Wie Unternehmen neue Azubis locken

Von Prämien bis zur Shopping-Card reichen die Anreize, mit denen Mittelsachsens Firmen Lehrlinge gewinnen wollen. Das ist nicht alles.

Mittweida.

Im Ringen um Nachwuchs gehen Unternehmen in Mittelsachsen teils ungewöhnliche Wege. Dabei setzen sie auf frühzeitiges Kennenlernen, aber auch auf materielle Anreize. Denn es gibt mehr offene Lehrstellen als Bewerber. Im vorigen Ausbildungsjahr kamen auf 1859Plätzen 1623 Anwärter.

Das Mittweidaer Unternehmen IMM setzt eigenen Angaben zufolge jährlich etwa 50 Praktikanten aus Schulen und Hochschulen ein. Hinzu kommen die Teilnahme an der Woche der offenen Unternehmen, die Möglichkeit für Ferienarbeit und die Vergabe von Werkstudententätigkeiten sowie Stipendien. Zudem präsentiert sich der Elektronikdienstleister laut Nadine Kreißig vom Referat der Geschäftsführung auf regionalen Ausbildungsmessen.

Auch die Firma Göhler Sitzmöbel aus Mulda nimmt am Tag der offenen Unternehmen teil. "In diesem Jahr hatten wir drei interessierte Jugendliche zu Gast", sagt Geschäftsführer Frank Göhler. Der Mittelständler bewirbt seine Ausbildungsplätze über die IHK-Lehrstellenbörse und die Arbeitsagentur.

Die Sparkasse Mittelsachsen ist ebenfalls bei Azubi-Messen, Ausbildungsbörsen und beim Tag der offenen Unternehmen präsent. "Zudem führen wir in Kooperation mit regionalen Unternehmen eine Berufseinsteiger-Veranstaltung in der Hauptfiliale Freiberg durch", so Abteilungsdirektor Ronny Meißner. Richard Kunze (16) aus Brand-Erbisdorf hat über eine Infoveranstaltung der Sparkasse seinen Ausbildungsplatz ergattert. "Meine Schule engagiert sich sehr in der Berufsberatung und organisiert auch Exkursionen zu Veranstaltungen", sagt der Zehntklässler der Oberschule Brand-Erbisdorf, die erneut mit dem Qualitätssiegel für Berufs- und Studienorientierung ausgezeichnet wurde.

Dem Hartmannsdorfer Kommunikationsdienstleister Komsa ist es wichtig, "das Ohr eng an den Schülern zu haben". Das sagt Personalleiterin Katrin Haubold. "Hierfür kooperieren wir mit vielen Schulen aus der Region, bieten Projekttage und Bewerbertrainings an", erläutert Haubold. Als Beispiel nennt sie das Zeitung-im-Unterricht-Projekt der "Freien Presse" zur digitalen Mediennutzung, das von Komsa als Kooperationspartner unterstützt wird. "Das wichtigste Argument für junge Frauen und Männer sind die attraktiven Aufstiegschancen und die sehr auf Entwicklung angelegte Ausbildungszeit", sagt Haubold. Jeder Azubi habe eine Führungskraft als Paten. Auch ein Auslandsaufenthalt sei möglich. Ferner gebe es ein Prämiensystem für Azubis. Wer nicht aus der Region stamme, erhalte eine Wohnmöglichkeit am Hauptsitz. Über ihre Erfahrungen berichten die Azubis in einem Blog im Internet.

Laut Arbeitsagentur Freiberg geben die Pflegeheime Lichtenberg Stiftung Münch ihren Azubis eine Shopping-Card (120 Euro im Jahr), womit sie in bestimmten Geschäften einkaufen können.

Angela Gronwaldt ist die Geschäftsführerin des Regionalverbandes Freiberg der Volkssolidarität mit Sitz in Flöha. Sie hält nichts davon, Nachwuchs mit Smartphones oder ähnlichem zu ködern. "Wir legen lieber großen Wert auf die Unterstützung unserer Azubis", sagt Gronwaldt. Als eine Pflegerin-"Azubine" lange krank war, durfte sie ihre Lehrzeit um ein halbes Jahr verlängern. Zudem kümmerte sich die Praxisanleiterin verstärkt um sie. "Wir helfen ihr, dass sie es schafft", so Gronwaldt. Auch bei anderen Problemen werde stets nach einer Lösung gesucht. Damit sie dem Nachwuchs besser zur Seite stehen können, haben die Anleiter jetzt einen freien Tag pro Monat zum Lernen mit den Azubis zur Verfügung.


Von Shoppingcard bis Kita-Zuschuss: Das bieten die Firmen

Die Firma Steyer Textilservice in Halsbrücke bietet laut Arbeitsagentur eine Willkommensveranstaltung für Azubis und erstattet die Fahrtkosten zur Berufsschule. Das Unternehmen Actech in Freiberg offeriert Miet- und Fahrtkostenzuschüsse.

Die Firma Cyberport Services in Großschirma wirbt mit Mitarbeiterrabatten, Jobticket, Firmenevents.

Die Großschirmaer Bäckerei Illgen bietet Personalrabatt und Kindergartenzuschuss.

Die Pflegeheime Lichtenberg Stiftung Münch schenken ihren Azubis eine Shopping-Card mit einem Guthaben von 120 Euro im Jahr. Mit der Card kann der Firmennachwuchs in bestimmten Geschäften einkaufen. (hh)

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