Was Mittweida mit der Mondlandung zu tun hat

Absolventen der hiesigen Hochschule hatten Anteil daran, dass vor 50 Jahren ein US-Astronaut als erster Mensch den Erdtrabanten betreten konnte. Bis heute erinnert ein 1,5 Tonnen schweres Raketenteil an diese Leistung.

Mittweida.

Für US-Astronaut Neil Armstrong war es "ein kleiner Schritt für einen Menschen, aber ein großer Sprung für die Menschheit". Für den damals 15-jährigen Mittweidaer Tasillo Römisch war die erste bemannte Mondlandung am 21. Juli 1969 der Beginn seiner Leidenschaft für alles, was mit der Raumfahrt zu tun hat. Das Ereignis beschäftigt den Inhaber des Mittweidaer Raumfahrtmuseums bis heute.

Wenn Römisch am Sonntag in einer Woche beim ZDF-Fernsehgarten anlässlich des Jahrestages der Mondlandung als Weltraumexperte interviewt wird, dann will er nicht verheimlichen, dass er aus Mittweida kommt - auch wenn die Stadt auf den ersten Blick nichts mit dem legendären Ereignis vor 50 Jahren verbindet. Doch genau an dem Punkt widerspricht Römisch.


Immerhin hätten nach seiner Kenntnis mehrere Absolventen der hiesigen Hochschule später an der Entwicklung der Raketen gearbeitet, die die US-Astronauten zum Mond brachten. Dazu zählt nach Recherchen Römischs der deutsch-schweizerische Raketentechniker Hans Hüter, der nach Auskunft des Hochschularchivs von 1925 bis 1927 am Technikum Mittweida studierte und da auch einen Abschluss als Maschinen-Ingenieur erhielt. Hüter habe in Deutschland an der Entwicklung von Flüssigkeitsraketentriebwerken gearbeitet und während des Zweiten Weltkriegs in Peenemünde zur Gruppe von Wissenschaftlern um den bekannten Raketenforscher Wernher von Braun gehört. Unter dessen Leitung habe Hüter nach Kriegsende in den USA auch an der Mondrakete Saturn V gearbeitet.

In einem Atemzug mit Wernher von Brauns Leistung bei der Entwicklung von Flüssigkeitsraketen, die den Traum von der Mondlandung erst ermöglichten, wird auch der 2005 verstorbene Gerhard Reisig genannt, der heute noch auf der Liste der Ehrensenatoren der Hochschule Mittweida steht.

Ein Besuch von Museumsinhaber Römisch und dem damaligen Hochschul-Kanzler Professor Lothar Otto bei den Konstrukteuren der Mondraketen führten schließlich dazu, dass 1995 ein Teil des Triebwerks der Saturn-V-Rakete nach Mittweida kam, so Römisch. "In Vorbereitung einer Konferenz für Raumfahrt in Mittweida hatten wir den damaligen Chef des US Space and Rocket Centers um diese Leihgabe gebeten und erhielten eine Zusage", erinnert sich Römisch. Im August 1995 kam das 1,5 Tonnen schwere Triebwerk nach dem Flug in Berlin und per Transport mit einem Tieflader in Mittweida an und wurde im Foyer der Hochschul-Mensa aufgestellt. "Weil es nicht durch die Tür passte, wurde die alte herausgerissen und eine neue eingebaut", so der Museumsinhaber.

In dessen Sammlung befindet sich zwar kein Stück so gewaltigen Ausmaßes. Doch der Mittweidaer hat ein weiteres interessantes und authentisches Erinnerungsstück an die Mond-Missionen der US-Astronauten: Mondstaub. Nur wenige Milligramm davon stellt Römisch derzeit neben rund 200 Exponate in seiner Sonderausstellung unter dem Titel "Wettlauf zum Mond" im Historisch-Technischen Museum Peenemünde aus. Der Mondstaub wird nach Ausstellungsende Anfang September nach Mittweida zurückkehren und die Stadt weiter mit der Mondlandung verbinden.

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