Warum ein Studium in Mittelsachsen lohnt

Raus in die große, weite Welt - das wollen viele junge Leute nach dem Abitur. Doch auch Hochschulstandorte abseits der Metropolen haben ihre Vorteile, wie Mittweida und Freiberg beweisen.

Mittweida.

Das Abitur ist geschafft, und viele Absolventen zieht es zum Studium. Großstädte sind dabei besonders gefragt. Doch es muss nicht immer Berlin, Leipzig oder Dresden sein. Auch Freiberg und Mittweida haben einiges zu bieten.

Vorteil - Wohnungsmarkt: An kleineren Hochschulstandorten sind die Mietpreise und der Wohnungsmarkt oft entspannter als in großen Uni-Städten, sagt Cort-Denis Hachmeister, Datenanalyst beim Centrum für Hochschulentwicklung (CHE). Laut dem Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) müssen Studierende vor allem in München tief in die Tasche greifen: Dort werden für eine Wohnung unter 35 Quadratmetern im Mittel 600 Euro fällig, in Berlin, Hamburg und Köln 425 bis 420 Euro. Dresden und Leipzig sind mit 255 und 240 Euro zwar deutlich günstiger, können Freiberg mit 190 Euro und Mittweida mit 180 Euro allerdings nicht schlagen, wie eine vergleichbare Stichprobe von "Freie Presse" ergab.


Vorteil - Kurze Wege: "Die Studierenden erreichen die Hörsaalgebäude problemlos zu Fuß oder per Fahrrad. Sie müssen nicht mit dem Bus oder mit Straßenbahnen fahren", nennt TU-Sprecherin Luisa Rischer einen weiteren Vorteil von Freiberg. Das spare neben Zeit und Nerven auch Fahrtkosten. Auch die Hochschule Mittweida befindet sich laut ihrem Sprecher Helmut Hammer kompakt im Herzen der Stadt. Die Zahlen des CHE belegen: In Berlin geht nur etwa jeder Zehnte zu Fuß zur Vorlesung, in Mittweida dagegen zwei von drei, in Freiberg vier von fünf Studierenden. Auch was das Organisatorische betrifft, seien die Wege in Mittweida kurz, führt Hammer aus: "Man begegnet sich hier häufig, der Umgang ist unkompliziert und persönlich, Gestaltungsmöglichkeiten sind größer." In Freiberg gibt es laut Luisa Rischer selbst bei besonders beliebten Studienfächern weder überfüllte Hörsäle noch lange Wartelisten für Praktika, Seminare oder Abschlussarbeiten.

Nachteil - Weniger Vielfalt: 225 Studiengänge bietet die Universität Leipzig an, 211 sind es an der TU Dresden. In Freiberg gibt es dagegen nur 66 Studiengänge, in Mittweida 44. Begehrte Fächer haben allerdings auch sie im Angebot. Betriebswirtschaftslehre, Maschinenbau, Rechtswissenschaften, Informatik und Medizin sind laut Statistischem Bundesamt besonders beliebt. Angehende Juristen und Ärzte werden in Mittelsachsen zwar nicht fündig, die anderen drei Fächer bieten aber sowohl Freiberg als auch Mittweida an. Zugleich gibt es dort auch Studiengänge, die anderswo in Deutschland gar nicht, nur selten oder nicht in dieser Form existieren. In Mittweida sind das laut Hochschule Elektrotechnik - Automation, Allgemeine und Digitale Forensik, Global Communication in Business and Culture und vier weitere Fächer. Die TU Freiberg nennt gut 15 solcher Angebote, etwa die Kombination von Chemie, Physik und Biologie im Studiengang Angewandte Naturwissenschaft und die Diplom-Studiengänge Markscheidewesen und Angewandte Geodäsie sowie Geotechnik und Bergbau.

Nachteil - Renommee: Unter den elf deutschen Exzellenz-Universitäten, die vergangene Woche gekürt wurden, sind Hochschulen aus den drei größten Städten Berlin, Hamburg und München vertreten. Auch die TU Dresden ist dabei, jedoch lediglich zwei Hochschul-Standorte mit weniger als 100.000 Einwohnern, nämlich Konstanz und Tübingen - beide etwa doppelt so groß wie Freiberg. Ein erstklassiges Studium ist aber auch in kleineren Städten möglich. Im CHE-Ranking schneiden einige Studiengänge aus Freiberg und Mittweida besonders gut ab. So sind an der TU Bergakademie laut Cort-Denis Hachmeister die Fächer Maschinenbau und Verfahrenstechnik sowohl bei den Forschungsgeldern als auch bei der allgemeinen Bewertung der Studierenden spitze. Die Hochschule Mittweida belegt bei Forschungsgeldern in der Elektro- und Informationstechnik einen Top-Platz. Auffallend zufrieden sind dort die Studierenden der Biotechnologie, die Organisation, Räumlichkeiten und IT-Infrastruktur besonders gut bewerten. Ein weiterer Pluspunkt: Studiengänge abseits der Großstädte sind laut Hachmeister seltener zulassungsbeschränkt. Ein Studienplatz ist damit auch ohne Spitzen-Abi zu kriegen.

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