Warum sich Hobbybergleute mit Hornissen beschäftigen

Heute feiert der Verein "Alte Hoffnung Erbstolln" mit 100 Gästen zwei Jubiläen. Doch zuvor mussten die Mitglieder ein unerwartetes Problem lösen.

Schönborn-Dreiwerden.

Die 18 Mitglieder des Vereins "Alte Hoffnung Erbstolln" beschäftigen sich sonst mit historischer Technik und bergmännischer Geschichte. Jetzt hat sich der Vereinschef Gerold Riedl unfreiwillig aber auch mit dem Tierschutz auseinandersetzen müssen - und das kurz vor einem Fest am vom Verein betriebenen Schaubergwerk im Rossauer Ortsteil Schönborn-Dreiwerden.

Was war geschehen? Hornissen hatten ein Nest auf dem Bergwerksgelände gebaut, teils waren Vereinsmitglieder schon gestochen worden. Das passte so gar nicht zur Vorbereitung für das Fest zum 40-jährigen Bestehen der Hobbygemeinschaft. Die wollte beim Fest heute mit rund 100 geladenen Gästen auch auf die Rekonstruktion einer Turbinenanlage hinweisen, die vor 175 Jahren als erste im Freiberger Bergbau-Revier in Schönborn-Dreiwerden unter Tage in Betrieb genommen wurde. Mit Hilfe dieser damals neuen Technik wurde Wasser aus 130 Meter Tiefe nach oben gesaugt und in die Zschopau abgeleitet. Das zeige die Bedeutung des Bergwerkes, in dem ab 1831 bis zu 300 Bergleute beschäftigt waren.

Doch noch vor wenigen Tagen mussten die Vereinsmitglieder befürchten, dass sonst friedliche Hornissen im Festtrubel aggressiv reagieren und stechen könnten, was bei manchen Menschen schwere allergische Reaktionen auslösen kann. An einen anderen Platz konnte die Jubiläumsfete nicht verlegt werden. Die Gäste, darunter Vertreter befreundeter Vereine und Bürgermeister der Region, waren längst eingeladen. Festzelt, Musikkapelle, Speisen und Getränke waren bestellt. Zerstören wollten die Hobby-Bergleute das Nest aber auch nicht. "Die Tiere stehen unter Naturschutz", sagt Riedl. So sei der Entschluss gefasst worden, das weitere Vorgehen mit Behörden zu klären, die über Fachwissen verfügen. Gemeindeverwaltung und Landratsamt wurden informiert.

Das Nest befindet sich laut Landkreissprecherin Cornelia Kluge in einem Entlüftungsschacht des Bergwerkes. Per Gesetz verboten sei es, Hornissen zu fangen, zu verletzen oder zu töten. Zudem dürften ihre Nester nicht aus der Natur entnommen, beschädigt oder zerstört werden. Befreiungen gewährt die Naturschutzbehörde nach Angaben der Sprecherin nur auf Antrag und wenn alles andere "im Einzelfall zu einer nicht beabsichtigten Härte führen würde".

Einen solchen Ausnahmefall hat das Amt hier erkannt. Die Naturschutzbehörde habe erlaubt, dass das Nest entfernt wird, so Cornelia Kluge. Dazu habe die Behörde eine Befreiung von den Verboten erteilt, mit denen im Naturschutzgesetz der Umgang mit besonders geschützten Arten geregelt ist. "Durch das Fest, den Zeltaufbau sowie die vorgesehene Nutzung des Standortes des Entlüftungsschachtes" sei das Problem nicht anders zu lösen. Im Falle der Rossauer Hornissen durfte das Nest laut der Kreissprecherin erst kurz vor dem Fest entfernt werden.

In diesem Fall sei die Hilfe von Spezialisten gefragt, sagte Rossaus Bürgermeister Dietmar Gottwald (parteilos). So hat sich der Verein eines Fachmanns bedient, wie Gerold Riedl gestern erklärte, der das Nest der Hornissen entfernt habe. Wie genau dies abgelaufen ist und ob das Nest umgesiedelt werden konnte, sei ihm aber nicht bekannt, weil kein Vereinsmitglied die Aktion verfolgen konnte. "Für uns ist jetzt nur wichtig, dass es keine Gefährdung mehr für Besucher des Bergwerks gibt und die Fachbehörde dazu vorher eingeschaltet worden ist", so der Vereinschef. (mit jl)

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