Trafostation an der Frankenberger Straße steht unter Denkmalsschutz und ist Beleg für die Ankunft des elektrischen Stroms im Ortsteil. Inzwischen verfällt der Technikveteran. Laut Ortschaftsrat Heiko Heilmann hatte ein Vogelkundler die Idee, die Station zu einem Vogelturm umzubauen. Kleinvögel könnten hier nisten. Auch Fledermäuse würden hier nahe der alten Schmiede des Ortsteils unterkommen. "Der Turm soll durch die neue Zielstellung im Interesse der naturschutzfachlichen Aufwertung und unter Beachtung der denkmalpflegerischen Belange baulich instand gesetzt und als Brut- und Aufenthaltsstätte hergerichtet werden", hieß es seinerzeit in dem Beschlussvorschlag. In der Denkmalliste werde das Bauwerk als ein "Zeugnis für die Elektrifizierung des Ortes" geführt und sei "technikgeschichtlich von Bedeutung".

Der Technische Ausschuss stimmte dem Vorhaben zu. Und sogar die Finanzierung ist weitgehend gesichert. Denn die geschätzten Kosten von etwa 60.000 Euro sollen zu einem großen Teil aus der Ausgleichszahlung für die nahe Windkraftanlage am Altenhainer Weg gedeckt werden. "Das Geld ist da", sagt Ortsvorsteherin Ute Nebe. Der Rest müsse aus Haushaltsmitteln kommen.

Die Verzögerung des Umbaus ist in der Stadtverwaltung bekannt. "Die Ursache für die noch nicht umgesetzte Realisierung ist hauptsächlich in der nicht gesicherten Erschließung des Grundstücks begründet, auf der sich die Trafostation befindet", sagte Bildungsmanagerin Sandra Saborowski auf "Freie Presse"-Anfrage. Der Turm selbst stehe zwar auf einer kommunalen Fläche. Zu ihm gelangte man aber lange nur über ein privates Nachbargrundstück. Im Mai 2018 erwarb die Stadt diese Fläche, auf der auch die alte Schmiede des Ortsteils schlummert. "Danach wurden an dem Trafohäuschen die Notsicherungen am Dach durchgeführt", so Saborowski. Weitere Schritte erfolgten in Abstimmung mit dem Ortschaftsrat.

Der wünscht sich, dass es nun endlich losgeht mit dem Umbau. Denn es soll nicht nur ein Schandfleck verschwinden. Dank der gefiederten Bewohner könnte der Vogelturm auch ein neues Ausflugsziel für Schulklassen werden. Die früheren Planungen sahen nach der Sanierung im Innenraum eine Holztreppe mit Plateau vor. "Dort könnten Schüler sich die Nester von Vögeln anschauen", sagte Ortschaftsrat Heilmann. Laut einem Planungsbüro eigne sich das Gebäude als Brutplatz für Arten wie Hausrotschwanz, Mehlschwalbe, Bach- und Gebirgsstelze. Unterm Dach könnten Fledermausarten wie Braunes Langohr, Große und Kleine Bartfledermaus sowie Zwergfledermaus einziehen. Revierstreitigkeiten mit den Vögeln seien laut Experten nicht zu befürchten.

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