Wie aus einem Zufall 30 Jahre gelebte Einheit wurden

Am 4. Juli 1990 begann die Städtepartnerschaft von Hainichen und Dorsten. Auch die Stadt Freiberg hat etwas mit dieser Freundschaft zu tun.

Hainichen/Dorsten.

Der eine Bürgermeister kommt schon mal mit dem Fahrrad, der andere schnürt die Fußballschuhe. Und Volltreffer landen jedes Jahr auch die Mitglieder der Schützenvereine beider Städte. Seit nunmehr 30 Jahren sind Hainichen und Dorsten (in Nordrhein-Westfalen) Partnerstädte. Und diese Verbindung bezieht sich nicht nur auf den Austausch von Höflichkeiten auf administrativer Ebene. Bürger aller Altersgruppen besuchen weiterhin die jeweilige Partnerstadt, wobei neben dem Freundeskreis die Schützen die Aktivposten sind.

Die Verbindung ist eigentlich einem Zufall geschuldet. Dorsten war schon kurz nach dem Fall der Mauer auf der Suche nach einer Partnerstadt im Osten. Freiberg sollte es wegen der Bergbauverbindungen eigentlich werden, war aber schon "vergeben". Der Stopp der Dorstener Delegation auf dem Rückweg in Hainichen markierte den Beginn einer bis heute dauernden Freundschaft.

Die Urkunde wurde zunächst in Dorsten, am 4. Juli 1990 dann in Hainichen unterzeichnet. Seit Februar 1991 leitet Carmen Fischer aus Hainichen bereits den Verein Freundeskreis Dorsten/Hainichen, über den schon in den Anfangsjahren viele Treffen und Besuche organisiert wurden. "Neben den jährlichen Treffen der Freundeskreise stand in den frühen 1990er-Jahren vor allem Hilfe beim Aufbau einer funktionierenden Verwaltung nach bundesdeutschen Richtlinien in Hainichen im Vordergrund", blickt Carmen Fischer zurück. Im Laufe der Jahre habe sich vieles gewandelt. Hainichen sei "erwachsen" geworden, und man begegne sich nun schon seit Jahrzehnten auf Augenhöhe.

Ziel ihres Vereins bleibe die Förderung von kulturellen, sportlichen, historischen und gesellschaftspolitischen Begegnungen zwischen den Bürgern beider Städte. Die Treffen der Freundeskreise gibt es seit 2018 nicht mehr, weil ein Großteil der Mitglieder doch schon hochbetagt ist. "Die teilweise Jahrzehnte alten Freundschaften bestehen weiter und Besuche erfolgen nun bisweilen noch in kleinerem, privatem Rahmen", so Fischer.

Finanzielle Hilfe aus Dorsten gab es immer wieder mal, den Höhepunkt erreichte die Hilfsbereitschaft nach dem Jahrhunderthochwasser im Jahr 2002 mit über 70.000 Euro an Geld- und vielen Sachspenden. In Dorsten gibt es seit 1993 einen Partnerschaftsbrunnen, seit dem 3. Oktober 2015 heißt dort eine Straße Hainichenring. Hainichen hat im Gewerbegebiet eine Dorstener Straße, an der Frankenberger Straße steht ein von Kindern gemaltes Wandbild für die Partnerschaft.

Die ersten sportlichen Kontakte gab es im Bereich Badminton, die Fußballer des Hainichener FV, insbesondere die der alten Herren, zogen bald nach. 2012 standen dann auch Stadträte und Bürgermeister Dieter Greysinger auf dem Feld. Sein Dorstener Amtskollege Tobias Stockhoff bewältige im Vorjahr übrigens mit weiteren Dorstenern die 541 Kilometer Entfernung auf dem Fahrrad. Stockhoff ist sogar Mitglied im Hainichener Schützenverein. Der Hainichener Lars Herrmann moderiert das Vogelschießen in Dorsten.

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