Warum Garfield den Weltkatzentag mag

Ein Fundtier war vor sechs Wochen das Titelbild in der "Freien Presse". Jetzt hat sich die Besitzerin gemeldet. Ihr Kater hatte damals vermutlich ein Taxi vom Dorf in die Stadt genommen - unfreiwillig.

Hainichen/Arnsdorf.

Als Annett Höhn aus dem Striegistaler Ortsteil Arnsdorf am 8. August den Lokalteil der "Freien Presse" aufschlug, konnte sie es kaum glauben. Die dort abgebildete Katze sah doch genau so aus wie ihr Garfield, der erst wenige Wochen zuvor in ihr Haus eingezogen war und nun seit ein paar Tagen schmerzlich vermisst wurde. Ein Anruf einen Tag später beim Tierschutzverein Hainichen brachte zunächst Hoffnung und dann Gewissheit: Es war tatsächlich das Katerchen von Annett Höhn, die den kleinen Liebling wenig später wieder in Empfang nehmen konnte.

Mitstreiter des Vereins hatten das junge Tier fünf Tage zuvor auf dem Parkplatz des Lidl-Marktes aufgegriffen, weil er dort ziemlich orientierungslos herumirrte. Vereinsvorsitzende Nicole Schmidt war sich damals schon sehr sicher, dass der kleine Kater einen Besitzer haben muss, weil er so gepflegt, zutraulich und verspielt war. Deshalb war er am 7. August auch das Thema beim Termin mit der "Freien Presse", die passend zum Weltkatzentag, der alljährlich am 8. August im Kalender steht, auf das Problem der Fundtiere aufmerksam machen wollte.

Eher zufällig war damals der Hainichener Verein ausgewählt worden. Auch in Frankenberg und Mittweida gibt es organisierte Tierschützer, die sich ehrenamtlich vor allem Katzen annehmen und dabei auf Spenden angewiesen sind. Dem kleinen roten Kater war das beim Fototermin egal. Er wollte spielen, nur das Geräusch des Auslösers der Kamera gefiel ihm nicht. Das Klicken mag er auch heute nicht, wieder zuhause bei Frauchen Annett Höhn, der Vorsitzenden des Allgemeinen Turnvereins Hainichen.

Doch wie war das Kätzchen die gut sechs Kilometer über die Bundesstraße und unter der Autobahn hindurch bis zum Fundort auf den Lidl-Parkplatz gekommen? "Er ist bei uns auf dem Hof vermutlich in den Motorraum des Autos eines Bekannten gekrochen", sagt die Besitzerin. "Jedenfalls hat unser Freund, er fährt einen Skoda, erzählt, dass er von Arnsdorf zum Einkaufen nach Hainichen gefahren ist. Und kurz nach seinem Besuch haben wir Garfield dann auch vermisst."

Was die Katze kaufen wollte und ob sie sich heute immer noch ohne Weiteres auf so eine Autofahrt begeben würde, vermag die Besitzerin nicht zu sagen. Seine Abenteuerlust habe Garfield, der erst im Juli im Alter von acht Wochen zu ihr gekommen war, jedenfalls behalten. So musste ihn Annett Höhn kürzlich aus einer Scheune retten, aus der er selbst nicht mehr herauskam und deshalb gar bitterlich wimmerte. Fremde Katzen sehe Garfield auch als Herausforderung an, selbst Größere fordere er gerne heraus. Und dann sind da auch noch die hauseigenen Samtpfoten. Zum Haushalt gehören die etwa sechs Jahr alte Mia und der etwas jüngere Mr. James, den die Schwiegertochter mitgebracht hatte. Eigentlich gehört auch Felix dazu, er ist aber freiwillig in das Nachbarhaus umgezogen und hört jetzt auf den Namen Carlo. Das ist das dörfliche Umfeld, in dem sich Garfield wohlfühlt.

Allerdings musste Annett Höhn dem Tierschutzverein beweisen, dass Garfield tatsächlich Garfield ist. Anhand von Fotos war das problemlos möglich. Deutlich sieht man da in der Fellzeichnung auf der Stirn ein "M". Markant sind auch ein weißer Fleck im roten Fell und Pinselchen an den Ohren. "Wir waren jedenfalls heilfroh, ihn damals so schnell wieder den Besitzern übergeben zu können", sagt Nicole Schmidt. Aktuell kümmert sich ihr Verein um acht Katzen, vier davon könnten sofort vermittelt werden. Dazu gehören die zwei anderen Jungtiere, die im August neben Garfield in der Zeitung abgebildet waren.

Die unfreiwillige Fahrt des Arnsdorfer Jungkaters ist übrigens nicht die einzige, die den Tierschützern bekannt ist. "Vor einem Jahr ist schon mal eine Katze von Bockendorf in einem Auto bis zum Netto-Markt gekommen", erinnert sich Nicole Schmidt. Was Garfield aus seinem Roadtrip gelernt hat, kann seine Besitzerin noch nicht abschätzen. Was sie jedoch erfahren hat, ist, dass der Tierschutzverein richtig gute Arbeit leistet und weiterhin viel Unterstützung benötigt.

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