Wegen höherer Gema-Gebühren: Bürgermeister sagt Badfest ab

In der Hainichener Freizeitoase wird es in diesem Sommer keine große Fete geben. Die Verwaltung begründet das mit den gestiegenen Forderungen für das Abspielen von Musik. Eine Lösung für das nächste Jahr scheint aber möglich.

Hainichen.

Das Badfest in Hainichen fällt dieses Jahr aus. Das hat Bürgermeister Dieter Greysinger (SPD) vor dem Stadtrat erklärt und mit der enormen Kostensteigerung bei der Musikverwertungsgesellschaft Gema begründet. Die Stadträte mussten darüber nicht abstimmen, signalisierten aber, mit der Entscheidung leben zu können.

Monika Bauer (CDU) warf dem Bürgermeister jedoch Populismus vor. Greysinger wies das von sich und begründete die Absage nicht allein mit den Gebühren für das Abspielen von Musik. "Ich halte es persönlich nicht für angemessen, dass wir für die Gema an diesem Tag deutlich mehr Geld bezahlen müssen, als wir für sämtliche ehrenamtlichen Helfer insgesamt ausgeben", erklärte Greysinger.


Seit vielen Jahren stehe das Hainichener Badfest fest im Veranstaltungskalender der Stadt und sei auch beliebt. "Ohne Musik ist ein solches Badfest aber nicht interessant", sagte Greysinger. "Wir verlangen am Tag der Veranstaltung auch keinen Zusatzeintritt." Bis 2017 sei man immer mit Gebühren für die Gema von rund 127 Euro zurechtgekommen. "Im Vorjahr sollten wir dann den Betrag von 492,57 Euro zahlen", erläuterte der Bürgermeister. "Nach Verhandlungen wurde die Summe auf 314,47 Euro reduziert." Doch für dieses Jahr gab keine vergleichbare Einigung.

Die Gema-Generaldirektion in München hat die von Greysinger genannten Zahlen bestätigt, Verhandlungen in dem Sinne habe es aber keine gegeben. "Die Reduzierung 2018 ergab sich, als wir erfuhren, dass nur der normale Schwimmbadeintritt genommen wird", erläuterte die Fachreferentin Gaby Schilcher auf Anfrage der "Freien Presse". Ganz ohne Gebühren gehe es nicht. "Es sei denn, man spielt nur Mozart und Beethoven", sagte die Fachreferentin. "Bei so einer Party wird nun mal urheberrechtlich geschützte Musik gespielt. Wir wollen niemanden ärgern. Uns gibt es aber nun mal, damit die kreativen Köpfe leben können. An uns soll so ein Fest jedenfalls nicht scheitern."

Deshalb hatte die Gema-Referentin auf Nachfrage der "Freien Presse" nun doch noch eine Lösung anzubieten, die auch für andere Veranstalter gelten könnte. "Es gibt einen neuen Tarif für Stadtfeste, der wesentlich günstiger ist", erklärte Gaby Schilcher. "Der gilt für alle Veranstaltungen im Freien." Demnach müsste Hainichen laut der Fachreferentin für das Badfest nur noch 242,78 Euro zahlen. Mit diesem Betrag könnte Greysinger zwar leben. Doch für dieses Jahr komme die Offerte der Gema zu spät, um die Absage des Badfestes wieder zurückzunehmen. "Was mich weiterhin ärgert, sind nicht nur die hohen, sondern vor allem die verwirrenden Kosten. Vielleicht gibt es einen ähnlichen Aufschrei auch anderswo, und die Gema ändert ihre Preispolitik. Dann können wir auch gern wieder ein Badfest feiern", so der Bürgermeister.

Während in Hainichen das Fest nicht stattfindet, wird in Mittweida am Freitag das Badfest gefeiert. Gema-Gebühren sind aber auch für Frank Schleußing vom Sport- und Kulturbetrieb der Stadt ein Thema: "Es wird grundsätzlich immer teurer, überall wo Musik gespielt wird. Beim Altstadtfest sind unsere Gebühren von 3000 auf 9000 Euro gestiegen, sogar für unser Neujahrskonzert mit klassischer Musik zahlen wir schon rund 1000 Euro."

Hainichens Schwimmmeister Rick Seifert hat bislang noch keine Anfragen von Badegästen wegen der Badfest-Absage bekommen. "Was nachgefragt wird, sind Tanzveranstaltungen am Abend. So was müsste je nach Wetter kurzfristig machbar sein." Laut Gema sei das möglich, wenn man knapp 250 Euro Gebühr bezahlt.

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