Wege in die Zukunft und Erinnerung an die Vergangenheit

Wahlen 2019: Dritte Etappe der Wahlwanderung: Von Mittweida über Sachsenburg nach Frankenberg und Braunsdorf engagieren sich Menschen für ihre Region. Manche bekommen die Unterstützung, die sie brauchen, andere hoffen noch darauf.

Mittweida/Frankenberg.

Als ich am Montag Mittweida erreiche, könnte der Kontrast zu den Dörfern zuvor nicht größer sein: Da ist Leben auf der Straße, Kinder warten auf den Bus. Am Tzschirnerplatz lese ich an einem Buswartehäuschen: "Wozu die Eile? Woher des Weges? Wohin die Wünsche? Wo stehst du?" Das sind genau die Fragen, die hinter meiner Wahlwanderung durch Mittelsachsen stehen. Die dritte Etappe führte mich am Dienstag von der Hochschulstadt nach Braunsdorf.

Zuvor hatte ich am Abend noch ein Treffen mit dem Studentenrat. Gina Louise Pink und Kurt Sauer hatten gerade den ersten Drehtag für ihr Video zur Europawahl hinter sich. Dafür filmen sie Menschen, die oft persönliche Gründe haben, warum ihnen die EU am Herzen liegt. "Mir war es wichtig, unsere Generation aufzuklären, wie wichtig Wählen ist - gerade in dieser Umbruchszeit", erklärt Pink. Ergänzt werden die Videos, die auf den Youtube-Kanälen der Hochschule veröffentlicht werden, mit Infoständen in der Woche vor der Wahl.

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Aber auch die Kommunalwahl sei wichtig, betonen sie. Wie sie haben einige Studenten nur einen Nebenwohnsitz in Mittweida, manche pendeln. "Aber dann kriegt man weniger vom Mittweida-Gefühl mit", sagt Sauer und lobt die kurzen Wege und den Zusammenhalt. Was der Kleinstadt an Kultur fehle, mache man eben selbst. Trotzdem wünschen sie sich mehr Bars. Stura-Mitglied Philipp Hinkeldey ergänzt: "Schade ist auch, dass das Stadtfest in den Semesterferien stattfindet."

Mit Alexander Maack und Helmut Hammer aus der Pressestelle schlendere ich am nächsten Morgen über den Campus zum neuesten, erst 2018 eingeweihten Gebäude. Sie erzählen mir von der Wirkung, die die Hochschule auf die Stadt und die Region hat: Mittelsachsen brauche Nachwuchs, Maschinenbaufirmen und Automobilhersteller Mitarbeiter - beides bringe die Uni hervor. Rund 2200 junge Leute kommen jedes Wintersemester. Manche landen in den Vorlesungen von Professor Michael Kuhl. Die Herausforderung in den Ingenieurswissenschaften laute Industrie 4.0 - also E-Mobilität, selbstfahrende Autos, Kommunikation mit Maschinen. "Wenn sie Umweltzerstörung reduzieren wollen, lernen sie hier, wie man das macht", so der Ingenieur. Im Gegenzug wisse Mittweida, was es an der Uni hat - etwa hätte das Medienzentrum nicht campusnah gebaut werden können, hätte die Stadt nicht mit einem Grundstückstausch geholfen. Maack ist nach zehn Jahren aus München zurückgekehrt. "Weder Wohnungsmarkt noch Parkplatzsuche sind hier problematisch", sagt er. Wünsche an die Stadt fallen ihm keine ein.

Als ich Mittweida verlasse, habe ich einen Wunsch: einen Weg nach Schönborn-Dreiwerden statt dem Straßenrand. Dort treffe ich Thomas Schröder, der gerade von der Erzbahn kommt. Am Ostermontag fährt sie wieder, sagt er. Auf der historischen Strecke haben früher Pferde die Loren gezogen. Dass sie vor 18 Jahren wiederbelebt werden konnte, sei auch der Gemeinde Rossau zu verdanken: "Sie ist eine große Stütze."

Haben mir die Mittweidaer gerade von der Zukunft erzählt, tauchen wir im Zschopautal in die Vergangenheit ein. Bis Sachsenburg begleiten uns Stollneingänge. Dann taucht neben uns eine alte Fabrik auf, die weit mehr als das war: das ehemalige KZ in Sachsenburg. 2019 soll es viele öffentliche Führungen geben, sagt Anna Schüller über die Pläne des Vereins Geschichtswerkstatt Sachsenburg. "Außerdem unterstützen wir den Antrag der Stadt Frankenberg auf Gedenkstättenförderung." Dazu hoffen sie ihrerseits auf Unterstützung: "Wir wollen wissen, wie sich die Bürger die Gedenkstätte vorstellen", sagt sie. Dazu könne man in den Verein eintreten. "Es wäre aber auch schön, wenn der neue Stadtrat die Initiative ergreift und zu Gesprächsforen einlädt."

In der Stadt ist es laut, nicht nur wegen des Verkehrs. Überall wird an Wegen, Spiel- und Parkplätzen für die Landesgartenschau gebaut, die in zehn Tagen öffnet. Manche Einwohner sind skeptisch, erzählt mir eine Verkäuferin in einer Bäckerei. "Dass manch Spielplatz eingezäunt wird und ich mit meinem Kind nicht ohne Ticket hinkomme, ist frech", sagt sie. Dass viele Ecken ausgebessert werden, freut sie. Aber nachhaltig soll es sein. An den neuen Stadtrat hat sie einen klaren Wunsch: Haltet eure Versprechen. Elternbeiträge etwa wurden trotz Versprechen erhöht. "Dabei sind Kinder die Zukunft der Stadt", so die junge Frau. Am Ortsausgang treffe ich zwei Radfahrfans, die auch einen Wunsch haben, aber das ist eine Geschichte für morgen.

Telefonisch erreichen Sie Laura Kaiser unter der Nummer 0151 14817299. Die Tour können Sie unter www.facebook.com/stockundstein2 verfolgen.

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