Wie Mittelsachsen schneller zu Bus und Bahn kommen sollen

Bewohner im Landkreis haben die weitesten Wege zum Nahverkehr in Sachsen. Verbesserungsvorschläge werden diskutiert. Doch was ist realistisch?

Mittweida.

Mehr Busfahrten, klug verknüpfte Linien und Anschlüsse und der Ausbau des Bahnverkehrs in der Region sollen nach Vorschlägen aus Politik und Verwaltung den Nahverkehr attraktiver machen. Nach dem jüngsten Ranking der Allianz pro Schiene sind Bus und Bahn für die Mittelsachsen im Vergleich aller Kreise und kreisfreien Städte in Sachsen am schlechtesten erreichbar (siehe Kasten).

Kreis-Politiker wollen die Bedingungen in absehbarer Zeit verbessern und räumen Versäumnisse ein. Sowohl Steve Ittershagen, CDU-Landtagsmitglied aus Freiberg-Zug, als auch Grünen-Kreisrat Sebastian Walter haben nach Bekanntwerden der Ergebnisse öffentlich klargestellt: "Wir hätten als Politiker früher genauer hinschauen müssen."


Verkehrswissenschaftler Walter sieht besonders für das ländlich geprägte Erzgebirge einen schnellen Nachholebedarf. Er fordert die Kreispolitik auf, "nach fünf verlorenen Jahren" spürbare Verbesserungen im Nahverkehr auf den Weg zu bringen - auch im Vergleich zum Erzgebirgskreis, der besser abgeschnitten hat. Der zuständige Verkehrsverbund Mittelsachsen (VMS) verweist auf die großteils ländliche Prägung. Mittelsachsen liege zwar nahe an Chemnitz, gehöre aber nicht zum Verdichtungsraum Chemnitz/Zwickau, es gebe weniger vertaktete Buslinien, sagt Sprecherin Jeanette Kiesinger. Der Erzgebirgskreis indes sei deutlich dichter besiedelt als Mittelsachsen. Doch gerade im ländlichen Raum sehen die Grünen das größte Potenzial. Damit Mittelsachsen nicht mehr Schlusslicht ist, haben sie eine Sechs-Punkte-Liste mit Vorschlägen für den besseren Nahverkehr vorgestellt. So erhoffen sich Verkehrspolitiker von der Bahn etwa eine bessere Anbindung der Region Rochlitz.

Deutliche Möglichkeiten erwarten CDU, Linke und Grüne zudem von der besseren Verknüpfung von Bus- und Bahnlinien: "Ab- und Anfahrtszeiten von Bussen und Bahnen müssen besser aufeinander abgestimmt werden", fordert CDU-Mann und Eisenbahner Steve Ittershagen. Zudem müssten Bus- und Bahnabfahrtsstellen enger beieinander liegen. Nur so würden die Netze systematisch verknüpft, sagt auch Kreisrat Walter. Der VMS erhofft sich laut Kiesinger Verbesserungen "schon mit der Einführung des Plus-Bus-Projektes".

Vor allem vom Stundentakt für gut nachgefragte Buslinien erwarten die Kreis-Grünen eine spürbare Verbesserung des Angebotes im ländlichen Raum. Der Vorschlag: "Auf gut befahrenen Linien sollten stündlich Busse fahren, Land und Landkreis könnten sich die Kosten teilen", erklärt Walter. Zu Linien mit hoher Nachfrage, die deshalb besonders geeignet seien, zählt er Verbindungen zwischen größeren Städten, darunter die Linie 675 (Mittweida - Frankenberg), 682 (Mittweida - Erlau - Rochlitz) sowie Linien aus Chemnitz, darunter 640 (Chemnitz - Lichtenwalde - Frankenberg).

CDU-Mann Steve Ittershagen hingegen sieht nun den Landkreis und das Kreis-Verkehrsunternehmen Regiobus am Zug, Vorschläge zu unterbreiten und zu prüfen. Am Geld könne es nicht liegen, sagt er und verweist auf 75 Millionen Euro, die im sächsischen Doppelhaushalt für den Nahverkehr fließen. Ittershagen bringt eine Verknüpfung nach dem Muster einer Fischgräte ins Gespräch, um die Fläche besser zu erschließen: "Statt Buslinien zu verstärken, sollten wir Lösungen mit kleinen, öfter fahrenden Bussen zwischen Orten prüfen."


Verein stellt Ranking vor

Nur Dresden, Halle und Berlin sind besser: Chemnitz schneidet bei der Erreichbarkeit von Bus und Bahn in Ostdeutschland sehr gut ab. Nach einem Ranking des Vereins Allianz pro Schiene wohnen 99,4 Prozent der Chemnitzer höchstens 600 Meter Luftlinie von der nächsten Bushaltestelle oder maximal 1200 Meter vom nächsten Bahnhof mit jeweils mindestens 20 Fahrtmöglichkeiten am Tag entfernt. Diese Kriterien müssen laut Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung erfüllt sein, damit ein Wohnort als gut erreichbar gilt. Dresden bietet unter ostdeutschen Städten und Kreisen die kürzesten Wege zu öffentlichen Verkehrsmitteln. (jdf)

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