Wenn Mikado über Marder kreist

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer stattete der Panzergrenadierbrigade 37 in Frankenberg einen Besuch ab. Denn die Einheit mit dem Ehrennamen "Freistaat Sachsen" bildet 2023 den Kern der schnellen Nato-Eingreiftruppe.

Frankenberg.

Eine Stunde lang hatte sich Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) Zeit genommen, um in der Wettiner-Kaserne mit Offizieren und Soldaten über ihre Ausbildung, Einsätze und die Technik zu sprechen sowie Waffen und Fahrzeuge zu begutachten. "Jeder konnte spüren: Das ist echtes Interesse. Ein Ministerpräsident zum Anfassen", sagte Brigadegeneral Gunnar Brügner nach dem Besuch in Frankenberg am Dienstag. Brügner hatte Kretschmer eingeladen. Begleitet wurde dieser von Landrat Matthias Damm, der Landtagsabgeordneten Iris Firmenich und Frankenbergs Bürgermeister Thomas Firmenich (alle CDU).

Angesicht der nur 3600 Dienstposten der Bundeswehr in Sachsen wollte die "Freie Presse" von Kretschmer wissen, wie die Chancen des Standortes Frankenberg auf eine Aufstockung durch ein weiteres Bataillon stehen. "Ein großer Anteil der Soldaten der Bundeswehr kommt aus den neuen Bundesländern", sagte der Ministerpräsident. "Es gibt vor diesem Hintergrund viel zu wenig Dienstposten. Daher ist es unser Ziel, Dienstposten aufzubauen. Wo genau das passiert, das ist aber nicht meine Kompetenz", bedauerte Kretschmer. Zum Vergleich: In Bayern gibt es circa 31.000 Dienstposten. Die Folge: Viele Sachsen dienen in Bayern. "Der Freistaat hat ein sehr positives Verhältnis zur Bundeswehr", sagte Kretschmer. "Sachsen wirbt intensiv für mehr Dienstposten, denn mehr Personal bedeutet auch mehr Wirtschaftskraft." Das weiß auch Thomas Firmenich. "Daher würde ich es sehr begrüßen, wenn mehr Personal nach Frankenberg käme", bemerkte der Bürgermeister.

Die Panzergrenadierbrigade 37 ist nicht irgendeine Einheit: "2023 wird sie den Kern der schnellen Eingreiftruppe der Nato bilden", sagte Gunnar Brügner. "Bis dahin bleibt mit Blick auf die Nachwuchswerbung, Ausrüstung und Ausbildung noch viel zu tun." Doch schon jetzt ist in der 1913 gegründeten Kaserne reichlich Erfahrung vorhanden. Vom Oberstabsgefreiten Daniel Unverdorben etwa ließ sich Michael Kretschmer von dessen Erfahrungen in Afghanistan berichten. "Wir haben dort sehr viel gesehen", erklärte er während der Besichtigung eines Dingo-Transportfahrzeugs. Für die Zerrissenheit des Landes spricht, dass die Soldaten sowohl winkende Kinder erlebten, aber auch solche, die mit Steinen nach ihnen warfen.

Optiken und Nachtsichtgeräte von Scharfschützen erklärte Frank Alperstedt. "Der Ministerpräsident wollte wissen, über welche Ausrüstung wir verfügen und wie man damit arbeitet", sagte der Oberstabsgefreite. Parallel dazu stieg eine Mikado-Drohne auf. Mit dieser klären Soldaten auf Nahdistanz auf, zum Beispiel das, was hinter einer Mauer verborgen liegt. Auch den Transportpanzer Fuchs, den Rettungswagen Boxer und den Marder erlebte der Politiker. "Der Marder rollt und rollt", sagte der Brigadegeneral. Bis er vom neuen Puma abgelöst wird.

"Als Freistaat setzen wir alles daran, dass getroffene Zusagen eingehalten werden, um die beste Ausrüstung für die Soldaten zu haben", sagte Kretschmer zum Schluss zur Truppe. "Kommen Sie gesund aus jedem Einsatz zurück."


Kommentar: Mehr Posten wünschenswert

Kürzlich an der Supermarktkasse in Frankenberg: Vor mir steht eine Soldatin, bezahlt und packt ihren Einkauf ein. Die Frau in Uniform hat ordentlich Umsatz gemacht. Die Ladenkasse klingelt. Daher steht ihr Einkauf auch für das Positive, was die Wettiner-Kaserne für die Stadt darstellt: Wer hier stationiert ist, der nutzt auch die Frankenberger Infrastruktur. Das bringt Geld in die Stadt. Schon jetzt werden von der Panzergrenadierbrigade 37 die Ausbildung und Einsätze von 5200 Soldaten in Sachsen und Thüringen geplant. Mehr Personal an dem Standort würde noch mehr Wirtschaftskraft nach Frankenberg lenken. Daher sind weitere Dienstposten wünschenswert. Zumal in der Kaserne dafür durchaus Platz wäre.

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