Warum viele Sachsen bei der Bundeswehr in Bayern dienen

Über 60 Studiengänge und mehr als 40 Ausbildungsberufe machen die Bundeswehr zu einem attraktiven Arbeitgeber. Doch in der Region hat die Truppe ein Problem.

Frankenberg.

Rund 200 Schüler aus der Region statten in diesen Tagen der Wettiner-Kaserne in Frankenberg einen Besuch ab. Die Panzergrenadierbrigade 37 nimmt an der Woche der offenen Unternehmen teil. Dort, wo Ausbildung und Einsätze von 5200 Soldaten in Sachsen und Thüringen geplant werden, schaut sich der Nachwuchs an, welche Laufbahnen bei Streitkräften und Wehrverwaltung möglich sind. Denn: Man kann seinem Land mit Uniform und Auslandseinsatz, aber auch ohne Waffe dienen.

"Wir brauchen fast alle Berufe", erklärt Major Michael-Lutz Hentschel, Leiter des Karriereberatungsbüros der Bundeswehr in Chemnitz. Immerhin soll die Zahl der aktiven Soldaten von derzeit 180.000 auf 203.000 im Jahr 2025 wachsen. Bis zu 85.000 Mitarbeiter in zivil zählt die Truppe darüber hinaus. Die Acht- und Neuntklässler aus der Region hören gespannt zu, während der Karriereberater Lebensperspektiven aufzeigt. Die reichen von Laufbahnen bei der Luftwaffe über die Bundeswehr-Feuerwehr bis hin zum geförderten Spitzensportler.

"Nachgefragt wird weniger die Vergütung", sagt Hentschel. "Die jungen Leute interessieren sich vielmehr für Ausbildung, Studium und eine möglichst heimatnahe Stationierung." Dies ist zugleich die Achillesferse der Truppe in der Region: "Während es in Bayern circa 31.000 Dienstposten gibt, haben wir in Sachsen nur 3600", bedauert Hentschel. Die Folge: Viele Sachsen dienten in Bayern. "Das ist eines unserer größten Probleme. Da muss die Politik nachbessern", so der Major.

Denn viele junge Leute haben die Bundeswehr als attraktiven Arbeitgeber entdeckt. "Wir konnten uns bei dieser Schulveranstaltung aussuchen, wohin wir wollen", sagt Marek aus Leipzig. "Ich habe die Bundeswehr gewählt, weil mich die Fahrzeuge interessieren", so der Achtklässler. "Ich könnte mir durchaus vorstellen, zu den Panzern oder zu den Grenadieren zu gehen." Eine Einstellung, über die sich Sebastian Grünberg freut. "Wir brauchen natürlich Nachwuchs in Uniform", sagt der für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit ständige Hauptmann. "Darum beteiligen wir uns auch an der Woche der offenen Unternehmen." Von der Veranstaltung ist auch Sanny aus Chemnitz angetan. "Ich kann mir eine Teilnahme an der Grundausbildung durchaus vorstellen", sagt der Neuntklässler. "Vielleicht gehe ich zur Marine."

Bis das soweit ist, erklärt Michael Müller, was rund um die Feuerstelle in einem Lager zu beachten ist, damit ein Feind nicht den Rauch und damit die Soldaten aufklären kann. "Die Schüler fragen vor allem nach der körperlichen Belastung", erzählt der Oberfeldwebel. Was der Soldat mit sich herumtragen muss, erklärt Oberstabsgefreiter Daniel Schulze. Da kommen mit Munition schon mal 30 bis 40 Kilo zusammen.

Dass man auch nach elf Jahren seine Tätigkeit bei der Bundeswehr nicht als Job, sondern als Berufung ansehen kann, das erfahren die Schüler bei den Stabsunteroffizieren Jan Lorenz und Kevin Trommer. Sie sind die Besatzung eines gepanzerten Rettungswagens "Boxer". "Wir sind fachlich sehr breit aufgestellt", sagt Lorenz. "Das reicht weit über den Rettungssanitäter hinaus."

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