Warum zwei Chemnitzer Wirte nun in Frankenberg Bier zapfen

Mein Frankenberg: Das Ehepaar Manuela und Heiko Schack suchte und fand in Frankenberg den richtigen Standort für eine Eckkneipe. Inzwischen ist zur "Jukebox" noch ein Biergarten gekommen.

Frankenberg.

Es war Liebe auf den ersten Blick. Als sich Manuela und Heiko Schack den einstigen "Konsum" und die spätere "Sachsenstube" in der Altenhainer Straße anschauten, war ihnen sofort klar, dass ihre Suche ein Ende hatte. Sie mussten sich zwar die verschimmelten Wände wegdenken. Doch ihre Fantasie und ihre in Chemnitz gewonnene Erfahrung im Gastgewerbe waren groß genug, sich die heutige "Jukebox" vorzustellen. Eine Kernsanierung und ein erstes Halbjahr Öffnungszeit später wissen sie: Ihre Entscheidung für Frankenberg war richtig.

"Wir haben es bis heute nicht bereut", sagt Manuela Schack. Die 38-Jährige ist Frankenbergerin. Ihr familiäres Umfeld sorgte dafür, dass sich die Bürokauffrau und ihr Mann erst gar nicht für eine andere Stadt interessierten. Vater Freimuth Reichel suchte in Frankenberg nach geeigneten Immobilien und fand schließlich auch das leerstehende Ecklokal. Mutter Annerose dirigiert bis heute die Hausgeister, die das Schlachtfeld nach einem ausgelassenen Kneipenabend beräumen.

Zudem haben die beiden Pächter ein Netz aus Freunden und Beratern gespannt, die Budget, Angebote und das Livemusikprogramm optimieren. "Dazu gehört zum Beispiel Urgestein Bodo Martin, der für uns Künstler bucht", erzählt Heiko Schack. Der 42-Jährige hat Forstwirt gelernt, ist aber schon länger in der Unterhaltungsgastronomie tätig.

Aus Chemnitz nach Frankenberg kamen die beiden einstigen Gastro-Betriebsleiter auf der Suche nach etwas Kleinerem. "Die Leute hier sind viel entspannter. Es geht familiärer zu", haben sie festgestellt. Das gegenseitige Vertrauen sei größer. In der "Jukebox" werde mit Zettel pro Tisch abgerechnet. Wer genug für den Abend hat, der geht zum Tresen und zahlt dort seine Zeche. "Das ist in Chemnitz undenkbar", sagt das Ehepaar. Die Leute wären einfach weg, ohne zu zahlen. In der Großstadt würden sich die Gäste auch mehr verteilen. In Frankenberg dagegen fänden die Lokaltermine regelmäßiger statt. "Wir sind eben die klassische Eckkneipe." Und so kehrten auch zunehmend ältere Bürger in der Altenhainer Straße ein, gingen nach Jahren abends wieder aus, fänden Gesellschaft und erzählten von den zwei, drei Dutzend Kneipen, die es früher in der Stadt gab. Am Ende blieben sie sitzen wie im heimischen Wohnzimmer. Zu einer florierenden Stadt gehörten eben auch lebendige Lokale. Die wüssten alle zu schätzen. Egal, ob die Gäste nun 18 oder 80 sind.

An ihrem Konzept feilen die Schacks ständig weiter. "Der Weg entsteht beim Gehen", sagen sie. So konnten sie zum Beispiel nicht ahnen, dass die von Anfang an angebotenen Burger derart gut einschlagen würden. "Aber wer ein, zwei Bier getrunken hat, der bekommt Appetit", weiß Heiko Schack. Da kann es bei einem vollem Haus schon einmal passieren, dass das Essen nicht unverzüglich auf dem Tisch steht. Helfen soll daher eine erste Vollzeitkraft, die ab Dezember in der "Jukebox" angestellt ist.

Zweites Standbein der Familie ist seit dem Sommer der Freisitz an der Zschopau. Den haben die Schacks im Einklang mit dem neuen Pächter der benachbarten, noch geschlossenen Gaststätte "Fischerschänke" wiederbelebt. Die Freiluftsaison ist jetzt eigentlich zu Ende. Doch an sonnigen Wochenenden im Oktober will sich Heiko Schack auf seine Erfahrungen mit dem Räuchern von Fisch besinnen, vor Ort den Ofen anwerfen und Leckereien zum Bier anbieten. "Wohin könnte das besser passen als zur Zschopau?", fragt er.

Die Stadt unterstützte von Anfang an die Bemühungen ihrer Neuzugänge. "Es wird alles geregelt", sagen die Gastronomen. Das betrifft auch die Kultur, was die Schacks vor allem dem unermüdlichen Lutz Raschke, Geschäftsführer der städtischen Veranstaltungs- und Kultur GmbH, zuschreiben. "In Frankenberg geht was", sagen die beiden. "Die Stadt hat einen unverwechselbaren, eigenen Weg gefunden, um aus der Delle nach dem Ende des Fahrzeugbaus herauszukommen", sagt Bodo Martin. Dazu gehöre auch die Neuansiedelung von Industriebetrieben und Logistik, zum Beispiel im Gewerbegebiet in Dittersbach.

Damit auch die dortigen Angestellten nicht durstig nach Hause gehen müssen, investieren die Schacks: Im nächsten Jahr wird nicht nur der Freisitz an der "Fischerschänke" wiedereröffnet, sondern auch ein neuer an der "Jukebox". Die Liebe der Familie zu Frankenberg scheint also anzuhalten.

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