Warum sich die Talsperre in Grün zeigt

Das Wasser auf dem Stausee ist von Lauenhain bis zur Staumauer eingefärbt. Der Wasserzweckverband hat Proben untersucht und gibt vorerst Entwarnung. "Freie Presse" ging der Sache auf den Grund.

Kriebstein.

Weniger Gäste und grünes Wasser: Mit nur etwas mehr als 5000 Gästen war das Talsperrenfest weniger gut besucht als in Vorjahren. Auch gestern lag die Hitze über dem Naherholungsgebiet mit seinem grün schimmernden Wasser. Auch die Teilnehmer des Symposiums "Kunst am Wasser", das von Mittwoch bis Sonntag in Höfchen stattfand, waren verunsichert. "Wir sind in den Vorjahren oft zur Abkühlung baden gegangen", erklärte der Mittweidaer Enrico Kletke, seit vielen Jahren künstlerischer Leiter der Holzgestaltung. Diesmal war es aber allen zu heikel, hier ins Wasser zu gehen. Man weiß ja nicht, ob es Grünalgen oder vielleicht die gefährlichen Blaualgen sind." Letztere hatten in hoher Konzentration für eine Absage des Schwimmens beim Hamburger Triathlon gesorgt.

Blaualgen wollte auch Ulrich Pötzsch, Geschäftsleiter des Abwasserzweckverbandes ZWA in Hainichen, nicht ausschließen, hält das Vorkommen in Kriebstein derzeit aber für unwahrscheinlich. Pötzsch war für den ZWA, der das Symposium unterstützt, auch selbst vor Ort. In Absprache mit dem Talsperrenzweckverband bot er eine Wasseruntersuchung an, um auf Nummer sicher zu gehen. Die am Nachmittag genommene Wasserprobe enthielt nach ersten Analysen im Hainichener Labor keine Blaualgen. "Es gibt viele harmlose Grünalgen, das sind runde Einzeller, die auch aneinander haften und Kolonien bilden", erläuterte Pötzsch. "Einige sehen wie Pantoffeltierchen aus."

Was dem Wasserfachmann jedoch Sorgen macht, sei die hohe Wassertemperatur: 30 Grad an der Oberfläche und vier Meter tiefer immer noch 25 Grad. Damit könnte bei massenhafter Vermehrung der Algen irgendwann der Sauerstoff im Wasser knapp werden. Dann bestünde auch die Gefahr des Auftretens von Blaualgen, mit denen ein fauliger Geruch einhergehen könne.

Für Thomas Caro, Geschäftsführer des Talsperrenzweckverbandes, ist die Wasserqualität nicht entscheidend: "Wir sind kein Badegewässer, Baden ist hier nur auf eigene Gefahr möglich. Wir betreiben auch keinen Badestrand." Dass das Wasser nun untersucht wurde, erachtet er als wichtig. Schließlich wolle er seine Besucher umfassend informieren. "Es gibt schon gelegentlich Anrufe, bei denen es den Leuten um die Wasserqualität geht", sagt Caro.

Zu den Besuchern das Talsperrenfestes gehörte auch der Mittweidaer Oberbürgermeister Ralf Schreiber (CDU), der zugleich Verbandsvorsitzender ist. "Natürlich ist das jetzt kein schönes Erscheinungsbild", gestand Schreiber ein. "Wir haben sehr gehofft. In früheren Jahren hat sich nach einer längeren Hitzewelle die Talsperre auch schon so gezeigt."

Im Wasser der Talsperre waren am Wochenende jedoch an mehreren Orten Badende zu beobachten, auch in Höfchen und am gegenüberliegenden Ufer in Falkenhain nahe der Jugendherberge. Dort sei die Zahl der Badegäste laut Herbergsleitung aber schon zurückgegangen. Die Einrichtung selbst sei hingegen fast komplett ausgelastet.

"Das Wasser ist grüner als unsere Liegewiese", kommentierte Holger Nitzschke die aktuelle Situation in seiner Jugendherberge. "Es gehen schon noch Leute ins Wasser, aber deutlich weniger als sonst. Zum Glück kann man bei uns als Gast auch gleich duschen."

Ganz früh am Morgen würde die Talsperre besonders schlimm aussehen. "Das ist dann wie ein schwimmender Teppich mit kleinen grünen Plättchen", beschreibt Nitzschke das Wasser. "Wenn dann durch Wind und die Schiffe ein paar Wellen kommen, verteilt sich alles wieder. Tagsüber geht es schon, schön ist es aber nicht. Wer aus dem Wasser wieder rauskommt, ist nicht komplett grün, aber wenn man sich wieder Sachen anzieht, bleiben die richtig am Körper kleben." Deshalb rät er auch unbedingt zur Dusche danach.

Vor drei Wochen habe es schon mal eine Wasseruntersuchung gegeben, die aber keine Beanstandungen zur Folge hatte. "So wie die Talsperre jetzt aussieht, war es wirklich viele Jahre nicht mehr", erläutert der Falkenhainer. "Es ist aber wohl einfach der Hitze geschuldet, und die ist nun mal auch außergewöhnlich."

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