Was Künstler in der Corona-Krise machen

Marionettenspieler Camillo Fischer lässt im Internet die Puppen tanzen. Musiker Jörg Kokott verschiebt seine Konzerte. Camo-Chef Pier Giorgio Furlan schreibt ein Theaterstück. Was die drei eint, ist ihr Optimismus - auch wenn derzeit Einnahmen fehlen.

Frankenberg/Hainichen/Kriebstein.

Die Marionetten in der Frankenberger Holzoper halten Winterschlaf. In Stoffsäckchen gebettet hängen sie hinter der Bühne und warten auf den nächsten Auftritt. Geht es nach Puppenspieler und Theaterchef Camillo Fischer, könnte es bald soweit sein - auch ohne Publikum im Saal. Denn seit dieser Woche hat die Holzoper einen eigenen Youtube-Kanal, zwei Videos sind schon online. In einem führt Fischer die Zuschauer hinter die Kulissen. "Ich habe mich jetzt entschlossen, mich den modernen Zeiten langsam anzupassen", erklärt er. Und weckt Hoffnungen darauf, dass es demnächst ein ganzes Bühnenstück auf dem Kanal geben könnte.

Zunächst muss sich Fischer allerdings mit dem für ihn neuen Medium vertraut machen. "Das ist schwierig für mich, weil ich ein ziemlich analoger Mensch bin, und bisher keine Erfahrungen damit hatte", erklärt er. Glücklicherweise habe er gute Freunde, die sich besser mit der digitalen Technik auskennen, und ihm mit Ratschlägen zur Seite stehen. Die Corona-Krise begreife er auch als Chance, sagt Fischer. Vor finanziellen Einbußen sorge er sich nicht - als freischaffender Künstler lerne man ohnehin, mit wenig auszukommen.

Ambitionen, seine Kunst ins Internet zu verlagern, hegt der Hainichener Musiker Jörg "Ko" Kokott nicht: Um online ein Konzert zu übertragen, fehlten ihm die nötigen technischen Fähigkeiten. Live-Musik für die Nachbarschaft wolle er ebenfalls nicht machen. "Ich bestehe zuhause auf meine Ruhe und gönne sie auch meinen Nachbarn", sagt er. Hauptsächlich sei er derzeit damit befasst, Konzertabsagen zu verwalten. Rund 30 Auftritte hätten bis Mitte Mai noch angestanden, erklärt der Sänger und Gitarrist. Finanzielle Sorgen mache er sich dennoch nur bedingt. "Anders als beispielsweise meine Lieblingsbuchhandlung, habe ich ja keine Ladenmiete zu bezahlen." Auch habe er in diesem Jahr mit 35 gespielten Konzerten bereits gut vorgearbeitet.

Kokott versucht nun, für viele der abgesagten Konzerte noch Ausweichtermine zu finden. Von Juli bis September habe er eigentlich eine Auszeit nehmen wollen, um an neuem Material zu arbeiten. Ob das noch klappt, weiß er nicht. Trotz allem sei er optimistisch. "Ich halte telefonischen Kontakt zu vielen Leuten, außerdem gehe ich oft im Striegistal laufen", sagt er.

Pier Giorgio Furlan, künstlerischer Leiter des Förderkreises Centro Arte Monte Onore (Camo), ist derzeit allein mit seinem Hund auf dem weitläufigen Grundstück des Ritterguts Ehrenberg. Das Kulturzentrum ist noch mindestens bis zum 8. April geschlossen. Die Mitarbeiter des Vereins arbeiten von zuhause aus. "Ich finde diese Maßnahmen sehr vernünftig", sagt der gebürtige Venezianer. Er glaubt, dass sich eine Katastrophe wie in seinem Heimatland so vermeiden lässt. Auch Furlan blickt optimistisch in die Zukunft, nicht nur, weil es seinen Verwandten und Freunden in Italien trotz allem gut gehe. Die Arbeiten am neuen Theaterstück des Camo, das im kommenden Jahr von Menschen mit und ohne Behinderungen uraufgeführt werden soll, gehen weiter - wenn auch langsamer. "Ich schreibe gerade das Textbuch, die anderen arbeiten zuhause an Kostümen, Masken, Skizzen und Entwürfen", berichtet er. Sorgen um den Fortbestand des Kulturzentrums habe er nicht. "Wir haben das Glück, dass wir unter anderem mit öffentlichen Geldern arbeiten", erklärt er.

Mindestens bis zum 20. April geschlossen ist auch das Refugium Ehrenberg. Workshops und Kurse fallen aus. Wann die Saison für den Skulpturengarten beginnt, sei derzeit nicht planbar. "Kulturschaffende haben es in diesen Zeiten schwer", schreiben die dort arbeitenden Kreativen auf ihrer Internetseite.


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