Warum Tanzschul-Chef und Intendant auf der Bühne stehen

In einer neuen Operette geht es um die Suche nach dem Herrn der Hölle. Dabei sind auch Köpfe der Kulturszene vertreten - und spielen sich selbst.

Chemnitz.

Hitler, Stalin, Bin Laden und Trump sind alle Teil der Hölle. Zumindest, wenn es nach Alexander Kuchinka geht, der für eine Neuinszenierung die Operette "Der Teufel auf Erden" aus dem 19. Jahrhundert in die Neuzeit übersetzt hat. In dem Suppé-Stück, das ab dem 27. April in der Oper Chemnitz zu sehen ist, versucht das ungleiche Duo Ruprecht und Rupert, einer Höllen-, der andere Himmelsbewohner, gemeinsam Satan aufzuspüren. Der Teufel hat die Unterwelt nämlich verlassen, um unter den Menschen zu leben. Im Gegensatz zum Original wird dabei in der Neufassung nicht nur an verschiedenen Orten, sondern auch in verschiedenen Zeiten gesucht. So kreuzt der Reiseweg beider Protagonisten unter anderem Liebespaare des 21. Jahrhunderts, "mit Männerdutt und Justin-Bieber-Gedächtnisfrisur" den Modeeinflüssen der Gegenwart angepasst, wie Regisseur Hinrich Horstkotte verrät. Weltliche Stationen der Suchenden sind neben einem Kloster und einer Kadettenschule auch der Opernball in Chemnitz. Hier trifft der Zuschauer auf bekannte Gesichter: Vertreten sind Opern-Intendant Christoph Dittrich sowie die Tanzschulleiter Jürgen Schimmel und Tilo Kühl-Schimmel - gespielt von eben jenen.

Er habe über die Idee kurz nachdenken müssen, sagt Dittrich. Dem Apparat, den er eigentlich leite, für eine Weile auch wieder anzugehören, sei aber zu verlockend gewesen, sagt der Intendant, der selbst Gesang studiert hat. Außerdem treffe man dadurch das Gefühl des Stückes: Es sei eine Parodie, die unterhalten, aber auch zum Nachdenken anregen solle.

Die Zustände der Gegenwart in ihrer Schärfe wiederzugeben sei der Anspruch, den es zu erfüllen gelte, sagt Regie-Chef Horstkotte. Das beinhalte zwar, die Besucher mit einem Ohrwurm nach Hause gehen zu lassen - aber eben auch mit zusätzlichen Gedanken. In der Operette wünschen sich die beiden Hauptdarsteller in ihre eigenen Welten zurück, weil die Erde "höllischer als die Hölle" sei, so der szenische Leiter weiter. "Wenn wir nicht aufpassen, ist die Hölle bald bei uns, das gilt vielleicht auch gerade in Chemnitz", mahnt er.

Den dritten Akt an das Chemnitzer Stadtbild anzupassen, sei zwar ursprünglich nicht geplant gewesen, erzählt Text-Chef Kuchinka, der auch den Ruprecht spielt. Es habe sich aber angeboten, die Wiener Operngesellschaft der Urfassung mit lokalen Kulturexperten auszutauschen, um das Publikum vor Ort anzusprechen, erklärt er.

Darüber freut sich Tanzschulleiter Jürgen Schimmel. "Ich bin froh, dass ich sächseln darf, anstatt mir einen österreichischen Akzent zuzulegen", sagt er. "Das hätte sich sonst furchtbar angehört und die Leute hätten sich gewundert."

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