Werkzeug für Filmemacher ist marktreif

Mit der neuen Software der Mittweidaer IT-Firma Cinector lassen sich Produkte und Technologien anschaulich präsentieren. Nun stehen die Zeichen auf Wachstum.

Mittweida.

Cinector ist nicht Facebook. Und Tobias Tauscher nicht Marc Zuckerberg. Doch so ein Stück Silicon-Valley-Aufbruchstimmung sollte die erste Vorstellung der neuen Software des Mittweidaer Startups gestern Abend im Fernsehstudio des Medienzentrums der hiesigen Hochschule vermitteln.

"Wir reden jetzt nicht mehr hinter vorgehaltener Hand darüber", sagte Cinector-Mitbegründer Tobias Tauscher im Vorfeld der Veranstaltung. Im Gegensatz zu einschlägig bekannten US-Startups haben sich die Mittweidaer Entwickler weniger aufs Marketing, mehr auf ihr neues Produkt konzentriert: Cinector Stage - eine einfach zu bedienende 3D-Animationssoftware, die es auch untrainierten Anwendern erlaube, hochwertige Imagefilme, Präsentationen und Produktvisualisierungen zu produzieren. Noch gibt es laut Cinector-Mitgeschäftsführer Thomas Schmieder nichts Vergleichbares auf dem Software-Markt. Er hatte schon einen Satz kreiert, der das Thema auch für IT-Laien interessant machen sollte: "Wir bringen Hollywood nach Mittweida." Denn auch in der Filmbranche ist die Animation von Figuren längst Alltag, nur eben mit deutlich höherem Aufwand. In den USA hätte man wohl schnell das Wort Revolution in den Raum gestellt und "eine Webseite dazu gestaltet und etwas verkauft, was es noch gar nicht gibt", sagt Tauscher. Hier in Mittweida läuft die Markteinführung sachlicher ab. "Nach über sieben Jahren Forschung und Entwicklung zu den Themen virtuelle Welten und Echtzeit-3D-Grafik haben wir nun ein Produkt entwickelt, welches vielen Anwendern ganz neue Möglichkeiten eröffnen wird", sagt Schmieder.

Und damit nicht nur er von den Vorzügen von Cinector Stage berichtet, sollten gestern Abend Pilotanwender vor Publikum aus Wirtschaft und Wissenschaft den Beleg für die Aussagen der Mittweidaer Existenzgründer erbringen. So meinte Professor Dirk C. Meyer, Direktor des Zentrums für effiziente Hochtemperatur-Stoffwandlung der Bergakademie Freiberg: "Seitdem ich eine Präsentation gesehen habe, die mit Cinector Stage erstellt wurde, freue ich mich darauf, unsere Forschungsergebnisse auf diese Weise zu kommunizieren." Zielgruppe der Software seien nicht nur Wissenschaftler, die komplexe Themen verständlich ihrem Publikum nahe bringen wollen. Kleine und mittelständische Firmen wollen die Mittweidaer als Kunden gewinnen, "vor allem jene, die technologieorientierte Produkte haben und Kunden ein eindrucksvolles Bild davon vermitteln wollen", so Schmieder. Wie die Dresdener Firma Heliatek, die organische Solarzellen entwickelt und Pilotkunde ist.

Für die 2015 aus einer Forschergruppe der Hochschule Mittweida heraus gegründete Cinector GmbH beginnt nach der Vorstellung der neuen Software das nächste Abenteuer. Denn nun soll ihr Produkt auf den Massenmarkt kommen, weltweit vertrieben über das Internet. Tobias Tauscher rechnet damit, dass bis Jahresende die neue Software bis zu 800 mal von Kunden von den eigenen Webseiten oder bei Online-Shops heruntergeladen wird. "Wir stehen damit vor einer Wachstumsphase", sagte der Geschäftsführer. Damit würden auch zwei bis drei neue Arbeitsplätze bis Jahresende entstehen. Das siebenköpfige Cinector-Team sei bisher vor allem technisch aufgestellt, nun würden Leute im Verkauf gebraucht. Mittweida verlassen werde Cinector nicht, selbst wenn die Wachstumsaussichten übertroffen würden. Tauscher verweist dazu auf das Beispiel von SAP, der zu den größten europäischen Softwareherstellern zählt, aber auch im 14.500 Einwohner zählenden Walldorf seinen Hauptsitz hat. Zudem erinnert Schmieder an die Unterstützung, die Cinector von der hiesigen Hochschule erfahren habe: "Hier hat man an unsere Idee geglaubt, Freiräume für die Forschung geschaffen und mit Interaktives Entertainment einen passenden Studiengang geschaffen. Diesen Gründergeist vermutet man nicht in Mittweida, aber es gibt ihn."

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