Weitere Schritte hin zur Gedenkstätte

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Das Konzept zur Gestaltung des früheren KZ Sachsenburg soll im Sommer eingereicht werden. Unterdessen hat ein Dialogforum zum Thema seine Onlinepremiere erlebt.

Sachsenburg.

Die Jurysitzung im Gestaltungswettbewerb zur "Kommandantenvilla" auf dem Gelände des früheren KZ Sachsenburg soll am Dienstag und Mittwoch dieser Woche stattfinden. Darüber hat am Samstag Dr. Mykola Borovyk, wissenschaftlicher Projektmitarbeiter der Stadt Frankenberg, zum Sachsenburger Dialog informiert. Der Historiker skizzierte zugleich den weiteren angedachten Weg des Ortes zur Gedenkstätte. Borovyk bereitet im Auftrag der Stadt den Antrag für die Gedenkstätte vor.

Der Sachsenburger Dialog als Veranstaltung des Austauschs, der Information und des Gedenkens findet anlässlich des ersten Lagerappells Anfang Juni 1933 seit 2009 jährlich statt, organisiert von der Lagerarbeitsgemeinschaft KZ Sachsenburg und dem Verein Geschichtswerkstatt Sachsenburg. Aufgrund der Pandemie gab es für den Dialog eine Premiere als Onlineforum.

Von 1933 bis 1937 wurden im KZ Sachsenburg etwa 10.000 Gefangene inhaftiert. Es gilt als ein Vorläufer späterer Lager wie Buchenwald und Sachsenhausen. Historiker Borovyk sprach während seines Onlinevortrags von einer "Scharnierfunktion" und daraus folgender überregionaler Bedeutung des Lagers. Seit Jahren ist die Errichtung einer Gedenkstätte geplant. Teil der Gedenkstätte soll der Umgang mit der baufälligen sogenannten Kommandantenvilla sein. Im vergangenen Jahr hatte die Stadt dazu einen Ideenwettbewerb ausgelobt. 64 Arbeiten, teils aus anderen Ländern, wurden eingereicht. Die Jurysitzung sollte bereits 2020 stattfinden, musste aber coronabedingt verschoben werden. Laut Borovyk sollen die Entwürfe nach der Sitzung auch zeitnah der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Als Raum dafür dient das Obergeschoss der Fischerschänke, das als Interimsgedenkstätte fungiert.

Das Konzept für die Gedenkstätte insgesamt soll bis Mitte Juni stehen, im Juli im Stadtrat vorgestellt und im August der Antrag auf Fördermittel eingereicht werden, so Borovyk. 2024 oder 2025 könnte die Gedenkstätte ihren Betrieb aufnehmen. Die Kosten für die Errichtung, für die man sich um Förderung von Bund und Land bemüht, belaufen sich nach Angaben des Mitarbeiters auf mehrere Millionen Euro. Mehrere Hunderttausend Euro pro Jahr werde der Betrieb kosten, finanziert durch Freistaat und Stadt.

Borovyk würdigte in seinem Vortrag die produktive Arbeit der Geschichtswerkstatt und der Lagerarbeitsgemeinschaft in den vergangenen Jahren und verwies unter anderem auf den realisierten "Pfad der Erinnerung". Das frühere Lager soll künftig nicht nur ein Ort des Erinnerns und der historischen Lehre sein, sondern vor allem auch einer "der Reflektion und des Dialogs".

"Wir freuen uns sehr, dass hier viel in Bewegung gekommen ist und wünschen uns, dass wir es schaffen, eine gemeinsame Gedenkstätte zu entwickeln", sagte Anna Schüller, Vereinsvorsitzende der Geschichtswerkstatt. Zusammen mit Felix Dümcke vom Verein stellte sie beim Onlinedialog ein Buchprojekt vor. Befassen soll sich das Werk des Vereins mit 20 evangelischen Geistlichen, die im Frühjahr 1935 im KZ inhaftiert wurden. Das Buch soll 2022 erscheinen und unter anderem auch Kurzbiografien der Männer aus der Feder der Angehörigen enthalten.

Rund 30 Teilnehmer zählte die Onlinepremiere des Dialogs. Eine Wiederholung sei denkbar, so die Organisatoren. Erreicht würden so auch neue Zielgruppen, die das Engagement für die Gedenkstätte fortsetzen könnten. Am Sonntag war Zeit für individuelles Gedenken vor Ort. Am Mahnmal wurden Blumen abgelegt. Zu sehen sind drei neue Porträts Inhaftierter. Ihre Biografien finden sich auf der Internetseite der Geschichtswerkstatt. Dort äußern sich zudem Personen in Videos zur geplanten Gedenkstätte, unter ihnen Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) und Bürgermeister Thomas Firmenich (CDU).

Informationen zum früheren KZ unter: www.gedenkstaette-sachsenburg.de

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