Warum Syrer in der Statistik weit hinten stehen

Wo sind die Syrer? Diese Frage stellten Leser, nachdem "Freie Presse" die Zahlen des Landratsamtes Mittelsachsen zur Asylpolitik veröffentlichte. Die Antwort ist einfach.

Mittweida.

Leserin Iris Mayer brachte es auf den Punkt. "Ich vermisse in der Grafik Angaben zu der großen Anzahl an geflüchteten Syrern sowie Menschen aus Eritrea", sagte sie nach der Veröffentlichung der Zahlen vom 27. März. "Da ich seit 2015 viel mit geflüchteten Familien arbeite, interessiere ich mich immer für die aktuellen Entwicklungen", so die Vertreterin des Projektes Willkommen für Familien.

In einer Grafik hatte die "Freie Presse" jene Herkunftsländer dargestellt, aus denen die meisten der insgesamt 1530 in Mittelsachsen untergebrachten Asylbewerber und Geduldeten stammen. Stichtag war der 28. Februar 2019. Dies reichte von 15,75 Prozent für Afghanistan über 8,69 für Indien bis zu 3,46 Prozent für Libyen."Zum Stichtag stammten von den 1530 Asylbewerbern, deren Verfahren noch nicht beendet sind, und den Geduldeten im Landkreis 37 Personen aus Syrien und 20 Personen aus Eritrea", sagte Landkreis-Sprecher André Kaiser. "Somit ergeben sich für diese Herkunftsländer folgende Anteile an der Gesamtanzahl: Syrien 2,42 und Eritrea 1,31 Prozent." Folglich kamen beide Länder nicht unter die ersten elf, die in der Grafik aufgeführt wurden.

Torsten Kleditzsch

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Die Tabelle des Landkreises enthält 58 Herkunftsländer, darunter auch die Positionen "staatenlos" sowie "sonstige asiatische Gebiete". Dabei reicht die Zersplitterung der kleineren Anteile von jenen 2,42 Prozent für Syrien (Platz 12) über 1,31 Prozent für Eritrea (Platz 16) bis zu 0,07 Prozent für den Senegal. Das ist auch die Erklärung dafür, warum die Anteile der in der Grafik abgebildeten elf Herkunftsländer summiert nur 72,34 Prozent ergeben: Die restlichen 27,66 Prozent verteilen sich auf 48 weitere Herkunftsländer.

Ein etwas anderes Bild der Syrer in Mittelsachsen ergibt sich, wenn man die Gesamtausländerzahl für den Landkreis betrachtet. Dazu zählen beispielsweise Flüchtlinge, aber auch etwa Studierende. "Hierunter fallen unter anderem auch Personen, die eine Aufenthaltserlaubnis besitzen, zum Beispiel aus humanitären Gründen", erklärte André Kaiser. So berechnet ergeben die 501Personen aus Afghanistan einen Anteil von 4,97 Prozent. Die 724 Personen aus Syrien stehen für 7,18 Prozent am Gesamtanteil von Ausländern in Mittelsachsen.

Warum nun der Anteil der syrischen Asylbewerber und Geduldeten bei nur 2,42 Prozent (37 Personen) liegt, der an der Gesamtausländerzahl aber bei 7,18Prozent (724Personen), das hängt mit dem Asylrecht und den Asylverfahren zusammen: Syrer erhalten als Bürgerkriegsopfer nach ihrem Asylantrag vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge in der Regel einen besonderen ("subsidiären") Schutz und in dessen Folge eine befristete Aufenthaltserlaubnis. Damit werden sie in der Statistik der Gruppe der Gesamtausländer zugeordnet.

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