Wenn Lanz und Leute in Feierlaune sind

Das Traktorentreffen in Berbersdorf hat mit der 20. Auflage ein Jubiläum erlebt. Auch ohne neue Rekorde sind die Veranstalter mehr als zufrieden.

Berbersdorf.

Einmal im Jahr gibt es im Striegistal einen Stau mit Ansage - immer dann, wenn in Berbersdorf das Traktorentreffen ansteht. Spätestens zum Korso, der am Wochenende wieder an beiden Tagen ein Publikumsmagnet war, haben die Landmaschinen auf den Straßen in Berbersdorf und Schmalbach Vorfahrt. Ein Durchkommen ist dann kaum noch möglich.

Dies galt auch auf dem Festgelände rund um Walters Hof, und zwar für Fußgänger. Dicht an dicht standen Deutz, Lanz, Normag, Famulus und viele weitere Fabrikate in der Sonne, immer umlagert von Experten und interessierten Laien. Und so hatte auch Winfried Lippmann, Vorsitzender des gastgebenden Vereins der Traktorenfreunde Berbersdorf, oft seine liebe Mühe, über das Areal zu kommen. Ihn kennt man nicht nur im Striegistal, Händeschütteln durfte er also im Minutentakt, viele nette Worte immer inklusive.

Eine halbe Stunde war auch "Freie Presse" mit ihm unterwegs und machte dabei interessante Bekanntschaften. Da wäre zum Beispiel Ulrich Merting aus Greifendorf, selbst kein Traktorbesitzer, aber von Beginn an Stammgast in Berbersdorf. "Den Chef kenne ich ja schon seit der Schulzeit, aber nicht nur deshalb kommen wir jedes Jahr wieder", erzählte er. "Hier treffe ich so viele Bekannte und komme deshalb kaum vom Fleck. Man sieht aber auch bei den Traktoren immer mal was Neues. Die Technik interessiert mich schon." Auch Werner Münch aus Meißen ist einer dieser Stammgäste, die von der Faszination der alten Landtechnik einfach nicht loskommen.

Otto Götze aus dem benachbarten Marbach war schon beim ersten Treffen dabei. "Vor 20 Jahren waren es vielleicht 30 Traktoren", erinnerte er sich. "Den Korso bin ich jedes Mal mitgefahren, das ist doch Ehrensache", so der 83-Jährige, der mit einem 1965 gebauten Deutz mit Anhänger angereist war. "Mittlerweile trifft sich hier ja Gott und die Welt. Nach dem ersten Treffen ist die Veranstaltung aber auch recht schnell gewachsen. Ich sehe hier sogar noch etliche Bekannte aus meiner Jugendzeit, alle leben ja leider nicht mehr."

Und Otto Götze kennt auch die nächste Generation, die sich für die alte Technik begeistert. So einer ist Martin Sprich aus Marbach, der eine echte Rarität vorzeigen konnte, einen ungarischen Traktor der Marke Dutra. "Der kam noch vor dem bekannten DDR-Model ZT-300 raus", erläuterte Lippmann. "Die schwere Arbeitsmaschine leistet 90 PS. Und für den Marbacher Besitzer führte die erste Fahrt überhaupt gleich zu uns, das ist doch toll."

Als Deutz-Experte hatte Lippmann schnell auch ein 50-PS-Modell dieser Marke ausgemacht, das wirklich selten ist. Den Besitzer Horst Klose aus der Riesaer Gegend kannte er natürlich, beim Baujahr musste er zunächst grübeln, dabei war dies kaum zu übersehen. Eine goldene "80" prangte am Kühler, also wurde dieses Schmuckstück 1937 gebaut. Ein Deutz ist auch für Günter Kunzendorf aus Berlin jedes Jahr der Grund, nach Berbersdorf zu kommen. "Hier kann ich selbst so einen Klassiker fahren, das ist wunderbar", sagte der frühere Roßweiner, der in Littdorf in der Maschinen- und Traktorenstation (MTS) tätig war.

Lippmann zog gestern ein durchweg positives Resümee für das Treffen und den gut 30 Mitglieder starken Verein: Gut 170 Teilnehmer am Samstag, 20 mehr am Sonntag. "Es waren wieder einige Tausend Gäste, Eintritt wird ja nicht erhoben", so der Vorsitzende. "Das Feuerwerk war richtig toll." Nächster Höhepunkt soll das große Herbstpflügen am 30. September werden.

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