Wenn Wanderungen rund um die Talsperre zur Tortur werden

Die Wege am Stausee sind in keinem guten Zustand. Sturm und Vandalismus haben für Schäden gesorgt, die nur notdürftig behoben wurden. Eine Besserung ist noch nicht in Sicht.

Lauenhain/Kriebstein.

Schon seit Jahren weist ein Schild den Aufstieg zum Wappenfelsen als Wanderweg mit erhöhtem Schwierigkeitsgrad aus. Für Fahrräder und Kinderwägen nicht geeignet. Benutzung auf eigene Gefahr. Bereits die ersten Schritte bergan machen deutlich, dass die Warnung ihre Berechtigung hat. Wenige Höhenmeter später sieht man Dutzende entwurzelter Bäume, die ins Tal und damit auf den Weg oder in die Talsperre Kriebstein zu rutschen drohen. Mehrere Leser haben sich in diesem Jahr schon an die "Freie Presse" gewandt und sich über den schlechten Zustand der Wanderwege beklagt.

Petra Lindner aus Mittweida nannte den Kriebsteiner und Höfchener Wald einen "kostenlosen Kletterparcours". Mit Fotos hat sie dokumentiert, wo Bäume auf dem Weg lagen, zwischen Höfchen und Kriebstein sogar seit Jahren. Dort habe der Waldbesitzer in diesem Sommer aufgeräumt, doch zwischen Lauenhain und Tanneberg gäbe es immer noch Handlungsbedarf.

Thomas Caro, Geschäftsführer des Talsperrenzweckverbandes, sind die Probleme bekannt: "Das ist schon ein heikle Sache. Wir kommen derzeit leider auch nicht weiter." So sei der für die Talsperre zuständige hauptamtliche Wegewart bereits seit März krank. "Und er wird dieses Jahr auch nicht wiederkommen", sagt Caro. "Da ist viel liegen geblieben, die Bauhöfe können wirklich nur das Nötigste machen und einige Stellen freischneiden." Dies bestätigt Mittweidas Oberbürgermeister Ralf Schreiber (CDU), der Vorsitzende des Zweckverbandes. "Unser städtischer Bauhof hat schon geholfen. Das geht nur nebenbei und nicht im notwendigen Maß."

Von Tanneberg bis zum Fähranleger komme man laut Zweckverband nun wieder gut durch. Richtung Wappenfelsen bestünden aber weiterhin Probleme. "Der Abschnitt vom Wappenfelsen bis Tanneberg ist das schlimmste Stück", so Caro. "Rund um die Talsperre kommt man als Wanderer noch herum, aber mit Einschränkungen. Die Wege sind begehbar, doch an manchen Stellen ist es eher ein Hindernislauf."

Auch der Abschnitt von Kriebstein nach Höfchen habe immer wieder für Beschwerden von Gästen gesorgt. Das Holz auf dem Weg lag laut Caro aber schon vor zwei Jahren herum. "Wir hatten dort eine Umleitung über das Hotel ausgeschildert, inzwischen wurde der Bereich freigeschnitten." In den meisten Fällen könne der Zweckverband ohnehin nur anmahnen, weil der Wald Privatpersonen gehöre. Neben umgefallenen und gefällten Bäumen sei auch die Zerstörungswut immer wieder ein Problem.

Im Bereich des Wappenfelsens hatte der Wegewart in den vergangenen Jahren abgetretene Geländer schon durch Ketten ersetzt. Im Juni entdeckte ein Mitarbeiter des Zweckverbandes, dass am Aussichtspunkt an der Staumauer die Schrauben an einem Geländer entfernt worden waren. Besucher hätten in die Tiefe stürzen können.

Damit es am Wappenfelsen nicht so weit kommt, will Petra Lindner die Bundeswehr in die Pflicht nehmen. Die Patenkompanie habe dies zu Jahresbeginn versprochen. Im Rathaus Mittweida würde man den Einsatz der Uniformträger, die sich im Stadtgebiet schon am Frühjahrsputz beteiligt hatten, begrüßen. "Es ist im Plan, aber bislang ist leider noch nichts passiert", so Pressesprecherin Francis Pohl. "Das Problem ist die Rechtslage, weil die Bundeswehr kein Gewerk ausführen darf." Dies hatte Presseoffizier Sebastian Grünberg in der Vergangenheit gegenüber "Freie Presse" bestätigt.

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