Wenn Sport und Kultur Brücken bauen

Das Integrationsfestival in Hainichen hat nur wenige Besucher angelockt. Doch die Angebote konnten sich durchaus sehen lassen.

Hainichen.

Viele gute Beispiele für gelungene Integration und Inklusion hat am Samstag das zweite Integrationsfestival in Hainichen aufgewiesen. Da gab es Kampfsport im Rollstuhl zu sehen, erklärten Grundschüler für Gehörlose die Tierwelt der Fabeln und sprachen sich alle Teilnehmer für gemeinsame Aktivitäten aller Menschen, egal welcher Hautfarbe aus. Was fehlte, waren nicht nur die aktuell rund 150 Bewohner der Asylunterkunft in Hainichen, sondern die Bürger selbst.

So waren die Sportler, der Großteil aus dem von Cornelia Schade geleiteten Karateverein, fast unter sich. Auch die Podiumsdiskussion am Abend fand wenig Resonanz. Die angekündigte sächsische Integrationsministerin Petra Köpping (SPD) war nicht dabei, Landrat Matthias Damm (CDU) ein Zuhörer. "Ich hatte schon mehr Interesse erwartet, aber das Wetter hat leider nicht mitgespielt", sagte Schade. "Alle Angebote waren kostenlos, mehr kann man doch nicht machen. Es waren ganz viele Leute eingeladen. Aber die Gäste, die ich mir gewünscht hatte, waren alle da und haben für Höhepunkte gesorgt. Und der Kampfsport hat auch die begeistert, für die das Neuland war."


Laufen für den guten Zweck

Silia Aichele und Pierre Kretzschmar: Sie gehörten am Samstagvormittag zu den rund 30 Teilnehmern des Spendenlaufs. "Ich studiere an der Hochschule Mittweida Forensik", erzählte die 20-Jährige, die aus dem Großraum Stuttgart stammt. "Über den Studentenrat gab es einen Aufruf, dem ich gern gefolgt bin. Das Wetter nimmt man, wie es kommt. Hier lassen sich ganz leicht neue Kontakte knüpfen." Für das Reisebüro "Sonnenklar-TV" war der 21-Jährige Kretzschmar auf Rundenjagd gegangen. "Das ist doch eine gute Sache", so der Hainichener. "Nur schade war, dass der Lauf schon nach einer Dreiviertelstunde abgebrochen wurde. Damit war der Aktionstag hier für mich dann auch schon beendet."


Ohne Worte auf fabelhafter Reise

Die Kinder vom Hort "AlberTina": Sie gestalteten einen Fabelspaziergang der besonderen Art im Stadtpark. "Wer nicht hören kann, kann sehen!" war das Motto, auf das die Mitglieder der Theatergruppe des Horts in Zusammenarbeit mit dem Chemnitzer Gehörlosenzentrum bestens vorbereitet waren. Sie hatten sich mehrere Monate mit Deutscher Gebärdensprache befasst und eine Inszenierung mit Elementen aus Pantomime und Gebärden ganz ohne Lautsprache für diese Welturaufführung einstudiert. Die Besucher durften aktiv teilnehmen und auch Tiere erraten. "Die Aktion - genau zwischen zwei Regenschauern - kam super an, es waren etwa 50 Besucher dabei", sagte die Museumsleiterin Angelika Fischer.


Schlagkräftig für sportliche Verständigung

Cornelia Schade und Marcus Brauer: Die Organisatorin stellte in der Dreifeldhalle einen Kampfsportler vor, der einen riesigen Turm aus im Baumarkt gekauften Steinen durchschlagen wollte. Das gelang zwar nicht wie gewollt, war aber spektakulär. "Ich mache bis zu 70 solcher Showauftritte pro Jahr", erklärte Brauer. "Sport verbindet und jeder hat das Recht dazu. Da entstehen ganz viele Freundschaften. Für mich spielt die Hautfarbe überhaupt keine Rolle, und ich bin ja auch mit einer polnischen Frau verheiratet. Es ist nur traurig, dass so wenige Leute hierherkommen. Allerdings muss ich als Auswärtiger auch sagen, dass im Umfeld überhaupt nichts ausgeschildert war, ich auch kein Plakat gesehen habe."


Kulturaustausch aus Kindersicht

Tochter Santi, Frances und Everett Duarte: Sie eröffneten im Gellert-Museum eine neue Ausstellung mit Geschichten über Südafrika, über Land, Leben und Kultur - geschaffen von 133 Kindern der 3. bis 6. Klassen der Schule von Port Edward in der Region KwaZulu-Natal/Südafrika. Die in Deutschland und Südafrika lebenden Künstler Frances und Everett Duarte vermittelten und leiteten dazu Workshops und hielten parallel regelmäßigen Kontakt nach Hainichen. "In den Schulen und auch privat machen die Kinder in Südafrika keinen Unterschied bei der Hautfarbe, das ist denen einfach egal", erzählte Frances Duarte, die aus Mittweida stammt. Die Ausstellung ist noch bis 9. September im Gellert-Museum zu sehen.

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