Wiederauer Bürgerhaus hat neue Pächterin

Angelika Meißner steht in den Startlöchern, um sich den Traum vom eigenen Lokal zu erfüllen. Doch noch ist Warten angesagt.

Wiederau/Stein.

Eine eigene Gaststätte zu betreiben, ist der Traum von Angelika Meißner. Als sie ihre frühere Arbeit kündigte, um das leerstehende Bürgerhaus in Wiederau im Gewerbegebiet zu übernehmen, war sie voller Zuversicht, am 20. April neu zu eröffnen. Bis zuletzt hoffte sie auf eine positive Wende. Die aber zerbröckelte mit der Mitteilung der Regierung, dass es zwar Lockerungen wegen der Coronakrise gäbe, aber alle gastronomischen Einrichtungen weiterhin geschlossen bleiben.

"Ich bin sehr enttäuscht und wütend, aber es hilft nichts, und ich muss weiter warten. Ich werde erst öffnen, wenn ein normaler Gaststättenbetrieb genehmigt ist", berichtet die 53-jährige Steinerin, die nun erst einmal in einer Pflegeeinrichtung arbeiten kann, um nicht ganz mittellos dazustehen.

13 Jahre lang war sie die gute Seele der Rast- und Gaststätte in Diethensdorf. "Ich habe meine Arbeit gern gemacht. Wochentags boten wir Mittagstisch an, und am Wochenende feierten viele Gesellschaften bei uns. Der Wunsch, für die eigene Tasche zu arbeiten, schwelte schon länger", berichtet die Restaurantfrau. Erste Anfragen das leere Bürgerhaus zu übernehmen, lehnte sie zwar kategorisch ab. Aber es beschäftigte sie dennoch - Tage lang, Nächte lang. Und dann sagte sie auf dem Gemeindeamt zu. "Viele Bekannte und Familienmitglieder rieten mir ab. Sie erklärten mich für verrückt, in meinem Alter noch einmal neu zu starten. Aber dennoch will ich es wagen", schmunzelt sie. Und legte los: Der Gastraum wurde neu gemalert und mit neuem Mobiliar ausgestattet. Ein Stammtisch wurde aufgestellt. Der sei ein unbedingtes Muss, denn freitags werden Karten geklopft. Das war in Diethensdorf so und soll in Wiederau weitergeführt werden - ebenso, dass es jeden Wochentag zwei Tagesgerichte gibt und dass gutbürgerliche Gerichte auf der Speisekarte stehen. An den Wochenenden wird nach Absprache geöffnet, vorrangig für Festgesellschaften.

Mit der kleinen Küche im Objekt komme sie gut zurecht. Lediglich für den fehlenden Lagerraum musste eine Lösung gefunden werden. Dafür stellen nun die Mitglieder der Wiederauer Blaskapelle ihren Probenraum zur Verfügung, der sich ebenfalls im Gebäude befindet. Sie ziehen in die ehemalige Grundschule in Wiederau. Die Kegelbahn wird weiter betrieben, erste Anmeldungen liegen bereits vor. Auch ein kleiner Biergarten vor dem Bürgerhaus wird in Betrieb genommen, und hinter dem Gebäude sollen neben dem vorhandenen Barfußweg ein Sandkasten und eine Sitzecke aufgestellt werden. In "Gelis Bürgerhaus" wird Marc-Michael Dietze, ein Freund der Familie, der bisher in Frankfurt in einem Altenpflegeheim und für Catering gekocht hat, arbeiten. "Er hat schon viele neue Ideen und hofft auch auf einen baldigen Beginn", erklärt Angelika Meißner. Sie kann erst einmal nur sauber machen und warten, denn auch Vertreter kommen noch nicht ins Haus. Lebensmittel und Getränke will sie liefern lassen, aber Frischkost wird bei regionalen Anbietern gekauft. Geplant ist außerdem, Speisen im Umkreis von zehn Kilometern zu liefern.

Gelis Bürgerhaus soll Montag bis Donnerstag von 11 bis 14 Uhr sowie von 18 bis 22 Uhr öffnen, freitags von 11 bis 14 Uhr und von 17 bis 23 Uhr.


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