Warum eine alte Presse bleiben darf

Schon fix und fertig verpackt, sollte die historisch wertvolle Maschine der ehemaligen Firma Roßberg eigentlich nach Augsburg geschickt werden. Doch nun gibt es für sie einen neuen Platz im künftigen Erlebnismuseum "Zeit-Werk-Stadt" in Frankenberg.

Frankenberg.

Wer es sich leisten kann, bei einem offiziellem Termin des Bürgermeisters der Stadt Frankenberg zwar im Mittelpunkt zu stehen, der Veranstaltung aber fern bleiben zu dürfen, muss schon etwas Besonderes sein. Und tatsächlich ging es kürzlich im Landhotel Frankenberg um etwas ganz Exklusives. Denn die historische Druckpresse, die etwa um 1750 gebaut wurde und sich seit 1842 bis in die Gegenwart im Besitz der Firma Roßberg in Frankenberg befand, hat großen Seltenheitswert. Nun wurden die Weichen gestellt, dass diese historisch wertvolle Presse der Nachwelt nicht nur erhalten bleibt, sondern künftig von jedermann besichtigt werden kann.

"Wir möchten unsere hölzerne Druckpresse als Leihgabe der Stadt Frankenberg zur Verfügung stellen. Das haben wir im Familienrat so beschlossen", sagte Christa Frohburg, die das Familienunternehmen, die Druckerei Roßberg, bis Anfang dieses Jahres geführt hatte. Sie beendete schließlich nach 176 Jahren selbstbestimmt die Firmenhistorie, indem sie den Betrieb verkaufte.

"Dass wir diese Leihgabe erhalten, ist für die Stadt ein tolle Nachricht. Die Presse wird ein zentrales Element im künftigen Museum für Stadt -und Industriegeschichte, der ,Zeit-Werk-Stadt', sein", sagte Bürgermeister Thomas Firmenich (CDU). "Wir müssen natürlich noch weitere Schritte unternehmen, bis alles passt. Aber das ist kein Problem, heute überwiegt die Freude über die Bekanntgabe dieser Entscheidung."

Dass die historische Maschine nun in Frankenberg verbleibt, war vor Jahren noch unklar. "Nach dem Tod unseres Vaters, dem Firmeninhaber und Frankenberger Ehrenbürger Johannes Roßberg, ergab sich für uns als Familie die Herausforderung, den musealen Nachlass in seinem Sinne zu verwalten und zu klären", sagte Christa Frohburg. So hätten von 2009 bis 2013 unter anderem intensive Gespräche mit der Stadt Frankenberg über einen würdigen Verbleib der Druckpresse stattgefunden. "Von der Stadtverwaltung wurde uns aber nur ein kleiner Platz im Heimatmuseum angeboten. Das war aus unserer Sicht keine Lösung", erklärte Christa Frohburg auch im Namen ihrer Schwester Rosemarie Gruber-Friebel, die zum Termin im Landhotel ebenfalls anwesend war. So wurden Kontakte zum Zeitungshistoriker Martin Welke geknüpft, der in Augsburg das "Deutsche Zeitungsmuseum" gründen will. "Dort sollte die Presse mit unserer Firmengeschichte einen zentralen Platz einnehmen. Deshalb wurde sie in eine große Kiste transportsicher verpackt. Allerdings wurde sie nie nach Augsburg geliefert, sondern befindet sich nach wie vor verpackt in Frankenberg", verriet Christa Frohburg.

Der Grund sei, dass sich im Laufe der Zeit das Konzept des Zeitungsmuseums veränderte hatte und der Fokus nun mehr auf die politische Bildung gelegt werden soll. "Deshalb waren meine Schwester und ich uns nicht mehr sicher, ob unsere Presse im Rahmen dieser Ausstellung noch den richtigen Stellenwert einnimmt", erklärte Christa Frohburg. "Mit etwas zeitlichem Abstand sind wir jetzt der Überzeugung, die richtige Entscheidung getroffen und auch im Sinne unseres verstorbenen Vaters gehandelt zu haben", sagte Rosemarie Gruber-Friebel.

Die Schwestern wollen nicht nur die Druckpresse als Exponat beisteuern. "Wir werden auch weitere Maschinen aus unserem Bestand zur Verfügung stellen, an denen Kinder und Jugendliche Druckverfahren kennenlernen und ausprobieren können", sagte Christa Frohburg. Die Geschichte der Druckerei Roßberg wird aber nur einen Teil der Ausstellungen in der "Zeit-Werk-Stadt" ausmachen. So ist vorgesehen, auch die Geschichte der ehemaligen Teppichweberei Witzschel zu präsentieren sowie die Fahrzeugbautradition der Stadt zu würdigen. "Wir arbeiten derzeit an der Umsetzung unseres Konzepts. Inhaltlich wird es immer konkreter und detaillierter. Zudem halten wir den vorgegebenen Zeitplan ein", sagte Sandra Saborowski, Bildungsmanagerin der Stadt Frankenberg.


Fünf Generationen führen einen Familienbetrieb

1842 gründete Carl Gottlob Roßberg die Druckerei und druckte auf einer Holzpresse auf dem von Friedrich Gottlob Keller in Hainichen erfundenen Holzschliffpapier am 11. Oktober 1845 einige Exemplare des "Intelligenz- und Wochenblattes", das zum "Frankenberger Tageblatt" wurde. Über drei Generationen entwickelte sich das Unternehmen zu einem Tageszeitungsbetrieb.

Mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde die Zeitung eingestellt. In der vierten Generation gelang es Johannes Roßberg, die Druckerei vor der Enteignung zu bewahren. Er führte ab 1949 die Firma fort.

1985 legte Christa Frohburg, geborene Roßberg, als erste Frau in der Geschichte der Firma, die Meisterprüfung im Buchdruckerhandwerk ab.

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