Warum Mitarbeiter der Stadt räumen, aber nicht randalieren

Beim Stadtmelder auf der Internet-Homepage von Mittweida können Bürger Kritik üben und Anregungen loswerden. Im besten Fall schafft die Verwaltung die Probleme aus dem Weg. Doch das klappt nicht immer.

Mittweida.

Mit dem Neustart der städtischen Internet-Präsenz ging vor einem Vierteljahr auch der Stadtmelder online. Und der digitale Kummerkasten wird nachgefragt. So regen Bürger an, die Beleuchtung eines Supermarkt-Parkplatzes nachts besser auszuknipsen. Andere kritisieren den Zustand der Ufer an der Talsperre Kriebstein. Wieder andere fragen nach, warum die Sonnenblumen am neuen Parkplatz an der Hainichener Straße dem Rasenmäher zum Opfer fallen mussten.

Die Verwaltungsspitze hatte sich lange mit den Vor- und Nachteilen vergleichbarer Meldesysteme in anderen Städten beschäftigt und schließlich den Stadtmelder kreiert. Die per Online-Formular übermittelten Kritiken landen laut Oberbürgermeister Ralf Schreiber (CDU) zunächst bei den Experten für Datenverarbeitung. Sie werten die Hinweise aus und verteilen sie je nach Zuständigkeit in der Verwaltung.


So etwa der Ausfall der Straßenleuchte Am Dorfberg in Lauenhain. "Gibt es in Mittweida keine Elektriker mehr?", wollte hier ein Bürger wissen. Doch, gibt es. Und darum ist die Störung inzwischen auch beseitigt. Abhilfe gibt es auch beim Zustand eines 40 Meter langen Straßenrandes an der Hainichener Straße stadtauswärts. Den können Anwohner aus baulichen Gründen nicht sauber halten und ärgern sich über den Schandfleck. "Nach nochmaliger Prüfung der Angelegenheit wurde entschieden, diese Fläche in die maschinelle Reinigung einzubeziehen", antwortete die Stadtverwaltung ebenfalls online. So kann der Bürger nachvollziehen, was aus seiner Anregung wurde.

Mitunter kann das Rathaus aber auch nichts tun, da Dritte für einen Missstand zuständig sein. Beispiel Bahnhof. Dort fahren die meisten Züge an den Gleisen 2 und 3. Ein U-Profil am Rand der Treppe zum Bahnsteig wäre hilfreich für all jene, die ihr Fahrrad mitnehmen möchten. Doch Forderungen danach gehen seit Jahren ins Leere. "Die Problematik der mangelnden Barrierefreiheit ist uns bekannt", teilte die Stadtverwaltung mit. Unabhängig von der erschwerten Fahrradmitnahme bestehe für Menschen mit Handicap eine "immense Erschwernis bis hin zur völligen Nutzungsbarriere". Es handele sich dabei aber um Bahnanlagen, und jene wiederum befänden sich ausschließlich im Verantwortungsbereich der Deutschen Bahn. Dennoch trage das Rathaus die Forderung gern weiter.

Es gibt auch Fälle, da nützt der beste Stadtmelder nichts. Ein Anwohner wollte wissen, warum "die Mitarbeiter der Stadtverwaltung, die die Papierkörbe leeren, manchmal schon vor 6 Uhr früh dermaßen randalieren müssen, dass man bei gekipptem Fenster aufwacht". Stimmt aber gar nicht: Die Mitarbeiter der Stadt seien nicht vor 6 Uhr auf dem Markt, da ihre Arbeit erst zu diesem Zeitpunkt beginne und sie da noch im Bauhof seien. Des weiteren handelt es sich um normale Tätigkeiten der Entleerung. Mit Randalieren habe dies überhaupt nichts zu tun.

Hier geht es zum Stadtmelder: www.mittweida.de/stadtmelder

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