Warum es im Posthaus multikulti zugeht

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Kunden werden an der Burgstädter Herrenstraße mehrsprachig bedient. Denn die Mitarbeiter kommen aus verschiedenen Ländern. Einer von ihnen hat jetzt eine zweite Filiale eröffnet.

Burgstädt.

Sandra Balawni hat in der Pandemie aus der Not eine Tugend gemacht. Die 43-Jährige hat ihren Job als Sozialpädagogin an den Nagel gehängt und betreibt im Haus ihrer Eltern ein Posthaus. Als voriges Jahr die bisherige Post-Betreiberin den Mietvertrag aus gesundheitlichen Gründen kündigte, überlegte die Familie, wie es weitergehen soll. "Wir suchten einen Nachnutzer", sagt Balawni. Zuerst gab sie ihre Leitungstätigkeit als Sozialpädagogin einer Berufsfachschule in Chemnitz auf, dann widmete sie sich mit ihrem Mann ganz der neuen Herausforderung.

"In Coronazeiten wird viel im Versandhandel bestellt", sagt die Burgstädterin. Deshalb floriere das Paketgeschäft. Sie habe voll zu tun. Dann starb ihr Vater Thomas Döring, der langjährige Stadtwehrleiter der Burgstädter Feuerwehr. "Der Tod hat eine sehr große Trauer einerseits und andererseits ein starkes Zusammenfinden der Familie gebracht", sagt Sandra Balawni. Um die Mutter nicht allein in ihrem Schmerz zu lassen, verlegte sie ihren Wohnsitz in das Elternhaus. "Meine Mutter ist täglich für kurze Zeit mit im Geschäft. Ihr tut die Ablenkung sehr gut", erläutert Sandra Balawni.

Die verstärkte Nachfrage im Posthaus führte dazu, dass weitere Mitarbeiter angeheuert wurden. Neben ihrem Mann Alayham Alhaj Ali helfen Tochter Lara Adriana und Schwägerin Zuzana sowie eine weitere Mitarbeiterin. "Bei uns geht es richtig multikulti zu", sagt die Burgstädterin. Ihr Mann kommt aus Syrien, die beiden Frauen Zuzana und Ruzena stammen aus Tschechien. "Sie wohnen schon seit etwa 20 Jahren in Burgstädt und sind Freundinnen", sagt Balawni. Zuzana ist die Frau ihres Bruders, des jetzigen Feuerwehrchefs Lars Döring, fügt sie noch hinzu.

Wie klappt die Verständigung? "Mit viel Spaß", sagt Sandra Balawni. Alle drei verstehen und sprechen gut Deutsch, fügt sie hinzu. Nur bei der Grammatik gebe es ab und zu noch Unstimmigkeiten. "Ich glaube aber, dieser Akzent kommt auch gut bei unseren Kunden an. Mein Mann liebt den sächsischen Dialekt und freut sich, wenn er neue Wörter lernt und sächsisch sprechen kann", sagt Balawni. Multikulti könne ihrer Meinung nach funktionieren, "wenn man sich als Mensch betrachtet und nicht den kulturellen, religiösen Mensch, die unterschiedliche Nationalität", fügt sie hinzu.

Weil es so gut läuft, hat Alayham Alhaj Ali in dieser Woche eine zweite Filiale in Wittgensdorf eröffnet. An der Unteren Hauptstraße wird ein Geschäft weitergeführt. Es heißt Ayhams Posthaus. Der 36-Jährige kam 2015 nach Deutschland. In Syrien war er Lehrer für Literaturwissenschaften und arabische Sprache. In Burgstädt war er Betreuer in einer Mutter-Kind-Wohngruppe.

Multikulti soll es künftig auch in Wittgensdorf zugehen, sagt Sandra Balawni. Im Laden sollen nicht nur Post- und Büroartikel angeboten werden, sondern auch orientalische Besonderheiten. Arabischer Kaffee und Gebäck aus dem Land ihres Mannes sollen dort verkauft werden.

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