Wie sich Frankenberg weltweit einprägt

Die Firma Sächsische Walzengravur sorgt nicht nur für schöne Tapeten. Eine Millioneninvestition bringt den Traditions- betrieb sogar aufs Meer.

Frankenberg.

Seit 128 Jahren kommen hochwertige Druck- und Prägeformen aus Frankenberg. Nun beweist die Sächsische Walzengravur (SWG) Frankenberg erneut, dass der Traditionsbetrieb an der Badstraße weit mehr kann, als "nur" die Druck- und Prägewerkzeuge für Tapeten und Verpackungen von Gummibärchen-Tüten bis zu Getränkeflaschen herzustellen. Investiert wurde über die Tochterfirma Nordgravuren GmbH in eine Direktlaser-Gravuranlage. Die dritte Maschine dieser Art im Frankenberger Werk ging im Juni in Betrieb, Kostenpunkt rund eine Million Euro.

"Diese Maschine arbeitet im Vergleich mit bisherigen Anlagen mit der doppelten Geschwindigkeit", erklärt Geschäftsführer Michael Wiegner. "Der Laserstrahl ist so stark, dass er Metall zum Verdampfen bringt." Und das macht die Maschine auf wenige Mikrometer (also den 1000. Teil eines Millimeters) genau. "Wir arbeiten wesentlich feiner, als zum Beispiel ein menschliches Haar dick ist, denn das misst zwischen 60 und 70 Mikrometer", erläutert Wiegner. Mit dieser Präzision würden sich für die Firma ganz neue Geschäftsfelder erschließen, zum Beispiel für den Sicherheitsdruck.

Wiegner benennt als Kunden ein litauisches Unternehmen, dass mit Spezialwalzen aus Frankenberg Wertpapiere druckt. Auch Ausweisdokumente ließen sich mit so einer Walze herstellen. Daher waren im Mai Mitarbeiter von Sicherheitsbehörden aus Deutschland, Österreich und der Schweiz bei SWG, um sich über neueste Verfahren zur Herstellung von Sicherheitskennzeichen zu informieren.

"Aktuell sind wir in ein von der Europäischen Union gefördertes Projekt eingebunden", sagt der Firmenchef. "Dabei geht es um eine geprägte Folie, mit der Schiffsrümpfe verkleidet werden sollen." Die spezielle Struktur verhindere unter anderem, dass Muscheln haften bleiben. Wiegner: "Damit wird Gewicht gespart und die Reibung verringert - das reduziert den Spritverbrauch und schont die Umwelt. Wir sind also daran beteiligt, dass die Ozeane sauberer werden." Möglich mache dies die komplexe mikroskopische Architektur der Folienoberfläche, für die große Exaktheit gefragt sei. Da gehe es um ein Zehntel des Haardurchmessers.

Die Walze für das Prägen dieser Strukturen auf eine Folie sei nun fertig und an die Entwickler dieser Technologie ausgeliefert. "Die bisher durchgeführten Tests im Labor waren sehr erfolgreich", so Wiegner. "Ohne die Förderung dieser Entwicklung durch die EU wäre das für die Projektgruppe deutlich schwerer gewesen. Wir profitieren als Teil der Forschungskette auch davon."

Seit einiger Zeit kommen aus Frankenberg auch die Prägewerkzeuge für die Herstellung von Folien für Cockpits in Autos der Premiumklasse. Für die SWG sei es wichtig, diese Hochtechnologie auch mit traditioneller Handwerkskunst zu verbinden. So würden zum Beispiel die bekannten Prägewalzen für Tapeten mit Lasergravur gefertigt, eine zusätzliche Handgravur sorge aber für die persönliche und spezielle Note. Was in Sachen Tapeten heute alles möglich sei, wird in den Fluren und Gängen im Firmengebäude auch gezeigt. Dort sind große Muster fertiger Strukturtapeten zu sehen.

Wie viele verschiedene Druckformen allein für die Wandgestaltung jedes Jahr das Werk verlassen, verrät der Geschäftsführer nicht. Insgesamt seien es aber bis zu 30.000 Druck- und Prägeformen für Kunden verschiedener Branchen und Anwendungen, gut 40 Prozent davon gehen in das Ausland. Aktuell zähle die SWG rund 140 Mitarbeiter, der Jahresumsatz liege bei etwa 15 Millionen Euro.

Das Werben um neue Mitarbeiter hat die SWG schon vor einigen Jahren verstärkt. "Wir sind auf vielen Ausbildungsmessen präsent und suchen auch weiterhin, nicht nur nach Fachkräften", sagt Wiegner. Ein Grundproblem sei der geringe Bekanntheitsgrad."Wir stellen nun mal nichts her, was man im Laden kaufen kann." Selbst viele Frankenberger könnten nicht erklären, was bei der SWG passiert.

So habe man die Zusammenarbeit mit den Schulen vor Ort gesucht, und dies zeige nun Erfolge. Achtklässler der Oberschule hätten im Betrieb einen gesamten Tag Unterricht, auch bei Wiegner. Damit habe man nicht nur den Bekanntheitsgrad gesteigert, es gebe auch verstärkt Anfragen zur Ausbildung aus Frankenberg und Umgebung.

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