Warum Mittweida eine alte Partnerstadt neu entdeckt

Seit 45 Jahren gibt es eine verbriefte Partnerschaft mit der französischen Kleinstadt Courrières, die aber schlicht in Vergessenheit geraten ist. Eine überraschende Einladung könnte jetzt zu einer Wiederbelebung führen.

Mittweida.

Es ist kurios: Vor wenigen Tagen landete ein Schreiben des lokalen Geschichtsvereins der 10.000 Einwohner zählenden französischen Stadt Courrières auf dem Tisch des Mittweidaer Oberbürgermeisters Ralf Schreiber. Darin wurden die Mittweidaer eingeladen, zu einer Jubiläumsfeier anlässlich einer seit 45 Jahren bestehenden Städtepartnerschaft zu kommen.

Doch von dieser Partnerschaft wusste der Mittweidaer OB, der sonst Kontakte zu den vier Partnerstädten pflegt, nichts. "Ich bin seit 1991 in der Stadtverwaltung, hatte aber noch nichts davon gehört", so Schreiber. Erst Nachfragen beim früheren Bürgermeister Bruno Kny (1990-2001) trugen zur Aufklärung bei. Dem sei bekannt gewesen, dass es zu DDR-Zeiten eine solche deutsch-französische Städtepartnerschaft gab. Im Mittweidaer Stadtarchiv wurde auch eine Vertragsurkunde gefunden, mit der Anfang der 1970er-Jahre die Partnerschaft mit der Kommune im Norden Frankreichs besiegelt worden war.


Weitere Dokumente belegen, dass es anschließend unter anderem einen Schüleraustausch gegeben hatte. So kamen französische Schüler nach Mittweida. Der Vorsitzende des hiesigen Geschichtsvereins, Frank Schleußing, stieß bei weiteren Recherchen unter anderem auf eine Gedenktafel, die 1974 innerhalb der Städtepartnerschaft an einem Hochschulgebäude in Mittweida angebracht worden war und an einen 1944 von einem deutschen Militärgericht zum Tode verurteilten Kommunisten erinnerte, der in Courrières begraben ist.

Doch die Tafel wurde nach einem Umbau des Hauses entfernt. Über Jahre muss es an Ortseingangsschildern Hinweise auf die französische Partnerstadt gegeben haben. Nicht beweisen lässt sich bislang die Vermutung Schleußings, dass die Stadt Mittweida auf Anweisung der SED-Führung des Kreises die Städtepartnerschaft ab Anfang der 1980er-Jahre ruhen ließ.

Jetzt soll der Mittweidaer Geschichtsverein den Kontakt nach Courrières wiederbeleben und vielleicht auch eine Delegation zur Jubiläumsfeier in die französische Stadt entsenden. "Ob daraus mehr werden kann, wird man dann sehen", sagt Oberbürgermeister Ralf Schreiber.

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