Was sich Frankenberger Soldaten von der Ministerin wünschen

Die Grenadiere aus Frankenberg sollen 2023 im Krisenfall innerhalb von sieben Tagen einsatzbereit sein. Die Vorbereitung hat längst begonnen. Doch es fehlt noch an vielem.

Frankenberg.

Der Transporthubschrauber vom Typ CH-53 mit Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) an Bord setzt etwas verspätet auf einem Platz in der Wettiner-Kaserne auf. Staub wirbelt durch die Luft, Kameras surren: Es ist ihr Antrittsbesuch beim Heer - und der führt sie nicht zufällig zur Frankenberger Panzergrenadierbrigade 37 "Freistaat Sachsen". Dieser Verband soll 2023 zur "Speerspitze" der Nato gehören und den Kern der Landbrigade in Bereitschaft im Rahmen der "Very High Readiness Joint Task Force" (VJTF) stellen. Das ist eine schnelle Eingreiftruppe aus Streitkräften der Nato-Mitgliedsstaaten. Ihr Auftrag ist es, auf Bedrohungen der Integrität und Souveränität der 28 Nato-Mitgliedsstaaten zu reagieren. Besonderes Merkmal ist die Fähigkeit, innerhalb von sieben Tagen überall eingesetzt werden zu können.

Die Vorbereitungen dafür laufen in Frankenberg auf Hochtouren. Denn schon ab 2022 soll die Frankenberger Brigade im Krisenfall innerhalb von 30 Tagen verfügbar sein.


In diesem Jahr ist die Panzerlehrbrigade aus Munster (Niedersachsen) die Kerntruppe für den VJTF-Einsatz. Für das Manöver "Trident Juncture 2018" zum Beispiel musste sie das Material aber noch in der gesamten Bundeswehr zusammensuchen und ausleihen. Frankenberg soll nun der Anker der Modernisierung im Heer werden.

"Wir wollen bis 2023 die erste voll ausgestattete Brigade des Heeres sein". erklärt Oberstleutnant Thomas Kolatzki. "Zwei Panzergrenadierverbände benötigen zum Beispiel 40 Schützenpanzer, die ständig einsatzbereit sein müssen. Wir werten gerade aus, was wir alles brauchen, um unseren Auftrag künftig erfüllen zu können."

Ganz oben auf der Prioritätenliste der Panzergrenadierbrigade 37 steht dabei neben der persönlichen Ausrüstung der Soldaten auch ein neues Battle-Management-System. Damit lassen sich Daten zur Gefechtslage in einem eigenen Netz in einem Verband digital austauschen. "Aber schon vor 2023 müssen mit dieser Technik 3700 Gefechtsfahrzeuge des gesamten Heeres ausgestattet werden, damit wir die Soldaten vorher noch dafür ausbilden können", sagt Kolatzki. 2700 weitere Geräte würden zudem für die Gefechtsstände benötigt. Bis 2031 müsse dann das gesamte Heer damit ausgestattet werden.

Der Stab der Panzergrenadierbrigade 37 hat seinen Sitz in Frankenberg. Von dort führt er sieben Bataillone in Sachsen und Thüringen mit rund 5200 Soldaten. In Frankenberg sind derzeit rund 1100 stationiert, in Marienberg sind es um die 400. Soldaten der Brigade sind rund um den Globus im Einsatz. Marienberger Grenadiere werden zum Beispiel von Februar bis August 2020 in Litauen ihren Dienst verrichten.

Sie sei tief beeindruckt von der Leistung und Einsatzbereitschaft der Soldaten, sagt Annegret Kramp-Karrenbauer nach dem Rundgang durch die Frankenberger Kaserne, bei dem sie sich auch über die Fähigkeiten der Sanitätsstaffel "Einsatz" informiert hat. "Wir nehmen unsere Verpflichtungen, die wir gegenüber unseren Partnern eingegangen sind, ernst. Wir wollen, dass unsere Soldaten das Material haben, das sie brauchen - möglichst ohne Leihschein." Deshalb müssten die deutschen Militärausgaben bis 2024 auf 1,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts gesteigert werden.

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