Warum Türchen im Advent mit der Kettensäge geöffnet werden

Der wohl ungewöhnlichste Kalender ist derzeit im "Kriebelland" an der Talsperre zu finden. Zwei Frauen geben hier täglich Einblick in ihre Arbeit als Holzbildhauerinnen.

Kriebstein.

Genau 24 verschiedene Holzfiguren oder gestalterische Elemente in 24 Tagen. Das ist der Plan den Nicole Gruber und Elisabeth Gumpp zusammen mit Steffen Mäding in dessen Baumhaushotel "Kriebelland" an der Talsperre Kriebstein unweit des Hafens verfolgen. Im Internet wird der Arbeitsstand täglich als Blog veröffentlicht, ganz klassisch gesehen ist es ein Adventskalender, der aber jeden Tag neu befüllt werden muss.

Die ersten Ergebnisse können sich wirklich sehen lassen. Es sind vor allem die "Wächter des Kriebellandes", die auf dem überdachten Arbeitsplatz schon jetzt auffallen. Bislang sind es drei grimmig dreinschauende Figuren, den Monumenten auf der Osterinsel nicht unähnlich. "Später sollen die Köpfe noch einen Hut aus Metall bekommen", verrät Mäding. Schon fertig sind zahlreiche Pilzhüte, die später mal den im Bau befindlichen Märchenwald im Areal an der Talsperre zieren sollen. Und es gibt noch etliche Stalaktiten, also jene Tropfsteine in Höhlen, die von der Decke hängen. "Bei uns ist eben alles ein bisschen verrückt", sagt Mäding.

Das hat sich aber deutschlandweit wohl schon herumgesprochen, denn Nicole Gruber ist durch Internetrecherchen auf das Baumhaushotel aufmerksam geworden. Zuletzt hatte sie einige Zeit als Holzgestalterin in einem Freizeitpark in Norddeutschland gearbeitet, ist aber schon einige Zeit selbstständig tätig. Die 29-Jährige kommt aus Oberammergau und zieht demnächst nach Augsburg. Dort wohnt bereits Elisabeth Gumpp, 25 Jahre jung und nun auch mit der Lehre fertig. Beide haben ihre Ausbildung zu Holzbildhauern auf der Schule in Berchtesgaden gemacht. Insgesamt 40 Schüler gibt es dort aktuell in drei Klassen. Fünf dieser Ausbildungsstätten, auch für Schreiber und Schnitzer, sind es in Bayern insgesamt.

"Nach dem ersten Kontakt per Mail hat Nicole hier mal vorbeigeschaut und schnell war klar, dass die Chemie stimmt", erläutert Mäding den Beginn der Zusammenarbeit. So einigte man sich auf die Aktion zum Jahresende, die nun bis Heiligabend den Dezember bestimmt. "Für mich geht es hier auch darum, schon etwas Berufserfahrung zu sammeln", so Elisabeth Gumpp. "Vielleicht geht es später für mich mal in Richtung Spielplatzgestaltung."

Den Weg zu ihrem Beruf erklären beide damit, einfach "Lust auf Holz" zu haben. Nicoles Großvater war zudem als Schreiner tätig. Und um den Beruf weiter gern auszuüben, müsse laut Elisabeth "auch schon ein bisschen Michel dabei sein." Gemeint ist Astrid Lindgrens "Michel aus Lönneberga", der immer dann zu seinem Schnitzmesser griff, wenn er etwas angestellt hatte und eigentlich bestraft werden sollte. Derzeit haben die beiden Frauen viel Freude daran, das "Kriebelland" zu verschönern. Gleichwohl sei ihre Arbeit an dem Projekt anstrengend.

"Advent, Advent. Die Kettensäge brennt", ist zum Beispiel in einem Blog-Eintrag im Internet zu lesen. Die Bilder finden sich im Netzwerk Facebook mit dem Suchwort "#Kriebelland". Was sie jedoch für die harte Arbeit entschädigt, ist ihre traumhafte Unterkunft in romantischer und derzeit sehr ruhiger Umgebung. Sie übernachten und wohnen natürlich im Baumhaushotel. Weihnachten wollen sie dann aber wieder zuhause verbringen. www.kriebelland.de

www.nicole-gruber.de

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