Wenn kreative Ideen Schule machen

Barbara Graupner und ihr Team vom Atelier n.4 haben eine der schönsten Wohnungen Deutschlands entworfen - sagt die Jury einer Fachzeitschrift. Doch die Falkenauer Architekten haben auch an bekannten Stätten ihre Spuren hinterlassen.

Falkenau.

Es gibt sie immer wieder - diese Momente, die ganze Lebensläufe verändern. Barbara Graupner hatte so einen Moment, als kurz nach der politischen Wende die Friedrich-Schiller-Schule in Flöha einen neuen Anstrich bekommen sollte. Die damalige Direktorin suchte jemanden, der die Innengestaltung übernimmt. Und wurde bei Barbara Graupner fündig.

Die hatte nach dem Abitur am Flöhaer Gymnasium gerade ein Studium der Angewandten Kunst mit Spezialisierung auf Textilgestaltung abgeschlossen - weshalb sie von der Schulleiterin als perfekte Frau für den Job gesehen wurde. Gemeinsam mit Gestalterin Kirsten Helmstedt aus Niederwiesa machte sich Barbara Graupner an die Arbeit und entwarf ein Innendesign, das bis heute das Bild der Schule prägt. "Danach bin ich bei Beratungsleistungen dieser Art geblieben, es hat mir richtig Spaß gemacht", sagt Graupner, die vor 55 Jahren in Zwickau geboren wurde.

Die Ideen und Gestaltungskonzepte der Designerin sprachen sich herum, die Aufträge wurden mehr. 1991 machte sich Barbara Graupner mit einem kleinen Büro in Flöha selbstständig, 1996 stellte sie die erste Mitarbeiterin ein. 2005 folgte der Umzug nach Niederwiesa, das Team wurde größer. Unter anderem kam Mario Graupner, Barbaras Ehemann dazu. Der gelernte Mechaniker war ab sofort für die praktische Umsetzung der Projekte verantwortlich. "Wir wollten alles aus einer Hand bieten - von der Idee über die Planung bis zur Realisierung", sagt die Firmenchefin.

Den größten Schritt nach vorn machte das noch eher kleine Unternehmen 2014, als im Falkenauer Gewerbegebiet ein neues Domizil entstand: Atelier n.4. Das n steht dabei für Niederwiesa, die 4 war die Hausnummer des dortigen alten Firmensitzes. "Als Erinnerung an unsere sehr schöne Zeit dort", sagt Barbara Graupner. In Falkenau konnten sie und ihr Mann ihre eigenen Ideen für die Ausgestaltung des Arbeitsplatzes verwirklichen: viel Holz, viel Licht, klare Linien, Moderne und Wärme zugleich. Skandinavisch angehaucht, mit Einflüssen aus aller Welt.

"Ich würde mich nicht festlegen wollen, wenn ich unseren Stil beschreibe", sagt Barbara Graupner. "Es ist meist geradlinig, es darf aber auch mal verspielt sein." Mir "klaren Linien unter schrägen Wänden" - so der Titel der drei Sonderseiten - schaffte es Atelier n.4 in die diesjährige Ausgabe von "Best Of Interior - Die 30 schönsten Wohnkonzepte". Das Buch erscheint im renommierten Callwey-Verlag, der sich auf Bautechnik und Architektur spezialisiert hat. Zum vierten Mal kürte eine Expertenjury herausragende private Einrichtungskonzepte. "Dort wurden mehr als 1000 Projekte eingereicht - unter die besten 30 und damit in das Buch zu kommen, ist eine riesengroße Ehre", sagt Barbara Graupner.

Die Wohnung, die den Falkenauern zu dieser Ehre verholfen hat, befindet sich in einem ehemaligen Kapitänshaus auf dem Darß auf der Halbinsel Fischland-Darß-Zingst an der Ostseeküste. "Das war ein privater Auftrag für eine 90-Quadratmeter-Wohnung", sagt Barbara Graupner. "Wir haben dort erst einmal alles rausgerissen und entstaubt, um dann den gewünschten großzügigen Wohnraum zu schaffen." Mit einer Mischung aus selbst gefertigten und gekauften Möbeln wurde die Wohnung dann eingerichtet, wobei viele Arbeiten von den Inneneinrichtern selbst übernommen wurden. "Durch Aufträge und unsere Homepage erweitert sich unser Kundenkreis stetig", sagt Barbara Graupner, die mit ihrem Team auch Wohnungen in London oder Frankfurt am Main sowie einige Museen oder öffentliche Projekte wie die neue Stadtinformation in Freiberg und den Ratssaal im Mittweidaer Rathaus realisiert hat.

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