Wenn das Kino zum Wohnzimmer wird

Weihnachten soll niemand allein sein. Das dachte sich auch der Kinoverein Frankenberg und öffnete erstmals an Heiligabend den Saal. Dort ist die Familie nun schon sehr groß geworden.

Frankenberg.

Es gibt Fischsalat, Käsesuppe und natürlich auch Würstchen mit Kartoffelsalat. Heiligabend muss das so sein, und kein Gast soll dafür etwas bezahlen. Was wie nach einer Weihnachtsfeier für Bedürftige klingt, ist eine Initiative des Frankenberger Kinovereins, der Menschen, die sonst niemanden haben, die Herzlichkeit einer großen Familie vermittelt.

"Es geht uns einfach darum, dass niemand allein sein muss", erklärt Matthias Hanitzsch vom Vereinsvorstand. "Wir öffnen den Kinosaal und laden zum Essen, Reden und Film schauen ein." Die Idee entstand, um nach der hektischen Vorweihnachtszeit einfach mal zu entschleunigen. "Das war zunächst nur für die Leute im Verein gedacht. Da haben wir auch einige, die allein sind", so Hanitzsch. "Von Beginn an war Heiligabend aber für alle offen."

Vereinsmitglieder kommen weiterhin gern vorbei, schauen nach der Kirche oder dem Abendessen zu Hause noch mal im Kinosaal vorbei. Etliche helfen auch mit, sowohl die Filmfreunde des Vereins als auch die Breakdancer der Broken Beat Crew, die ebenfalls im Welt-Theater heimisch ist. Zudem werden noch Geschenke ausgetauscht, und man wünscht sich gegenseitig was.

Vor einigen Jahren sei die Resonanz am Heiligabend noch gering gewesen. Nach einer Meldung in der "Freien Presse" hätten aber immer mehr Leute den Weg ins Kino gefunden. "Es ist auch nicht unser Stammpublikum", erläutert Hanitzsch. "Es kommen meist sogar Leute, die noch nie bei uns waren, auch Gäste aus Chemnitz. Es hat sich wohl irgendwann herumgesprochen." Das Welt-Theater ist Heiligabend auch kein Club der einsamen Herzen, vielmehr eine große Familie, in der jeder willkommen ist. So kommen zum Beispiel auch alleinstehende Mütter und Väter mit ihren Kindern. Es gäbe eine gewisse Vorsicht, weil sie oft nicht glauben können, dass da jemand ist, der sagt, sie sollen hereinkommen.

"Wenn die dann sehen, was wir allein an Essen hingestellt haben, leuchten die Augen richtig", freut sich der Frankenberger. "Das ist doch der Geist von Weihnachten. Da sind wir gern der Familienersatz." All zu groß sollte die Familie aber nicht werden, denn der Kinoverein will an Heiligabend die Ruhe und Besinnlichkeit bewahren. Die große Weihnachtsparty solle es eben nicht sein.

Das gelingt nach Hanitzschs Ansicht weiterhin sehr gut. Unterhaltung im Kino gibt es aber dennoch. Matthias Hanitzsch nennt das Wunschprogramm. Ganz demokratisch werde abgestimmt, ob aus dem Weihnachtsbuch gelesen wird und welcher Film noch gezeigt werden soll. Erst danach hätten die Besucher ein verstärktes Redebedürfnis, einige auch erst kurz vor dem Nachhauseweg, der meist so gegen 21 Uhr angetreten wird. "Natürlich wollen die Leute, die sonst allein sind, sich mal mit jemandem austauschen, über ihre kleinen und großen Sorgen und Probleme reden", sagt der Kino-Enthusiast. "Oft muss man einfach nur zuhören, das hilft vielen schon weiter."

Der Heilige Abend ist für den Kinoverein auch der Schlusspunkt des Veranstaltungsjahres. Und 2019 war laut Hanitzsch besonders erfolgreich: "Einfach nur der Hammer." Der Veranstaltungsplan hatte 26 Seiten, die Broken Beat Crew absolvierte 44 öffentliche Auftritte. Als Ausweichvariante für die Angebote des Grünen Klassenzimmers der Landesgartenschau habe man nicht wie geplant sechs, sondern gleich zwölf Mal helfen können.

Das Kino Welt-Theater in Frankenberg, Freiberger Straße 20, hat an Heiligabend ab 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist kostenlos. www.welttheater-frankenberg.de

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