Warum die Jugend wirklich mitreden soll

Was wollen die Teenager der Gemeinde Kriebstein in ihrer Freizeit machen? Der Kreisjugendring versucht mit den jungen Leuten gemeinsam zu klären, wie sich die Wünsche umsetzen lassen.

Grünlichtenberg.

Es gibt 140 Jugendliche im Alter von 14 bis 21 Jahren in der gut 2100 Einwohner zählenden Gemeinde Kriebstein. Eingeladen waren sie alle, um sich über die Entwicklung ihres Heimatortes zu äußern. Gekommen waren genau 13 junge Leute, vorwiegend Teenager. Für die Einlader keine Enttäuschung, denn das Projekt hat schon Fahrt aufgenommen.

Im Mittelpunkt des als Zukunftsforum betitelten Gesprächsabends im Jugendklub Grünlichtenberg stand Christian Fanter, Leiter des Projekts "Flexibles Jugendmanagement im Landkreis Mittelsachen", das beim Kreisjugendring (KJR) angesiedelt ist. Seit Herbst 2019 ist Fanter als Jugendmanager vor allem in den Regionen unterwegs, in denen es laut Kreisverwaltung Nachholbedarf gibt. In Burgstädt initiierte er zum Beispiel schon die Gründung eines Jugendstadtrats, in Geringswalde soll ein selbstverwalteter Jugendclub entstehen und in Frauenstein ein Streetsoccerplatz. Erfahrung bringt der studierte Sozialarbeiter aus Roßwein aus der mobilen Jugendarbeit in Nossen mit.

"Unser Vorteil gegenüber anderen Jugendprojekten ist, dass wir das so anbieten können, dass für die Nutzer fast keine Kosten entstehen", erklärt Fanter, der an der Hochschule Mittweida studiert hat. "Und wir dürfen Förderanträge stellen." Der Freistaat finanziere 80 Prozent, der Landkreis 15 Prozent. So bleibe nur ein kleiner Anteil Eigenmittel.

Am Donnerstagabend wurde Fanter von Antje Elsner, seiner neuen Kollegin im Projekt des KJR, unterstützt. Mit im Raum: Kriebsteins Bürgermeisterin Maria Euchler, die schon nach wenigen Minuten sehr zufrieden dreinschaute. Dabei begann der Abend doch mit der "Auskotzphase". Dabei sollten die jungen Leute mal ohne Hemmung sagen, was sie so stört. "Zu wenige Events und Veranstaltungen ", war einer der wenigen Kritikpunkte, den Euchler als gerechtfertigt bezeichnete. Auch ein fehlender Treffpunkt für Jüngere und zu wenige Sportangebote wurden angesprochen, nicht zum letzten Mal an diesem Abend.

Schritt 2, die "Rumspinnphase", also das Reich der Utopie: Da durfte mal wirklich von ganz tollen Dingen geträumt werden. Was es Kriebstein alles mal geben sollte, trug Fanter an der Tafel vorn zusammen: McDonalds, Achterbahn, Skihang, Schwimmbad, Skatepark.

In der dritten Phase wurde genauer überlegt, was wirklich machbar ist. Diskutiert wurde zum Beispiel eine zweite Bushaltestelle im Dorf. Neben einfachen Wünschen wie Netzen am Basketballkorb kristallisierten sich einige Projekte und Wünsche heraus, die nun auch angegangen werden sollen. Das sind eine Feuerstelle, mehr Grünflächen, ein Treffpunkt für die Zehn- bis 16-Jährigen und eine überdachte Sitzfläche im Freien.

Die Bürgermeisterin kam auch gleich mit einer konkreten Idee. Sie schlug vor, den ohnehin derzeit nur von vier Leuten genutzten Jugendclub Grünlichtenberg an ein oder zwei Tagen in der Woche für die jüngeren Teenager zu öffnen. Mit dieser einfachen Lösung will Fanter aber nicht weitermachen: "Es ist euer Projekt, nicht meins." Sein Ansatz ist, dass sich die jungen Leute selbst aussuchen, wo ihr Raum und wann dort für wen geöffnet sein soll. Ein nächstes Treffen soll es dazu schon in den Winterferien geben.

"Unser Ziel sind Gruppen, die selbst aktiv werden", sagte Fanter. "Mittlerweile sterben überall Jugendclubs, weil es keinen Nachwuchs gibt. Die Jugendlichen haben es leider verlernt, sich zu beteiligen und mitzubestimmen." Es gelte aufzuzeigen, was es bedeutet, dass man in den Kommunen auch mitgestalten kann, sich so an demokratischen Prozessen zu beteiligen.


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